Elvira Burger
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Elvira Burger starb im Alter von 77 Jahren.

Sie war für viele Flüchtlinge die „Oma“

Dietramszell trauert um Elvira Burger

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Viele Flüchtlinge, die nach Dietramszell kamen, fanden ein Obdach bei Elvira Burger und ihrem Mann Walter. Jetzt ist die „Oma“ mit 77 Jahren verstorben.

Dietramszell – Voller Empathie hat sich Elvira Burger um Menschen gekümmert, die nach einer Flucht um die halbe Welt in Dietramszell angekommen waren. Mazedonier, Afghanen, Pakistanis, Syrer: Ihnen allen half sie, sich in der deutschen Kultur zurechtzufinden, unterstützte sie bei Behördengängen, machte mit den Kindern Hausaufgaben, erledigte Einkaufsfahrten und trocknete viele Tränen. Jetzt ist die „Oma“, wie sie von vielen großen und kleinen Asylbewerbern genannt wurde, im Alter von 77 Jahren verstorben.

Elvira Burger musste selbst fliehen

Elvira Burger, geborene Jaitner, war selbst ein Flüchtlingskind. Im Alter von zwei Jahren mussten sie aus ihrem Geburtsort Hotzenplotz in Schlesien, dem heutigen Osoblaha, fliehen. Die Familie kam über Holzkirchen nach Schönegg und danach nach Obermühltal. Erinnerungen an das, was die Familie durchmachte, hatte sie keine. „Aber sie hat mir immer erzählt, dass das für sie ein wichtiger Antrieb war, selbst zu helfen“, erzählt ihr Mann Walter Burger.

Die beiden lernten sich kennen, als Burger von einem Lkw in Obermühltal Kies ablud. Er sah ein junges Mädchen und dachte sich: „Das ist aber eine Hübsche.“ Da der Vater, der kriegsversehrt von der Front heimgekehrt war, einen Friseursalon betrieb, ließ er sich von nun an immer dort die Haare schneiden. 1961 wurde geheiratet, das Paar zog nach Peretshofen. Dort baute Burger ein Haus für die Familie. Es kamen vier Kinder.

Große Freude hatte die tiefgläubige Frau auf der Lenggrieser Hütte. Dort war ihr Sohn Walter viele Jahre Pächter und bewirtete viele Wanderer, speziell an sonnigen Wochenenden. „Sie half mit, wo sie konnte und war glücklich“, erzählt ihr Mann.

Die Geschichte der Raufis erregte Aufsehen

Im September 2013 kamen die ersten Asylbewerber nach Dietramszell. Elvira und Walter Burger zögerten keinen Augenblick, sie aufzunehmen. Zu den ersten gehörte gleich die afghanische Familie Raufi, die Schlagzeilen machte, weil es zu einer spektakulären Familienzusammenführung kam. Nach vielen Irr- und Umwegen fand Abdul Raufi seine Frau und vier Kinder, die er auf der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland aus den Augen verloren hatte, wieder. Danach kamen noch viele weitere Flüchtlinge aus aller Herren Länder, deren sich Elvira Burger stets mit großer Herzenswärme annahm. Mit vielen blieb die Familie auch später in Kontakt.

Waltraud Bauhof, damals Leiterin des Sozialnetzes „Miteinander Füreinander“, das die Asylbetreuung übernommen hatte, findet nur lobende Worte für die Leistung der Burgers. „Die Fürsorge und Zuwendung war etwas ganz Besonderes“, sagt sie. „Ihre Empathie war großartig und absolut vorbildlich.“

Der Brand ihres Hauses setzte Elvira Burger zu

Im Jahr 2015 erkrankte Elvira Burger. Sie kämpfte sich jedoch nach einer erfolgreichen Operation in München sowie einer Bestrahlung zurück ins Leben. Dann kam das „Katastrophenjahr 2020“, wie Walter Burger, lange Hausmeister an der Mittelschule Dietramszell, erzählt.

Anfang des Jahres musste sich Elvira Burger einer weiteren Operation unterziehen. Dann brannte das Peretshofener Haus nieder. Und schließlich kehrte die schlimme Krankheit wieder. „Bleib noch ein bisschen bei mir, nächstes Jahr feiern wir 60. Hochzeitstag, da will ich mit Dir tanzen gehen“, sagte Walter Burger zu ihr. Vergeblich. Die Krankheit war zu stark. Am 18. August 2020 schloss Elvira Burger für immer die Augen.

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