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Helena (l.) und Hanna (M.) mit Friseurin Tini Sixt.

46 Zentimeter für eine gute Sache

Weil eine Reportage sie so berührte: Dietramszeller Schwestern trennen sich von ihren Zöpfen

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Zwei Schwestern spenden ihr Haar: Die Zöpfe der Mädchen aus Dietramszell werden zu Perücken für krebskranke Kinder verarbeitet.

Dietramszell - Die langen, blonden Haare von Helena Gröbmair sind zu einem Zopf geflochten. Friseurin Tini Sixt setzt die Schere an. Die 16-Jährige schließt vor dem Spiegel ihre Augen, leicht fällt es ihr nicht, sich von ihren Haaren zu trennen. Dann macht es schnipp – noch bevor Helena die Augen wieder öffnet, hält Sixt schon den Zopf in der Hand – ganze 46 Zentimeter. Diese 46 Zentimeter sollen Kindern ihre Fröhlichkeit zurückgeben.

Vor einiger Zeit hatte Helena eine Reportage im Fernsehen gesehen. Ein Mädchen war an Krebs erkrankt, die Haare fielen ihr aus. Ihre beste Freundin entschied sich dazu, ihr Haar wachsen zu lassen, um sie für eine Perücke zu spenden. „Das war so eine ergreifende Geschichte“, erzählt die 16-Jährige. „Dann dachte ich mir, das könnte ich auch machen.“

Perücken helfen erkrankten Kindern

Auch ihre 14-jährige Schwester Hanna konnte sie dafür sofort begeistern. Die beiden Mädchen aus Dietramszell (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) entschieden sich, ihre langen Haare an den Verein Haarfee aus Österreich zu spenden. Er stellt Echthaar-Perücken her – vor allem für Kinder, die nach einer Chemotherapie, schweren Verbrennungen oder anderen Krankheiten ihr eigenes Haar verloren haben. Hilfe bekomme jeder, der sich meldet, sagt Erwin Krammel vom Verein.

An dem Tag, als es so weit ist, kämpft Helena Gröbmair mit sich. Sie hat Tränen in den Augen, als die Friseurin die Schere ansetzt. Noch nie hatte sie die Haare so kurz, erzählt sie danach. Für ihre Schwester Hanna war es einfacher. „Mir macht das nichts aus“, sagt sie und lächelt. „Ich hatte die Haare schon kürzer.“ Aus ihren dicken braunen, welligen Haaren konnte die Friseurin sogar vier Zöpfe flechten. Nun reichen die Haare der beiden Mädchen noch bis über die Schulter. „Es fühlt sich an, als hätte ich keine Haare mehr“, sagt Helena, als sie vor dem Spiegel steht und sich immer wieder durch das Haar fährt. Aber sie freut sich, dass sie etwas Gutes tut. „Es ist schön zu helfen.“

Die beiden Schwestern vor dem „Eingriff“.

Auch die Tante ließ sich anstecken

Am meisten würde sich die 16-Jährige über ein Foto von dem Kind freuen, das die Perücke aus ihren Haaren tragen wird. Das ist allerdings nicht möglich, erklärt Krammel. Der Verein höre diese Frage öfter. „Leider ist das nicht machbar“, sagt er. Denn bei der Produktion gehe die Übersicht verloren, welche Haare für welche Perücke verwendet werden. Pro Perücke werden vier bis fünf Zöpfe verarbeitet. 500 Euro kostet die Herstellung einer Echthaar-Perücke. Diesen Betrag refinanziert der Verein über Spenden, sodass er die Perücken kostenlos weitergeben kann. Für gewöhnlich müsse man für eine solche Echthaar-Perücke bis zu 3.000 Euro zahlen, sagt Krammel.

Der Verein Haarfee hat ungefähr 40 Prozent seiner Abnehmer in Deutschland, aber auch viele in der Schweiz und in Italien. Bald werden auch aus den Zöpfen der Schwestern Perücken hergestellt. Von der Aktion haben sich im Anschluss auch noch ihre Tante sowie eine Freundin anstecken lassen. Zusammen mit jeweils 50 Euro und einer Spende vom Friseursalon Kotz, sind die insgesamt sieben Zöpfe auf die Reise nach Österreich gegangen. Um anderen Kindern ein Lächeln zu schenken.

Lesen Sie auch: Zehnjährige schneidet sich die Haare ab - aus einem traurigen Grund

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