Nach Coronafall in Quarantäne: Robben berichtet von bitteren Momenten - „Das Schlimmste war ...“

Nach Coronafall in Quarantäne: Robben berichtet von bitteren Momenten - „Das Schlimmste war ...“
+
Bis die Späne fliegen: Luis Unützer schafft ein Kunstwerk aus einem Stück Holz.

Ein Dietramszeller macht Furore

So schön sind die Holzkunstwerke von Luis Unützer

  • schließen

Luis Unützer aus Thankirchen verleiht dem jahrtausendealten Drechslerhandwerk einen modernen Schliff. Seine Kreationen aus Holz stoßen überall auf Begeisterung.

Dietramszell – Wenn seine Altersgenossen abends feiern gehen, steht Luis Unützer lieber in seiner kleinen Werkstatt an der Drechselbank. In wenigen Stunden verwandelt der 20-jährige Thankirchner einen klobigen Holzklotz in eine fragile Schale oder ein abstraktes Kunstobjekt. Stimmt die Form, kommt die Feinarbeit: Mit ruhiger Hand dreht er ein gleichmäßiges Rillenmuster in das Holz, behandelt es mit Rostwasser oder Sumpfkalk, schleift und poliert es und bürstet ein ums andere Mal darüber, um die Maserung hervorzuheben.

„Ich stehe auf schlichte geometrische Formen“, erklärt Unützer. Weil seine zylinderförmigen Vasen und Schalen extrem dünne Wände haben, verziehen sie sich – und bekommen manchmal Risse. Das ist gewollt, sagt er. Die gleichmäßig bauchige Schüsselform langweile ihn. Mit seinen ungewöhnlichen Kreationen hat sich der 20-Jährige trotz seiner jungen Jahre schon einen Namen als Drechsler gemacht.

Jüngst gewann Unützer bereits zum zweiten Mal den Kunstwettbewerb des Freisinger Diözesanmuseums und der Münchner Berufsfachschulen. Seine Interpretation des Themas „zeitgenössische Andachtsbilder“: vier abstrakte Figuren aus Eschenholz, die wie Stehaufmännchen schwanken. Sie sollen das dynamische Gleichgewicht innerhalb einer Familie symbolisieren.

Sein Onkel hat den Namen Unützer bekannt gemacht 

Auch die Modewelt interessiert sich für den Thankirchner: Das Magazin „Harper´s Bazaar“ berichtete im Weihnachtsheft von dem aufstrebenden Künstler aus dem Voralpenland; in der „Vogue“ soll demnächst ebenfalls ein Artikel über ihn erscheinen, erzählt er. Dass sein Onkel den Namen Unützer als Produzent hochpreisiger Damenschuhe bekannt gemacht hat, erleichtert dem Holzkünstler den Einstieg in die Designerszene.

Das Drechseln brachte sich der Sohn eines Landschaftsarchitekten selbst bei. Vor vier Jahren bekam Unützer seine erste Drechselbank vom Papa zu Weihnachten. „Ich habe schon immer gerne mit Holz gearbeitet“, erzählt er. Ein paar Tipps bekam er von seinem ehemaligen Nachbarn, einem Hobby-Drechsler. „Aber ich bin froh, dass ich keinen dieser typischen Drechselkurse besucht habe“, sagt Unützer. So habe er viel experimentiert, aus Fehlern gelernt und zu seinem eigenen Stil gefunden.

Eine große Kiste voll zerborstener Gefäße zeugt von missglückten Versuchen. „Mindestens drei von zehn Schüsseln gehen kaputt“, gibt der 20-Jährige zu. Das Holz, das er verwendet, stammt fast ausschließlich aus der näheren Umgebung; meist sind es alte Eichen, die wegen eines Bauvorhabens oder nach einem Sturmschaden gefällt werden müssen. Gern greift er dafür auch selbst zur Kettensäge.

Drechseln ist für Luis Unützer wie Yoga - Entspannung pur

Das Drechseln ist seine Passion. Und „sein Yoga“, wie er sagt, sein Weg zur Entspannung und Konzentration auf das Wesentliche. Zum Beruf wollte er es trotzdem nicht machen. Das „Nutzhandwerk“ – also das Drechseln von Stuhlbeinen oder Treppengeländern – interessiert ihn nicht, betont Unützer. Nach dem Realschulabschluss bewarb er sich bei der Städtischen Berufsfachschule für das Holzbildhauerhandwerk in München. Obwohl er die Abgabefrist verpasst hatte, wurde er angenommen. Seit zwei Jahren lernt er dort „Formen zu sehen und zu entwickeln“ und wird in seinem „individuellen Kunststil gefördert“. Im Sommer muss er sein Gesellenstück abliefern. Auch das soll wieder ein Ensemble stilisierter gedrechselter Figuren werden. Danach will er seinen Meister als Holzbildhauer machen. Allerdings startet die nächste Meisterklasse erst 2021. Das freie Jahr möchte er zum Geldverdienen nutzen, außerdem will er möglichst viel drechseln und den Jagdschein machen, erzählt er. Außerdem stehen unter anderem eine Ausstellung im Bayerischen Kunstgewerbeverein in München und auf der internationalen Möbel- und Einrichtungsmesse IMM in Köln auf dem Plan.

Lesen Sie auch: Das erlebte ein Dietramszeller auf dem Jakobsweg

Dass er talentiert ist, hört der junge Mann aus Thankirchen von allen Seiten. Auch über mangelndes Kundeninteresse kann er sich nicht beklagen. Seine Schalen und Vasen verkauft er auf Weihnachtsmärkten oder über seinen Online-Shop. Dennoch verlässt sich der geschäftstüchtige Nachwuchsdrechsler nicht darauf, dass er von seiner Kunst leben kann. Nach der Meisterprüfung plant er ein Studium zum Industriedesigner. Sein Ziel: schöne Autos zu entwerfen. „Eigentlich sind mir Autos völlig wurscht“, gibt er schmunzelnd zu. „Aber die Formen müssen stimmen. So schlicht wie möglich.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

So lief die Eglinger Gemeinderatssitzung im Zeichen von Corona
Corona ändert alles - auch die Sitzordnung im Eglinger Gemeinderat. Die Sitzung am vergangenen Montag kann man getrost als historisch bezeichnen. 
So lief die Eglinger Gemeinderatssitzung im Zeichen von Corona
Wie Gastronomen versuchen, durch die Krise zu kommen
Not macht erfinderisch: Viele Gastronomen versuchen, mit Lieferservice und Büro-Alternative durch die Corona-Krise zu kommen. 
Wie Gastronomen versuchen, durch die Krise zu kommen
Corona im Landkreis: Zahl der aktuell Erkrankten stabilisiert sich
Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Bad Tölz-Wolfratshausen ist am Mittwoch im Vergleich zum Vortag um 20 angestiegen. Doch es gibt auch eine ermutigende …
Corona im Landkreis: Zahl der aktuell Erkrankten stabilisiert sich
So verhält sich Mikrobiologe Dr. Georg Linsinger in der Corona-Krise
Dr. Georg Linsinger ist Mikrobiologe. Im Interview mit unserer Zeitung verrät der Ickinger, wie er sich in der Corona-Krise verhält - und was er anderen rät. 
So verhält sich Mikrobiologe Dr. Georg Linsinger in der Corona-Krise

Kommentare