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Die Pferde standen am Samstag in Dietramszell im Mittelpunkt. Festlich geschmückt zogen sie die Kutschen durchs Dorf. Bei der Leonhardi-Wallfahrt kommt traditionell am dritten Julisamstag die ganze Familie zusammen

Höhepunkt einer dreitägigen Feier

So viele Gespanne wie nie: So prächtig war der Zeller Lehards

Der dritte Juli-Samstag ist ein wichtiger Termin in Dietramszell, denn da steht der „Lehards“ auf dem Programm. Heuer war er besonders gut besucht. 

Dietramszell – „Lehards ist für die Zeller wie ein zweites Weihnachten“: Das sagte die Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung der Leonhardikirche in Dietramszell, Michaela Hainz, an einem der heißesten Tage des Jahres. Traditionell fand am dritten Julisamstag die Leonhardi-Wallfahrt rund um die Kirche statt. Sie bildete den Höhepunkt eines dreitägigen Fests mit Bierzelt, Jahrmarkt und Gaupreisplattln des Oberlandler Gauverbands. Organisiert wird die Pferdeprozession von der Gemeinde; der Verein unterstützt sie dabei.

Malerisches Bild: Am Zeller Lehards nahmen heuer 37 Gespanne teil. 

37 Gespanne nahmen heuer an der Fahrt teil, so viele wie noch nie zuvor. Im eigens gebildeten Leonhardi-Ausschuss waren sie vor einigen Wochen festgelegt worden, ebenso wie ihre Nummer im Zug. Der Feiertag begann mit einem Gottesdienst in St. Leonhard am Vormittag mit Segnung der frisch gebackenen Lehardsbrote, die am Nachmittag an einem der Jahrmarkt-Stände verkauft wurden.

Mittags stellten sich die prächtig geschmückten Gespanne vor dem Kloster in Dietramszell auf, um den Klosterberg hinauf durch das Dorf Schönegg Richtung Kirche zu fahren. Diese wurde dreimal umrundet. Dekan Thomas Neuberger, Diakon Hermann Vollmer und Gemeindereferentin Ruth Schäfer spendeten von einem Altar im Schatten eines Baums aus den dreimaligen Segen für Mensch und Tier. Bei der ersten Runde hielten sie das Kreuz hoch, bei der zweiten spritzten sie Weihwasser auf die vorbeifahrenden Kutschen und ihre Insassen und bei der dritten schwenkten sie das Weihrauchfass.

Mitfahren darf nur, wer beim Schmücken der Wagen mit selbst gebundenen Blumenkränzen geholfen hat. „Das ist eine von vielen Regeln rund um Lehards“, berichtete Michaela Hainz. Ausgenommen davon sind natürlich die Ehrengäste, unter ihnen heuer die Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber und Hans Urban, der Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan sowie Bürgermeisterin Leni Gröbmair. Typisch für die Dietramszeller Leonhardifahrt ist, dass sich kaum einzelne Reiter im Zug befinden. Einige der wenigen waren zwei Polizisten der Reitergruppe Rosenheim. Sie waren zum ersten Mal dabei.

Brav isser! Die prächtigen Pferde wurden viel bewundert. 

Die Baiernrainer Blaskapelle spielte auf einem Wagen, von einem anderen aus winkten rund 20 Kinder des Trachtenvereins Humbach. Ein paar kleinere Fuhrwerke wurden von Ponys gezogen, auf einem Gefährt thronte ein Modell der St. Leonhardskirche. Immer wieder erklang Peitschengeschnalze über den Köpfen der Rösser. Die Zuschauer – überwiegend in Tracht, einige im Radlerdress – bekamen etwas geboten, bevor alles Richtung Zelt strömte. Nur die Rosserer blieben nach der Prozession bei ihren Tieren, gaben ihnen Wasser und den einen oder anderen Leckerbissen als Belohnung.

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Hans Rieger aus Bairawies zählte mit 82 Jahren zu den ältesten Wallfahrern. Die Hitze machte weder ihm noch den Süddeutschen Kaltblütern Mona, Vitus, Rocco und Veit etwas aus. „Wir sind schon bei ganz anderem Wetter gefahren“, sagte Rieger. Einmal, während eines starken Gewitters, habe der Blitz in einen Baum eingeschlagen und der Wipfel sei direkt neben einem seiner Pferde gelandet, erzählte er. „Das Ross ist mir danach fast nimmer ins Holz ‘rein gegangen vor Panik“. Etwas Ernsthaftes passiert sei aber nie in all den Jahren, in denen er am Zeller Lehards teilgenommen habe. Früher seien es nur zehn bis 15 Gespanne gewesen. Viel mehr als die 37 vom Samstag müssten es aber nicht werden, meinte Rieger. Heute kümmert sich sein Enkel Josef Seidl um die Vorbereitungen, ein Urenkel ist auch schon mit von der Partie.

Was ist das Schöne an der Dietramszeller Leonhardifahrt? „Die Strecke ist gut zu fahren, nicht so steil wie in Bad Tölz“, sagte Matthias Hagn aus Beuerberg, der die Mitglieder des Trachtenvereins Humbach kutschiert hatte. Er kennt die Pferdewallfahrten in der Umgebung – Benediktbeuern, Ascholding, Siegertsbrunn, Gelting. „Bei jeder herrscht eine tolle Atmosphäre“, findet er. Und Gottes Segen für Mensch und Tier könne man schließlich nicht oft genug erbitten. Tanja Lühr

Leonhardi in Dietramszell: Die schönsten Bilder

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