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Glücklich über die Solidarität: Markus „Mandelhans“ Kaiser in seinem Stand neben dem Gasthof Peiß.

Stand neben dem Gasthof Peiß

Trotz Lehards-Aus: Auf Schokoherzen muss niemand verzichten

  • Clara Wildenrath
    vonClara Wildenrath
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Seit den 1970er Jahren steht der „Mandelhans“ auf dem Leonhardi-Jahrmarkt. Auch heuer - obwohl Lehards bekanntlich abgesagt worden ist. 

Dietramszell – Dass es heuer keine Leonhardifahrt gibt, trifft die Gemeinde schwer. Aber nicht nur sie. Für Markus Kaiser aus München bedeuten Jahrmärkte wie der rund um den Lehards die Lebensgrundlage. Seit 22 Jahren betreibt er den traditionsreichen Marktstand „Zum Mandelhans“. Bis Anfang Oktober wollte er seine gebrannten Mandeln, Zuckerwatte und andere Leckereien auf mehr als 40 Veranstaltungen verkaufen. Maidult, Wiesn, zahlreiche Dorf- und Straßenfeste – alles abgesagt. Aber: „Jammern hilft nix“, sagt der 47-Jährige und lacht.

Vor einem Monat noch, erzählt er, sah es so aus, als müsse sein Betrieb dieses Jahr komplett ohne Umsätze über die Runden kommen. Zwölf Angestellte und sieben Verkaufswagen warteten seit März vergeblich auf einen Einsatz. Doch „sich hinzusetzen und nur nach staatlicher Hilfe zu schreien“, das wollte Kaiser nicht. Stattdessen ging er auf die Suche nach alternativen Stellplätzen. Einen fand er dank der Lehards-Wirtsleute in Dietramszell. Seit dem Muttertag steht der „Mandelhans“ auf dem Parkplatz des Gasthofs Peiß. Wenn er sonntags um elf den Stand öffnet und der Duft von Zimt und karamellisiertem Zucker hinauszieht, muss er nicht lange auf die erste Kundschaft warten. Die restliche Woche über verkauft Kaiser seine Süßigkeiten in Sauerlach und Bad Wiessee. Mit diesen drei Ständen hofft er, wenigstens 20 Prozent seiner gewohnten Einnahmen zu erwirtschaften, „wenn alles weiter so gut läuft wie bisher“.

Seit dem Muttertag hält der „Mandelhans“ die Stellung

Kaiser ist begeistert, wie positiv die Dietramszeller auf das Angebot reagieren. „Gefühlt das ganze Dorf ist unterwegs und kauft am Sonntag eine Tüte gebrannte Mandeln“, meint er gerührt. Fast alle, die sich gegenüber im Gasthof ihr Mittagessen „to go“ holen, nehmen bei ihm noch eine Nachspeise mit. Er sei „wahnsinnig dankbar“ über die Solidarität, die er von allen Seiten erlebe: von der Familie Peiß, die ihm kostenlos den Stellplatz mitsamt Stromanschluss zur Verfügung stellt, von seinen Mitarbeitern und den großzügig einkaufenden Kunden. „Wir werden dieses Jahr überstehen“, da ist er optimistisch.

Zum Glück seien die meisten Angestellten „Hobbyverkäufer“ aus dem Freundes- und Familienkreis und nicht auf die Einkünfte angewiesen. Bei ihm selbst sieht es anders aus: „Das Privatleben muss sich natürlich an die Einkommenssituation anpassen.“ Seine Wohnung in München habe er gekündigt und eine billigere gefunden, einen der beiden Firmenwagen musste er abmelden. „Statt Steak gibt’s jetzt Nudeln. Aber ich kann mir immerhin noch jeden Abend eine warme Mahlzeit machen“, sagt er. Es klingt nicht sarkastisch, sondern zufrieden.

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Der gelernte Konditor ist Marktsteller aus Leidenschaft und froh, dass er jetzt wieder arbeiten kann: „Wenn du einem Kind eine Zuckerwatte überreichst, und seine Augen anfangen zu strahlen, da geht dir das Herz auf.“ Im Moment verkauft er die allerdings nicht – weil viele Familien mit dem Auto kommen, wo die klebrige Masse doch etwas schwierig zu handhaben ist. „Ich freue mich schon riesig, wenn wir alle zusammen nächstes Jahr wieder richtige Feste feiern können.“ Vielleicht, so hofft er, finden auch die Weihnachtsmärkte schon statt. Den Sommer über können sich die Dietramszeller zumindest jeden Sonntag über ein kleines Stück Lehards freuen.

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