Ursula und Florian Guggenbichler, vor ihrem Wirtshaus, der „Klosterschänke“ in Dietramszell.
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Bitter enttäuscht: Ursula und Florian Guggenbichler, Wirte der Klosterschänke in Dietramszell

Wirte klagen gegen Versicherungen

Landgericht München II weist die Klage der Klosterschänke ab

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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83370 Euro: diesen Betrag wollten die Wirte der Klosterschänke vor Gericht erstreiten. Die Allianz-Versicherung hatte sich geweigert, die ökonomischen Schäden des Lockdowns zu erstatten. Nun hat das Gericht entschieden. Und die Familie Guggenbichler ist bitter enttäuscht.

Dietramszell – Ursula Guggenbichler, Wirtin der Klosterschänke in Dietramszell, hat im vergangenen Jahr den Glauben an vieles verloren. Erst den an die Versicherungsbranche, jetzt auch den an die Gerichte. Sie und ihr Mann Florian hatten am Landgericht München II ihre Versicherung, die Allianz, auf 83 370 Euro verklagt, weil die für die ökonomischen Schäden des Lockdowns im Frühjahr 2020 nicht geradestehen wollte.

Gegen Pandemien war die Wirtschaft versichert - aber eben nicht gegen diese

„Dabei waren wir mit unserer Betriebsschließungsversicherung extra gegen Pandemien abgesichert.“ Und jetzt ist ihre Klage auch noch abgewiesen worden. Ihr Eindruck dabei: Die Richter haben es sich leicht gemacht. „Die haben irgendwelche früheren Urteile zitiert. Die waren ganz schnell fertig damit. Inhaltlich hat sich niemand richtig damit beschäftigt.“

Ein Wirt feierte vor Gericht einen Erfolg: Der Münchner Augustinerkeller

Die Dietramszeller Klage hatte Aufsehen erregt. Sie war eine von mehreren, die kleine Gasthäuser aus der Region gegen ihre Versicherungen anstrengten. Das Gericht begründete die Abweisung der Klage damit, dass in der Liste von Krankheiten und Erregern, die die Police erwähnt, Covid-19 nicht ausdrücklich erwähnt wird. „Ein Witz“, findet die Wirtin. „Eine Pandemie entsteht immer aus einem neuen Erreger.“ Besonders ärgert sie sich darüber, dass ein anderer Gastronom mit seiner Klage durchgekommen ist, aber eben ein großer: Dem Wirt des Münchner Augustinerkellers musste seine Versicherung eine Million Euro zahlen. „Da wird doch mit zweierlei Maß gemessen.“

Auch Reutberg-Wirte warten auf Urteil

Ob sie und ihr Mann wirklich in Berufung gehen, steht im Moment noch nicht fest. „Das wird eine Abwägungssache“, sagt sie. Nicht zuletzt eine finanzielle. Um das Oberlandesgericht anrufen zu können, braucht es noch einmal 15 000 Euro, und die Erfolgsaussichten sind unklar. „Genug Wut im Bauch habe ich“, sagt sie. Doch zuvor will sie sich mit den Chefs des Klosterstüberls Reutberg beratschlagen. Das Urteil über deren Klage steht derzeit noch aus.  vu

Ein Versicherer aus Wolfratshausen wählte einen anderen Weg: Er steht den Wirten in der schwierigen Zeit zur Seite

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