Ortsgestaltungssatzung

Zu viel Spielraum für Interpretationen

  • schließen

Dachgauben und Erker findet man heute an fast jedem Neubau. In der Gemeinde Dietramszell sind sie nach der über 25 Jahre alten Ortsgestaltungssatzung eigentlich unerwünscht.

Dietramszell – „Es macht keinen Sinn, dass sich der Bauausschuss immer mit den gleichen Ausnahmegenehmigungen befassen muss“, klagte Gemeinderat Hubert Prömmer (Grüne). Bereits Anfang 2016 hatte er deshalb beantragt, eine neue Ortsgestaltungssatzung zu erarbeiten. Im Frühjahr dieses Jahres hatte die Gemeinde – nach dem erneuten Nachhaken Prömmers – dazu Angebote von Stadtplanern angefordert. Eingegangen war jedoch nur ein einziges, erklärte Bürgermeisterin Leni Gröbmaier.

Architektin Vera Winzinger aus Utting am Ammersee stellte in der jüngsten Gemeinderatssitzung ihr Konzept vor. Sie hatte schon in der vergangenen Amtsperiode an einem ersten Anlauf zur Überarbeitung der Gestaltungsregeln mitgewirkt. Ihr Hauptkritikpunkt an der alten Satzung: „Man kann nicht eine Bauvorschrift über den gesamten Gemeindebereich legen.“ Das Ratsgremium müsse zunächst definieren, in welchen Gebieten eine prägende Struktur vorhanden sei, die man nicht verlieren wolle. In allen anderen Bereichen könne man großzügiger sein.

Darüber hinaus bemängelte die Architektin einige „nicht eindeutige Formulierungen“. So müsse der Begriff „rechteckiger Baukörper“ durch die Angabe eines Seitenverhältnisses konkretisiert werden. Auch die Gestaltung „im Einklang mit dem Orts- und Landschaftsbild“ lasse zu viel Raum für Interpretationsmöglichkeiten. „Hier müssen klare Aussagen her“, betonte Winzinger. Sonst habe man keine rechtliche Handhabe, wenn sich jemand querstelle.

Grundsätzlich gilt eine Ortsgestaltungssatzung aber nur für den Innenbereich, wie Vize-Bürgermeister Michael Häsch (CSU) zu bedenken gab. Dadurch erfasse sie zahlreiche kleine Weiler im Gemeindegebiet nicht. Häsch regte an zu prüfen, inwieweit sich der Geltungsbereich durch eine Einbeziehungssatzung erweitern lasse.

Ob die Gemeinde das Konzept von Ortsplanerin Winzinger weiterverfolgen oder noch weitere Angebote anfordern soll, darüber will der Bauausschuss in seiner nächsten Sitzung abstimmen. Ist der Beschluss gefasst, dauert es nach Erfahrung der Architektin etwa ein Jahr, bis die neue Satzung fertig ist.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tüchtig und lebenslustig bis zum Schluss
Ein Leben voller Höhen und Tiefen ist zu Ende gegangen. Im gesegneten Alter von 94 Jahren starb am 10. Januar Jaromir Frühwirt.
Tüchtig und lebenslustig bis zum Schluss
Arm, aber herzlich
Lisa Napiletzki aus Dietramszell arbeitete 16 Monate in Bolivien und verliebte sich in das Land und seine Menschen.
Arm, aber herzlich
Katz-und-Maus-Spiel
Ein 65-jähriger Autofahrer aus München entzieht sich auf dem Autobahnzubringer einer Polizeikontrolle. Und liefert an deren Ende in Fürstenried eine verblüffende …
Katz-und-Maus-Spiel
Die Verzahnungsrunde als Lernprozess
Die Geretsrieder River Rats starten mit einem Heimspiel gegen den TSV Peißenberg.  Coach Ludwig Andrä fordert von seiner Mannschaft absolute Laufbereitschaft und ein …
Die Verzahnungsrunde als Lernprozess

Kommentare