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Sonderpreis für Baukultur: Sebastian Beham vom Planungsbüro Beham vor dem

„Eigentlich sowas Aufgabe der Gemeinde“

Dietramszeller plant ungewöhnliches Haus - wird dafür erst beschimpft und jetzt belohnt

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Das Haus am Bruckweg ist außergewöhnlich - von außen und von innen. Dafür musste sich der Bauherr in Ascholding einiges anhören. Doch all das war nicht umsonst.

Ascholding – Das Haus am Bruckweg in Ascholding sticht direkt ins Auge. Die Fenster gehen über die Ecke, und der Eingangsbereich verläuft schräg nach innen an der ansonsten geraden Hauswand. Es fällt aber nicht nur aufgrund seiner außergewöhnlichen Architektur auf. Es beherbergt eine Arztpraxis und einen Seminarraum. Das innovative „Arzthaus auf dem Land“ vom Dietramszeller Planungsbüro Beham hat kürzlich den Sonderpreis für „Baukultur der Metropolregion München“ vom Verein „Europäische Metropolregion München (EMM) verliehen bekommen.

Sebastian Beham, Sohn des Firmengründers Robert Beham, „dachte nie, dass wir eine Chance hätten“, als er vor etwa einem halben Jahr die Bewerbungsunterlagen zusammenstellte. „Gesucht wurden ,Gemischt genutzte Quartiere, Stadt- und Ortsteilzentren‘ sowie für den Sonderpreis ,Orte des guten Zusammenlebens‘“, erklärt er. Die Jury lobte die „schlichte und nachhaltige Architektur“, und dass das Gebäude in seinen Funktionen „den Erhalt und die Weiterentwicklung eines vitalen Dorflebens fördert“. Staatssekretär Josef Zellmeier überreichte dem Planungsbüro in der zweiten Märzhälfte den Sonderpreis in München.

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Errichtet hat das außergewöhnliche Haus ein privater Bauherr. Die Gemeinde kam dem Vorhaben entgegen, indem sie einigen Befreiungen von der örtlichen Bauvorschrift zustimmte. „Beispielsweise bei der Dachneigung und dass es keinen Dachüberstand gibt.“ Beham verweist auf die Konstruktion des alten Backhäuschens, das zuvor dort stand: „Das war genauso aufgebaut. Wir haben also nichts anderes errichtet als das, was vorher schon da war.“ Früher hätten die Dörfer auch nicht nur aus einheitlichen Häusern bestanden. „Das Gesamtbild lebte eher von der Vielfalt“, findet Beham.

2014 rollten die Bagger an. Innerhalb eines Jahres entstand ein zweigeschossiges Gebäude in Holzbauweise, das Moderne und Tradition verbindet. Der Boden besteht aus grauem Sichtbeton, Oberlichte und große Fenster sorgen für helle Räume. „Wir haben bei der Anordnung der Fenster auf Sichtachsen gesetzt“, erklärt der 33-Jährige. Geht man beispielsweise über die Treppe nach oben, wird der Blick in die freie Natur und nicht gegen eine Wand gelenkt.

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Im Erdgeschoss ist die Arztpraxis untergebracht, im ersten Stock der Seminarraum, der von der Öffentlichkeit für kleinere Veranstaltungen angemietet werden kann. Er wird gerne und oft genutzt. „Yogakurse, Weiterbildungen – es ist alles möglich“, sagt Beham. Nicht immer kommen die Veranstalter aus dem Landkreis. „So haben die ansässigen Wirtschaften auch noch etwas davon, wenn sich Übernachtungsgäste bei ihnen einmieten.“

Ein so ungewöhnliches Haus mitten in einem Dorf zu planen, dazu gehört Mut. „Dafür zolle ich dem Bauherrn großen Respekt“, betont der 33-jährige Bautechniker Beham. Der Ascholdinger „musste sich von den Leuten eine ganze Menge anhören – auch heute noch“, sagt er. Zudem sei es bemerkenswert und ungewöhnlich, dass ein privater Bauherr einen Gemeinschaftsraum planen lässt. „Eigentlich ist es ja Aufgabe der Gemeinde, für den soziokulturellen Mehrwert in einem Ort zu sorgen.“

Das fiel auch der Jury auf. „In Ascholding droht, wie in vielen ländlichen Teilen der Metropolregion, ein Wegbrechen der Grundversorgung und eine Entwicklung zum Schlafdorf“, ist in der Begründung der Jury zu lesen. „Doch so wird der gesellschaftliche Zusammenhalt des Dorfes gestärkt und eine nutzungsgemischte Innenentwicklung gefördert.“

sh

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