Postfiliale in Dietramszell
+
Sollte ursprünglich Ende September geschlossen werden: Die Postfiliale in Dietramszell. Nun wendet sich das Blatt.

Protest des Bürgermeisters fruchtet

Dietramszeller Postfiliale wird doch nicht geschlossen

  • Clara Wildenrath
    vonClara Wildenrath
    schließen

Die Dietramszeller Zweigstelle der Post sollte durch die in Ascholding ersetzt werden. Bürgermeister Josef Hauser schreibt Beschwerdebrief - und hat Erfolg.

  • Das Postamt in Dietramszell sollte Ende September schließen
  • Rathauschef Josef Hauser protestiert
  • Logistik-Unternehmen lenkt ein 

Update vom 6. August 2020, 17:34 Uhr: Postfiliale wird den Dietramszellern doch erhalten bleiben

Die Postfiliale an der Münchner Straße bleibt den Dietramszellern erhalten. Das teilte Bürgermeister Josef Hauser am späten Donnerstagnachmittag unserer Zeitung mit. Wie berichtet hatte sich der Rathauschef mit zwei Beschwerdebriefen gegen das von dem Konzern verkündete Aus für die Filiale gestemmt. Ein Brief ging an die Bundesnetzagentur, der zweite an den regionalen Politikbeauftragten des gelben Riesen. Letzterer reagierte prompt und ließ Hauser am Donnerstag wissen, dass „die Situation“ nochmals überprüft worden sei. Das Ergebnis: Die Postfiliale in Dietramszell werde „in absehbarer Zeit nicht schließen“. Und: Die Filiale, die im neuen Edeka-Markt in Ascholding entsteht, werde zusätzlich betrieben, freut sich der Bürgermeister.

Erstmeldung: Bürgermeister wehrt sich gegen Postamt-Schließung

Dietramszell – Das Postamt in Dietramszell sollte Ende September endgültig schließen. Stattdessen plante die Deutsche Post, im zehn Kilometer entfernten Ascholding im neuen Edeka eine Filiale zu eröffnen. Bürgermeister Josef Hauser wollte das nicht hinnehmen. „Das ist wieder ein wichtiges Stück Infrastruktur, das wegfällt und dann vermutlich nicht wiederkommt“, schimpfte er.

Das ist wieder ein wichtiges Stück Infrastruktur, das wegfällt und dann vermutlich nicht wiederkommt.

Dietramszells Bürgermeister Josef Hauser

Am Montag schrieb der Rathauschef deshalb zwei Beschwerdebriefe mit gleichem Wortlaut an die Bundesnetzagentur und an den regionalen Politikbeauftragten der Deutschen Post AG. Die jetzige Einrichtung an der Münchner Straße werde von den Bürgern gut genutzt. Insbesondere für ältere Menschen sei es notwendig, eine Postfiliale im Hauptort fußläufig erreichen zu können, argumentiert Hauser. Auch von den Gewerbetreibenden und für den Briefverkehr der Gemeinde werde diese benötigt. Nach seiner Auffassung erfüllt die Kommune alle Voraussetzungen dafür, dass im Hauptort eine Filiale vorhanden sein muss.

Diese Kriterien sind in der Post-Universaldienstleistungsverordnung PUDL festgelegt. Auf die bezieht sich Hauser in seinem Schreiben: „In Gemeinden mit mehr als 4000 Einwohnern ist grundsätzlich zu gewährleisten, dass in zusammenhängend bebauten Gebieten eine stationäre Einrichtung in maximal 2000 Metern für die Kunden erreichbar ist“, zitiert er. Insgesamt leben in der Flächengemeinde etwa 5850 Menschen. In den ineinander übergehenden Ortsteilen Dietramszell und Schönegg und den benachbarten Dörfern sind nach Angaben des Rathauschefs derzeit 2857 Einwohner gemeldet.

Post will Situation vor Ort prüfen

Die Antwort der Deutschen Post AG kam umgehend. Martin Fichtner, Regionalbeauftragter für Baden-Württemberg, beglückwünschte die Gemeinde zur neuen Postfiliale in Ascholding. Er hält diese für „eine deutliche Verbesserung des Status quo“, da die Bürger dort von wesentlich längeren Öffnungszeiten profitierten. Trotzdem nehme man den Hinweis des Bürgermeisters sehr ernst und wolle „die Situation vor Ort intensiv überprüfen“. Dafür benötige man allerdings ein paar Tage Zeit.

Auch Klaus Knab vom Verbraucherservice der Bundesnetzagentur versprach in seiner Antwortmail: „Ich werde Sie im Rahmen Ihrer Beschwerde gerne unterstützen und fordere bei der Deutschen Post AG eine Stellungnahme an.“ Die Frist zu deren Abgabe betrage vier Wochen. Knab gibt aber zu bedenken, dass die Post in Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern „frei in ihrer Entscheidung bezüglich der Standortwahl der Filiale innerhalb der Gemeinde“ sei. Deshalb komme prinzipiell auch der Ortsteil Ascholding infrage. Eine Begründung für eine Filiale im Hauptort Dietramszell sei nur gegeben, wenn dort in zusammenhängend bebauten Wohngebieten mindestens 2000 Menschen leben.

Hauser will jetzt noch einmal genau prüfen, welche Ortsteile als „zusammenhängende Bebauung“ gelten. Die in seine ursprüngliche Rechnung mit eingegangenen Dörfer Ried und Osten sind möglicherweise bereits zu weit entfernt. „Dann könnte es knapp werden“, fürchtet er. Dietramszell und Schönegg zusammen haben deutlich weniger als 2000 Einwohner.

cw

Dietramszeller Finanzen: Keine Schieflage zu erwarten

Auch interessant

Kommentare