+
Erst die Arbeit, dann das Vernügen: Traditionell mit Scherstangen stellten die Mannsbilder den Hochzeitsbaum auf. Danach wurde gefeiert.

Brauchtum

Ein früher Maibaum, der kein Maibaum ist

Ticken die Uhren in Manhartshofen  anders? Der Maibaum steht schon längst. Dahinter steckt ein alter Brauch.

Manhartshofen – Steht da ein neuer Maibaum am Ortsrand? Gut drei Wochen vor dem traditionellen Termin. Ticken die Uhren im beschaulichen Manhartshofen anders als im restlichen Oberland? Oder wollten sich die örtlichen Burschen einfach die langen, zähen Wachen bis zum 1. Mai sparen? Diese oder ähnliche Fragen mögen sich Autofahrer kürzlich auf ihrer Reise durch das Örtchen gestellt haben.

Das Rätsels Lösung findet sich in Harthausen in der Nähe von Bad Aibling im Landkreis Rosenheim. Von dort stammt Maria Huber, die frisch in Manhartshofen eingeheiratet hat. Sie klärt auf: „Das ist kein Maibaum, sondern ein Hochzeitsbaum.“ Diesen Brauch, der typisch für die Aiblinger Region sei, habe sie von daheim mitgebracht. Ganz der Tradition folgend tat sich der Burschenverein Harthausen-Ellmosen mit den in Föggenbeuern beheimateten Leiterer Burschen zusammen. Gemeinsam stellten sie den 39 Meter hohen Hochzeitsbaum auf. „Selbstverständlich mit Hilfe von Scherstangen“, sagt Huber. Die Burschen und Männer richteten mit reichlich Schmalz in den Armen und langen Stangenpaaren, die durch ein Tau miteinander verbunden sind, den Stamm auf. Anschließend feierte das Paar mit seinen etwa 100 Gästen bis in die frühen Morgenstunden.

Erst die Arbeit, dann das Vernügen: Traditionell mit Scherstangen stellten die Mannsbilder den Hochzeitsbaum auf. Danach wurde gefeiert.

Der Brauch habe natürlich einen Hintergrund, erklärt Maria Huber und lacht: „Der Baum soll meinen Mann Stefan und mich als frisch gebackenes Ehepaar an unsere neuen Pflichten erinnern – der Nachwuchsproduktion.“ Das genügt aber noch nicht, es gibt weitere Regeln: „Sollte nach einem Jahr kein Kind in Sicht sein, müssen wir als Strafe den Baum umlegen und für alle Helfer ein weiteres kleines Fest veranstalten.“

Das Gruppenfoto zeigt die Brautleute Maria und Stefan Fuchs mit ihrer Tochter Maria.

Zwar hat das Paar bereits eine gemeinsame Tochter – Maria. Die kam aber „etwas voreilig“, also vor der standesamtlichen Hochzeit auf die Welt – und läuft somit außer Konkurrenz. „Maria gilt leider nicht“, sagt die Mama, die Regeln seien äußerststreng. Nur nach der Heirat geborene Nachkommen würden zählen. Ein bisschen rechnet das Paar deshalb schon damit, die „Strafe“ im nächsten Jahr erfüllen zu müssen. Zu weit in die Zukunft blicken wollen Maria und Stefan Fuchs aber nicht. Als nächstes steht erstmal die kirchliche Hochzeit an. 

Jonas Napiletzki

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bauch, Beine, Po – So kommt man fit durch den Stadtwald
Es gibt keine Ausreden mehr, um sich vor ein bisschen Sport zu drücken: Vor zwei Wochen wurde der Bewegungsparcours im Stadtwald zwischen B 11 und …
Bauch, Beine, Po – So kommt man fit durch den Stadtwald
1200-Jahrfeier in Steingau und Erlach
Die Steingauer und Erlacher hatten Glück: Während am Freitagabend ein folgenschweres Unwetter über die Region hinwegzog, lachte am Sonntag die Sonne vom Himmel. Beste …
1200-Jahrfeier in Steingau und Erlach
Erstes Etappenziel erreicht
Ein erstes Etappenziel ist erreicht: Die Spartenverlegung im Stadtzentrum ist abgeschlossen. Was noch fehlt, ist der Straßenbau. 
Erstes Etappenziel erreicht
A95: Sieben Unfälle in acht Stunden
Sieben Verkehrsunfälle haben sich am Samstag zwischen 12 und 20 Uhr auf der Autobahn A95 ereignet. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Der Sachschaden beläuft sich …
A95: Sieben Unfälle in acht Stunden

Kommentare