+
Großen Eindruck haben im Jubiläumsjahr vor allem die „lebenden Statuen“ gemacht. Sie kamen im März des Jahres zum Einsatz, als die Dorfgeschichte im Schneider Stadl theatralisch aufbereitet wurde.

Ein Jahr voller Großereignisse

Initiator blickt auf 1200 Jahre Steingau und Erlach zurück

  • schließen

Für die Ortsteile Steingau und Erlach ging mit dem Silvesterfeuerwerk ein besonderes Jahr zu Ende: das Jubiläumsjahr ihrer 1200-jährigen Dorfgeschichte. Wir sprachen mit dem Initiator der Feierlichkeiten, Georg Böckl-Bichler.

Dietramszell – Der 31-jährige Priesterseminarist und ehemalige Lehrer für Deutsch und Geschichte leitete den achtköpfigen Festausschuss.

-Herr Böckl-Bichler, 2017 war mit seinen zahlreichen Jubiläumsfestivitäten ein anstrengendes Jahr für Sie. Wie sieht Ihr persönliches Fazit aus?

Durchweg positiv. Für unsere zwei kleinen Ortschaften war es ein Jahr voller Großereignisse, die man so schnell nicht wieder sehen wird. Unglaublich, was ein Dorf alles auf die Beine stellen kann. Das Ganze war ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem die Last auf viele Schultern verteilt war. Ob beim Bartclub, beim Schlittenrennen, beim Theater oder beim großen Straßenfest, jeder hat seine Talente und viel Herzblut eingebracht. Auch das Kirchliche hat sich mit vielen Festgottesdiensten wie ein roter Faden durch das ganze Jahr gezogen. Das ist für mich ein Sinn des Ganzen: mit Gott durch die heutige Zeit gehen, die Freude in die Welt raustragen, das Leben feiern.

-Apropos Talente: Sie waren ja nicht nur der Leiter des Festausschusses, Sie haben zusammen mit Gertraud Huber auch drei der vier Stücke des Jubiläumstheaters geschrieben. Haben Sie das im Priesterseminar oder im Lehramtsstudium gelernt?

(lacht) Da bin ich allmählich so reingewachsen. Ich hab’ früher schon für die Ministranten das Krippenspiel geschrieben oder im Internat in Traunstein mal einen Einakter für den Nikolausabend. Und sprachlich hilft wohl das Germanistikstudium ein bisschen.

-Theaterstücke schreiben, Jubiläumsfestivitäten organisieren, den Festausschuss koordinieren – wie viel Zeit blieb da noch für Ihr Theologiestudium und die Priesterausbildung in München?

Vieles fand in den Semesterferien statt, wie das Theater und das Festwochenende. Zum Glück haben auch meine Chefs im Seminar das Projekt unterstützt – als pastoralen Dienst im weitesten Sinne. Sie haben sicher auch das eine oder andere Stoßgebet gen Himmel geschickt, dass das Wetter passt. Für mich persönlich hat sich alles gut gefügt. Wäre ich noch als Lehrer tätig, hätte ich wahrscheinlich nicht so einfach nebenher Theater schreiben können.

-Hat Ihnen Ihr Geschichtsstudium beim Aufarbeiten der Historie von Steingau geholfen?

Ja, da tut man sich leichter, die Quellen zu finden. Als wir 2011 im Burschenverein zum ersten Mal über das Jubiläum gesprochen hatten, gab es unterschiedliche Angaben darüber, wann Steingau zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Ich hab dann recherchiert: Am 18. August 817 übergaben die Brüder Engilbert und Heribert aus dem damaligen Steincoi ihren Grundbesitz an den Freisinger Bischof.

-Was war für Sie das Highlight des Festjahres?

Georg Böckl-Bichler: Initiator des Jubiläumsjahres.

Das Spannendste war für mich der eigentliche Jubiläumstag am 18. August. Da stand es Spitz auf Knopf, ob das Wetter hält. Aber wir hatten Glück im Unglück: Der große Sturm kam erst gegen 22 Uhr. Vorher konnten wir noch ausgiebig feiern und nichts ist ins Wasser gefallen. Am Samstag war dann schlechtes Wetter, aber da waren keine Veranstaltungen geplant. Die Feldmesse mit dem Weihbischof fand am Sonntag wieder unter weiß-blauem Himmel statt. Ein Riesenerfolg war auch das Theater. Die Dorfleute und der Trachtenverein haben den Stadl wunderschön hergerichtet. Alle Vorstellungen waren ausverkauft. Was mich besonders gefreut hat: Viele Zuschauer haben vor allem den Heiligenhimmel mit den lebenden Statuen aus der Martinskirche sehr gelobt. Das zeigt doch, dass die Kirche und ihre Geschichte auch heute noch ihren Platz im Leben der Menschen haben.

-Wie sieht denn die finanzielle Bilanz des Festjahres aus?

Die letzten Rechnungen sind noch nicht beglichen, aber das Fazit dürfte positiv ausfallen. Die Kirchenverwaltung war Träger der Veranstaltungsreihe und hat uns bei der ganzen Organisation sehr geholfen. Wir mussten also keinen eigenen Festverein gründen. Was nach dem Kassensturz übrig bleibt, fließt in die Renovierung der Pfarrkirche St. Martin.

-Für 2018 wartet also schon das nächste Projekt?

Naja, die Kirchenrenovierung ist eher ein Zukunftsprojekt. Damit werden wir dieses Jahr noch nicht anfangen können. Aus der Sicht der Erzdiözese stehen andere Kirchen weiter vorn auf der Liste der dringlichsten Instandsetzungsarbeiten.

-Gibt es Pläne, die 1200-jährige Geschichte von Steingau und Erlach und das Jubiläumsjahr in einer Art Chronik festzuhalten?

Eventuell wird es im Sommer oder Herbst noch eine Ausstellung im ältesten Gebäude von Steingau geben, im Getreidestadl beim Moar. Wir haben für den Jubiläumskalender so viel Bildmaterial zusammengetragen, da sind noch einige nicht veröffentlichte Schätze dabei. Wir überlegen, ob wir im ersten Stock eine Retrospektive auf das Festjahr und im Erdgeschoss historische Bilder zusammenstellen. Vielleicht erscheint in fernerer Zukunft im Rahmen der Chronik von Dietramszell ein Band über die Altgemeinde Baiernrain.

-Was haben Sie sich fürs neue Jahr vorgenommen?

Für mich persönlich nichts Besonderes. Wir planen aber noch eine Nachfeier mit allen Helfern im Frühjahr. Das haben sie sich redlich verdient. Ich gehe jetzt erst einmal eine Woche nach Innsbruck in Schweigeexerzitien. Da komme ich zur Ruhe und kann im persönlichen Rückblick das Jahr noch einmal im Lichte Gottes anschauen. Das schadet nie.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zehn Monate nach dem Brand: Familie Werner ist in ihr saniertes Heim zurückgezogen
Wolfgang, Katerina und Yannik Werner aus Geretsried sind endlich wieder in ihrem kuscheligen Heim. Ein Brand hatte ihr Zuhause vor zehn Monaten zerstört. 
Zehn Monate nach dem Brand: Familie Werner ist in ihr saniertes Heim zurückgezogen
„Unglaubliche Migrationsgeschichte“: Darum sollte jeder das Waldramer Badehaus besuchen
Waldram hat eine bewegte Vergangenheit. Diese nun im ehemaligen Badehaus erlebbar. Im Gespräch betont Vereinsvorsitzende Dr. Sybille Krafft die Notwendigkeit des …
„Unglaubliche Migrationsgeschichte“: Darum sollte jeder das Waldramer Badehaus besuchen
Wenn wir die Kirche im Dorf lassen: Warum ein Kirchturm Geborgenheit vermittelt
Wenn an diesem Wochenende Kirchweih gefeiert wird, erfreuen sich viele am Blick auf die Gotteshäuser. Dekan Beham aus Wolfratshausen erklärt, warum ein Kirchturm vielen …
Wenn wir die Kirche im Dorf lassen: Warum ein Kirchturm Geborgenheit vermittelt
Autofahrer rast in Pferdekutsche - schreckliche Szenen am Unfallort
Ein 82-jähriger Autofahrer aus Greiling übersah eine Pferdekutsche bei Dietramszell - und raste hinein. Er und der 22-jährige Kutschenfahrer aus Dietramszell sind schwer …
Autofahrer rast in Pferdekutsche - schreckliche Szenen am Unfallort

Kommentare