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Echte Graf-Fans sind (v. li.) Martin Regnat, Georg Unterholzner und Josef „Bodo“ Kloiber. Eine Kostprobe des Graficals gibt es auf Youtube. Stichwort: Oskar Maria Grafical. 

Georg Unterholzner schreibt ein „Grafical“

Eine Verneigung vor Oskar Maria Graf

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Georg Unterholzner hat eine Hommage an sein großes Vorbild Oskar Maria Graf verfasst: Das „Grafical“ hat am kommenden Samstag in der Grabenmühle in Einöd Premiere. Die Musik steuern Martin Regnat und Bodo Kloiber bei.

Dietramszell – Wer einmal erleben möchte, wie Georg Unterholzner richtig in Fahrt kommt, dem seien zwei große Themen geraten. Das eine ist der Fußball (speziell die Löwen, er ist Fan), das andere der große Dichter Oskar Maria Graf. Was den Veterinär und Krimiautor aus Ascholding so an dem Bäckersohn aus Berg so fasziniert? „Er war einfach gnadenlos ehrlich“, sagt Unterholzner. Etwa wenn er die Leser aufforderte, seine Bücher zu kaufen, damit er sich wieder seine Leibspeise – Schweinebraten mit Gurkensalat und Knödel – leisten kann. „Wenn man so ehrlich ist, dann wird das Leben einfacher.“

Jetzt hat Unterholzner seinem Idol ein literarisches Denkmal errichtet – das „Grafical“. Wie er es immer macht, wenn er eine Auszeit braucht, hat sich Unterholzner kürzlich ins Kloster Bernried am Starnberger See zurückgezogen und dort im Laufe von ein paar Tagen Texte von Oskar Maria Graf zu einer Collage zusammengestellt. Dass es geregnet hat, hat ihm gar nichts ausgemacht. „Der Starnberger See ist bei Regen wundervoll und inspirierend“, sagt er.

Den Zuschauer und -hörer des „Graficals“ erwartet am Samstag eine zweistündige Darbietung. Sie umfasst das Leben des Dichters von der Kindheit am Ostufer des Starnberger Sees bis zum Tod im New Yorker Exil. Den Auftakt des Abends bildet das Bekenntnis „Mit der Arbeit, da hob i’s nia net g’habt“. Wieder so ein Fall maximaler Ehrlichkeit, zum Ausdruck gebracht mit der schönen doppelten Verneinung, wie sie im Bairischen üblich ist.

Zwischen Unterholzner und Graf gibt es übrigens ein paar familiengeschichtliche Berührungspunkte. So war die Urgroßmutter des Ascholdingers in Weipertshausen daheim, was bekanntlich ein Münsinger Ortsteil ist und unweit von Berg liegt. „Ich bin sicher, sie hat ihn gekannt“, erzählt er. Sein Großvater hat in der Schlacht von Verdun einen Fuß verloren, Grafs Bruder Max verlor sein Leben. Der Dichter selbst hatte sich übrigens irrsinnig gestellt, um dem Militärdienst zu entkommen. „Das war ziemlich riskant von ihm“, so Unterholzner. Er hätte leicht an die Wand gestellt werden können. Doch er kam damit durch.

Mit der Grabenmühle als Aufführungsort der Premiere verbindet Unterholzner allerhand Erinnerungen. Dessen einstige Besitzerin, die Kinderbuchautorin Sigrid Heuck, hat ihm nicht nur das Rauchen ausgeredet, sondern auch zum Schreiben ermuntert. Das unflätige „Fuck“ aus seinem Roman „Der Schnitter“ wurde zu einem geflügelten Wort im Hause Heuck. Was die neue Besitzerin Barbara Holzmayr daraus macht – nämlich einen Treffpunkt für Kunst und Kultur – findet er extrem sympathisch. „Es ist wirklich ganz toll, was da gemacht wird.“

Voll des Lobes ist er auch über die beiden Musiker, die mit ihm den Abend gestalten. Da wäre einmal der von ihm als „genial“ bezeichnete Bodo Kloiber, der Großneffe des berühmten Krautn Sepp. Da wäre außerdem Martin Regnat, der es mit seiner Kunst geschafft hat, Unterholzner die Ziach, die er eigentlich nicht so mag, wirklich nahezubringen.

Die Lieder sind neu und extra für das „Grafical“ komponiert. Unterholzner ist zuständig für die dramatische Rezitation. Er hat eine dunkle Stimme, der man gut zuhören kann. „Und ich spreche akzentfrei Bairisch“, sagt er. Wie sein Vorbild vom Starnberger See.

Aufführungstermine

Premiere am kommenden Samstag, 24. Februar, 19.30 Uhr, Grabenmühle bei Einöd (Dietramszell), Reservierung 0 81 71/34 04 51, Mail bholzmayr@t-online.de, Eintritt frei, Spenden erbeten. Die weiteren Termine: 21. März Stadtbücherei Penzberg, 23. März Gasthof Lacherdinger in Ascholding, 24. März Kramerwirt in Arzbach, 13. April Gasthof Fröhlich in Großweil, 14. April Geltinger Hinterhalt.

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