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Kleines Idyll: Am Peretshofener Skilift – hier ein Foto aus dem Jahr 2010 – haben viele Kinder das Skifahren gelernt. Damit ist jetzt Schluss. Die Familie Burger stellt den Betrieb ein.

Ende der Rutschpartie

Peretshofener Skilift macht zu

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Dietramszell - Leonhard Burger trägt es mit Fassung, seine Frau Maria ist richtig traurig: Nach 45 Jahren müssen die beiden den Skilift in Peretshofen schließen. „Man kann damit einfach kein Geschäft mehr machen“, sagt der Inhaber.

Im Jahr 1995 hat das Ehepaar den Betrieb übernommen – und seitdem viele frustrierende Erlebnisse gehabt. „Es ist immer ein Wahnsinns-Aufwand, bis man die Pisten und die Parkplätze hergerichtet hat“, sagt Burger (52). „Dann schmilzt der Schnee sofort wieder weg, und man fängt von vorne an. Irgendwann sagt man: Jetzt langt’s.“

Es gibt aber noch andere Gründe für die Schließung. So hat sich Burger eine Sehne an der Schulter angerissen. Mit dieser Verletzung hätte er beim Präparieren der Piste Schwierigkeiten bekommen und den Kindern nicht mehr richtig beim Einsteigen in den Lift helfen können. Seine eigenen Kinder kann Burger nicht mehr einspannen, seit diese berufstätig sind. „Und einen externen Helfer können wir nicht bezahlen.“

Nicht zuletzt wäre im Frühjahr die Prüfung durch den TÜV angestanden. Die hätte die 45 Jahre alte Liftanlage kaum überstanden. Die Seile sind alt, sagt Burger. „Und irgendwann geht’s einfach nicht mehr. Wir hätten zu viel auswechseln müssen.“

Riesige Investitionen hätten sich aber niemals gerechnet. Die Zahl der Skifahrer hielt sich zuletzt in überschaubaren Grenzen. Wenn keine Sonne schien, war meist wenig los. Dabei schaltete Burger den Lift erst am Nachmittag ein, wenn die Kinder mit ihren Hausaufgaben fertig sind.

Ohnehin hat der Spaß am Liftbetrieb zuletzt stark gelitten. Der Grund: Der Skihang und die Liftspur werden von einer Anliegerstraße durchtrennt. Spaziergänger scherten sich nicht um den Betrieb und wanderten auf der abgesperrten Straße. „Es gab da gewisse Rentner, die überhaupt keine Einsicht gezeigt haben“, sagt Burger. Die einen forderten, dass Burger den Lift abschaltet, damit sie durchgehen können. „Aber das ist natürlich nicht möglich, wenn am Hang viel los ist.“ Die anderen griffen zur Selbsthilfe und hoben das laufende Seil hoch. „Ich hab’ die Haftung. So was ist mir zu gefährlich“, sagt Burger. „Wenn da was passiert, kann ich meinen ganzen Hof verlieren.“ Hinzu kamen Schlittenfahrer, die sich mit den Skifahrern in die Quere kamen. „Alles nicht so einfach“, sagt der Landwirt.

Durch das Tauwetter, das gestern einsetzte, fühlt sich Burger in seiner Entscheidung bestätigt: „Wahrscheinlich hätte es sich auch heuer wieder nicht rentiert.“

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