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Ihnen gefällt das ländliche Leben: Pater Yohanes Bimo Ari Wibowo (li.) und Pater Aloysius Yuli Dwianto haben die Nachfolge von Pfarrer Herbert Weingärtner angetreten

Patres Aloysius Yuli Dwianto und Yohanes Bimo Ari Wibowo

„Fast wie in Asien“: Pfarrer plaudern über Dietramszell

Dietramszell – Ende August hat Pfarrer Herbert Weingärtner auf eigenen Wunsch die Pfarrgemeinde verlassen. Kurz darauf zogen zwei neue Pfarrer in das Dietramszeller Pfarrhaus: Pater Aloysius Yuli Dwianto (40) und Pater Yohanes Bimo Ari Wibowo (37) aus Java (Indonesien).

Sie gehören dem Orden der Missionare der Heiligen Familie an. Unsere Mitarbeiterin Clara Wildenrath sprach mit ihnen über ihre alte Heimat, die neue Aufgabe – und über Weihnachten.

-Wie gefällt es Ihnen in Dietramszell?

Pater Yuli: „Ich mag die Menschen hier. Als junger Mensch war es mein Traum, in einem kleinen Dorf als Priester zu arbeiten. Das hat sich jetzt erfüllt. Vorher war ich in Mainz. Dort ist vieles anders. In der Stadt ist es mehr multikulturell, hier sehr traditionell. Und es gibt viel mehr Schnee, das ist schön. Irgendwann möchte ich Skifahren lernen und Pferde reiten.“

Pater Bimo: „Mir gefällt das ländliche Leben auch sehr gut. In der Stadt ist es viel anonymer. Hier ist es fast ein bisschen ähnlich wie in der asiatischen Kultur: Die Leute sprechen sehr viel miteinander.“

-Wie lange sind Sie schon in Deutschland?

Pater Bimo: „Ich bin im Februar 2012 nach Deutschland gekommen. Zuerst habe ich in St. Augustin bei Bonn zehn Monate lang einen Sprachkurs gemacht. Danach war ich in München, zuerst in Obermenzing und dann zwei Jahre in Giesing.“

Pater Yuli: „Ich bin schon seit 2009 in Deutschland. Nach dem Deutschstudium habe ich fast ein Jahr in unserer Ordensgemeinschaft in Biesdorf bei Bitburg gelebt. 2012 habe ich meine erste Stelle in Mainz angetreten.“

-Kannten Sie beide sich schon, bevor Sie nach Dietramszell kamen?

Pater Yuli: „Ja, wir haben uns schon 1997 im Priesterseminar in Yogyakarta auf Java getroffen. Dort wurde ich 2006 zum Priester geweiht, Bimo zwei Jahre später. Meine erste Stelle als Missionar habe ich dann in Papua-Neuguinea angetreten. Pater Bimo war dort mein Nachfolger als Praktikant für das Pastoraljahr. Dass wir jetzt zusammen hierher versandt wurden, haben die Ordensgemeinschaft und das Bistum entschieden.“

Pater Bimo: „Wir verstehen uns gut. Bis jetzt ist es sehr harmonisch. Wir teilen uns eine Wohnung, kochen und putzen zusammen. Das sind wir aus dem Priesterseminar schon gewöhnt.“

-Wie kochen Sie denn – indonesisch oder bayerisch?

Pater Yuli: „Meistens kochen wir, was wir können: viel Gemüse mit verschiedenen indonesischen Gewürzen. Wichtig ist Chili. Wir mögen es gerne scharf.“

Pater Bimo: „Aber wir probieren auch neue Rezepte. Neulich gab es Schweinebraten. Der hat uns auch gut geschmeckt – ganz ohne Chili!“

-Was vermissen Sie am meisten aus Ihrer Heimat?

Pater Bimo: „Mir fehlen meine Familie und enge Bekannte. Leider können sie uns nicht besuchen kommen, das ist zu teuer. Aber ich finde immer Freunde in der Pfarrei. Die geben mir Trost und auch ein Stück Heimat.“

Pater Yuli: „Ich war bis Ende August noch zu Hause in Java. Wir bekommen alle zwei Jahre einen Monat Heimaturlaub. Aber außer meiner Familie vermisse ich eigentlich nichts. Wenn ich Heimweh bekomme, rufe ich meine Mutter oder einen meiner drei Brüder an. Wir skypen auch oft und kommunizieren übers Internet. In Ascholding wohnen noch zwei unserer Ordensmitglieder aus Indonesien, die wir aus dem Priesterseminar kennen. Sie werden im Pfarrverband Egling eingesetzt. Auch sie sind ein Stück Heimatgefühl für uns.“

-Sie gehören dem römisch-katholischen Orden der Missionare der Heiligen Familie an. Was ist das für eine Glaubensgemeinschaft?

Pater Yuli: „Der Orden wurde 1895 in den Niederlanden gegründet und ist in 21 Ländern aktiv. Das Ordensziel ist einerseits die missionarische Ausbildung und auf der anderen Seite die Familienseelsorge. In Indonesien arbeiten wir vor allem in der Familienpastoral. Dort gibt es ja nur wenige Christen, die Mehrheit ist muslimisch. Etwa 160 MSF-Priester, also Missionare der Heiligen Familie, kommen aus Indonesien. Von unseren Ordensbrüdern in Deutschland wurden wir eingeladen, hier mitzuarbeiten.“

-Fühlen Sie sich als Nachfolger von Pfarrer Weingärtner gut aufgenommen in der Pfarrgemeinde?

Pater Yuli: „Oh ja, die Menschen sind sehr freundlich. Wir erfahren viel Unterstützung. Pfarrer Schillinger und Pfarrer Koller haben uns ihre Hilfe angeboten. Dadurch sind wir nicht allein, sie sind immer für uns da. Auch Pfarrer Weingärtner können wir anrufen, wenn wir Fragen haben. Aber ich möchte mit ihm nicht über die Vergangenheit sprechen. Ich will selber alles kennenlernen und mich nicht beeinflussen lassen.“

Pater Bimo: „Die Bürgermeisterin hat sich auch schon bei uns vorgestellt. Das war ein sehr nettes und lockeres Gespräch. Wir treffen sie auch immer wieder im Gottesdienst. Ich denke, sie ist eine gute persönliche Unterstützung für uns.“

-Sie sprechen beide gut deutsch. Aber verstehen Sie Ihre Gemeindemitglieder auch, wenn sie bayrisch miteinander reden?

(Beide lachen.) Pater Yuli: „Die Sprache ist eine große Herausforderung. Zum Glück schalten die meisten Menschen um und sprechen Hochdeutsch, wenn wir dabei sind. Nach zwei Monaten habe ich jetzt langsam das Gefühl, dass ich fast alles verstehe, wenn ich mich anstrenge. Es geht noch nicht wirklich gut, aber besser als am Anfang. Ich freue mich darauf, die Menschen noch besser kennenzulernen und für sie da zu sein.“

-Unter der Leitung von Dekan Mario Friedl betreuen Sie als Pfarrvikare nicht nur den Pfarrverband Dietramszell, sondern auch Königsdorf und Beuerberg. Das ist ein ziemlich großes Gebiet...

Pater Yuli: „Ja, wir sind als Pastoralteam für die beiden Pfarrverbände zuständig. In der Seelsorge bekommen wir noch Unterstützung durch Diakon Vollmer und Pastoralreferentin Martina Ludwig aus der Pfarrei Königsdorf. Und Pfarrer Koller springt noch oft bei Gottesdiensten ein, obwohl er schon in Rente ist. Ohne ihn würden wir es jetzt am Anfang nicht schaffen.“

Pater Bimo: „Wir folgen bis jetzt noch den Regelungen unserer Vorgänger. Das bedeutet, dass am Sonntag immer drei Gottesdienste gleichzeitig stattfinden. Das ist für uns so nicht machbar. Da wird es noch Anpassungen geben. Außerdem hätten wir gerne ein bisschen mehr Zeit für Gespräche nach dem Gottesdienst. Im Moment müssen wir ganz schnell weiter, das ist schade.“

-An den Weihnachtstagen haben Sie besonders viel zu tun. Kommen Sie überhaupt selbst zum Feiern?

Pater Yuli: „Für uns selbst haben wir nichts Besonderes geplant. Wir feiern mit der Gemeinde, das freut uns auch. Weihnachten findet für uns mehr im Herzen statt. Wir brauchen nicht so viele Lichter und Deko. Wir dekorieren unsere Herzen mit Fröhlichkeit (lacht).“

cw

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