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23 Gästebetten gibt es im Gasthaus Beham in Einöd. Inhaber Valentin Beham hat das Gebäude dem Landratsamt als Asylbeerberunterkunft angeboten.

Gasthaus Beham schließt

Bekommt Einöd genauso viele Flüchtlinge wie Einwohner?

Dietramszell - So viele Flüchtlinge wie Einwohner: Im Gasthof Beham in Einöd sollen künftig Asylbewerber einquartiert werden. Das würde die Einwohnerzahl des kleinen Ortes verdoppeln.

„Aus gesundheitlichen Gründen“, so sagt Inhaber Valentin Beham, „kann und will ich den Gasthof nicht mehr weiterführen.“ Seine Kinder hätten kein Interesse, den mehr als 50 Jahre alten Familienbetrieb zu übernehmen. Deshalb habe er sich im November vergangenen Jahres entschlossen, das Haus mit derzeit 23 Gästebetten künftig an das Landratsamt zu vermieten – zur Unterbringung von Asylbewerbern. Die entsprechenden Verhandlungen seien bereits weitgehend abgeschlossen, nur die erforderlichen Brandschutzmaßnahmen müssten noch umgesetzt werden.

Die Pläne Behams stoßen bei Nachbarn auf wenig Begeisterung

Leni Gröbmaier, Bürgermeisterin in Dietramszell

Behams Pläne stoßen bei den Nachbarn auf wenig Begeisterung. „Mit Sorge nehmen wir Kenntnis von mindestens 25 Asylsuchenden nach Einöd“, schrieben sie in einem offenen Brief an Dietramszells Bürgermeisterin Leni Gröbmaier. Der Weiler habe „gerade mal selbst 25 Einwohner zwischen 18 und 80 Jahren“. Im Schnitt kämen so drei Asylbewerber auf einen Einöder Haushalt. Unterzeichnet ist das Schreiben, dass die Rathauschefin in der jüngsten Gemeinderatssitzung verlas, von acht Einöder Bürgern. Sie bitten die Gemeinde, das Vorhaben noch einmal zu überdenken. Als Gründe führen die Einöder vor allem ihre Sorgen um die Sicherheit der weiblichen Anwohner und der Kinder sowie die fehlende Infrastruktur an. In Einöd gibt es keinen Lebensmittelladen, keinen Arzt und Apotheker.

Die Bürgermeisterin beruhigt die Einwohner

„Wo sollen die alle hin?“, fragt sich Johann Beham, weitläufiger Verwandter des Gastwirts und Initiator des offenen Briefes. Von ausländerfeindlichen Beweggründen distanziert er sich ausdrücklich. „Solche Ängste hören wir nur aus Orten, in denen noch keine Asylbewerber sind“, beruhigte Gröbmaier die besorgten Anwohner, von denen viele der Gemeinderatssitzung beiwohnten. Wenn die Flüchtlinge erst einmal da seien, würde bisher alles bestens funktionieren. Und: Auf Verhandlungen, die Privatanbieter mit dem Landratsamt in Bad Tölz führen, habe die Gemeinde ohnehin keinen Einfluss. Sobald die Pläne spruchreif sind, soll aber eine Versammlung vor Ort stattfinden, um zusammen mit dem Helferkreis auf Bedenken der Bevölkerung einzugehen und die Ankunft und Integration der Flüchtlinge vorzubereiten, kündigte Gröbmaier an.

Der Antrag auf Nutzungsänderung, den Valentin Beham für sein Gasthaus gestellt hat, soll in der nächsten Gemeinderatssitzung behandelt werden. Eine Ablehnung sei formell kaum möglich, erklärte die Rathauschefin. Auch Anwohner Johann Beham gibt zu, dass er sich darauf kaum Hoffnungen macht.

von Clara Wildenrath

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