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St Leonhard

Ganz nah am Volk

Dietramszell - Ein festliches Konzert in der Wallfahrtskirche endet mit großem Applaus und Jubelrufen für die Künstler

In der schönen Wallfahrtskirche St. Leonhard waren am Sonntag zauberhafte Klänge zu hören. Astrid Andert mit der Flöte und Friedrich Sauler an der Orgel gaben gemeinsam mit den Sopranistinnen Cornelia Fahrion und Veronika Jetter ein festliches Konzert. Sie spielten und sangen Stücke von bekannten Künstlern aus dem 16.,17. und 18. Jahrhundert. Diese Auswahl zog: Die mit weißen Blumen geschmückten Kirchenbänke waren besetzt. Zusätzlich waren Stühle aufgestellt.

Den Anfang machte die Sonate in F-Dur für Flöte und Orgel von Georg Philipp Telemann. Fahrion und Jetter hatten mit „O Lieber Herre Gott“ aus Heinrich Schütz’ „Kleinen Geistlichen Konzerten“ ihren ersten Auftritt. Mühelos und perfekt harmonierend schraubten sich die beiden Sängerinnen in die Höhe und wieder zurück. Es folgte das Stück „Paratum Cor Meum“ von Ignazio Donati, der darin den Psalms 108 vertonte. Diesmal sang nur eine Sopranistin, begleitet von Saulers Orgelspiel. „Alles an Dir, meine Freundin, ist schön!“ hieß es in der Motette „Tota Pulchra Es Amica Mea“ von André Campra, in der selbst ohne Text selbstverständlich wäre, wie sehr der Komponist die makellose Schönheit seiner Angebeteten bewundert.

Während der abwechselnd zarten, lieblichen und rasanten Sonate von Johann Joachim Quantz hatten die Sängerinnen eine Verschnaufpause, um danach mit der Motette „Venite, Venite“ von Claudio Monteverdi umso stimmgewaltiger die Gläubigen anzurufen: „Freunde, esst, trinkt Milch und Honig des Himmels!“

Bei „Habe Deine Lust am Herrn“ aus den „Kleinen geistlichen Konzerten“ von Schütz zeigten die Sängerinnen, warum Konzerte nach dem Italienischen Wort „Concertare“, also „wettstreiten“ oder „wetteifern“ benannt wurden: Die Phrasen gingen ineinander über, fielen mal zusammen oder harmonierten als Kanon und schienen sich immer musikalisch übertrumpfen zu wollen. Und hier zeigte sich eine der Besonderheiten des Abends: Die Musik des katholischen Italieners Monteverdi und seines evangelischen Schülers Schütz – beide komponiert während des 30-jährigen Krieges – umarmten sich sinnbildlich. Während einer Zeit der Religionskriege brachte die Musik beide Seiten zusammen.

Dunkel und melancholisch wurde es an diesem Abend erstmals mit Orgel- und Flötenklängen. Der darauf folgende schwungvolle Abschluss der Sonate löste mit seinen rasanten, punktgenauen Läufen spontan begeisterten Applaus aus. „Singe, Seele, Gott zum Preise“ hieß im letzten Stück des Abends, Das sprach dem Publikum aus der Seele: Minutenlanger Applaus und sogar Jubelrufe ließen erahnen, dass bei solcher Musik einige Seelen gern mitgesungen haben.

„In dieser wunderschönen Kapelle ist man so nah am Volk“, schwärmte Organist Sauler, als die Künstler ihre Blumensträuße überreicht bekamen und belohnte die begeisterten Zuhörer mit einer Zugabe. Noch einmal hieß es für Organist und Sängerinnen: „Habe deine Lust am Herrn“, bevor sie das zufriedene Publikum in die überraschend milde Frühlingsnacht entließen.

Karolin Wolf

Rubriklistenbild: © Hans Lippert

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