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Provokante Aktionskunst: Anfang Juli 2014 montierte der Aktionskünstler Wolfram Kastner die von den Nationalsozialisten aufgestellte Hindenburg-Büste in Dietramszell ab und legte sie auf dem Gelände der Familie von Schilcher ab.

Aufarbeitung mit oder ohne Büste

Hindenburg-Diskussion: Dorferneuerung soll Schlusspunkt setzen

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Die Diskussion, wie die Gemeinde Dietramszell mit den Ehrenbürgerschaften von Hindenburg und Hitler umgeht, soll im Zuge der Dorferneuerung endlich beendet werden. Fraglich ist auch, was mit der Hindenburg-Büste passiert

Dietramszell – Fast 75 Jahre hing die Büste von Paul von Hindenburg an der Klostermauer. Bis Aktionskünstler Wolfram Kastner sie 2014 abmontierte und im Garten von Florian von Schilcher deponierte. Bei dessen Vorfahren hatte der Generalfeldmarschall und Reichspräsident der Weimarer Republik von 1922 bis 1932 regelmäßig seine Jagdurlaube verbracht.

Seit Kastners Aktion ist die Bronzeplastik im Besitz der von Schilchers. Wem sie gehört, darüber gehen die Meinungen auseinander. „Dem Orden der Salesianerinnen“, sagt Kastner – schließlich war der Hindenburg-Kopf an ihrem Kloster angebracht. „Der Gemeinde“, sagt Constanze Koob: „Ihr wurde die Büste gestiftet.“ Die Grünen-Gemeinderätin ist Leiterin des Arbeitskreises Hindenburg, einem Zusammenschluss örtlicher Historiker und Archivare, der sich um die öffentliche Aufarbeitung des Themas kümmern soll. „Vielleicht“ gehört die Büste aber „auch Herrn von Schilcher“, gibt Bürgermeisterin Leni Gröbmaier zu bedenken.

Ist die Büste bald im Münchner Lenbachhaus zu sehen?

Seitdem ist die Gedenktafel an der Klostermauer verwaist – und das soll nach dem Willen der Gemeinde auch so bleiben.

Sicher nicht Eigentümer der Plastik ist der Männerorden der Salesianer Don Boscos, an den sich Kastner jetzt gewandt hat. In einem Brief erbat er, die Abholung der Bronze zu ermöglichen, um sie in der bereits Ende Mai eröffneten Ausstellung „After the Facts – Propaganda im 21. Jahrhundert“ im Münchner Lenbachhaus zu zeigen. Zuvor hatte Kastner diesen Wunsch bereits an die Oberin des Dietramszeller Klosters, Schwester Kiliana, herangetragen – auf seine schriftliche Anfrage aber keine Antwort erhalten.

Beide Orden tragen zwar einen ähnlichen Namen und werden deshalb oft verwechselt, es gibt zwischen ihnen aber „keine rechtliche Beziehung“, ließ der Provinzial der Salesianer Don Boscos mitteilen. Schwester Kiliana verwies auf eine frühere Vereinbarung, Entscheidungen bezüglich der Hindenburg-Büste nur gemeinsam mit der Gemeinde und Florian von Schilcher zu treffen. Daran will sich auch die Bürgermeisterin halten. Ihr liegt aber gar keine offizielle Anfrage vonseiten des Klosters vor, sagt Gröbmaier: „Von daher sehe ich keine Veranlassung etwas zu tun.“ Ihrer Meinung nach reiche es völlig, wenn der Künstler Fotos von seiner Aktion zeige.

Bürgermeisterin will langfristige Lösung

Für viel wichtiger halte sie es, so die Bürgermeisterin, im Zuge des vor Kurzem wieder in Angriff genommenen Dorferneuerungsprojekts zu einer langfristigen Lösung zu kommen – ob mit oder ohne Büste. Dafür gebe es schon einige Ideen aus dem Arbeitskreis. Diese sind allerdings noch „wenig ausgegoren“, wie Gemeinderätin Koob zugibt. Ihr schwebt eine drei- bis viergliedrige Dokumentationsreihe vor, die zeigen soll, wie Hindenburg nach Dietramszell kam, und die einen geschichtlichen Bogen bis zu den Todesmärschen der KZ-Häftlinge durch den Ort spannt. Wo eine solche Aufarbeitungsstätte entstehen könne, müsse mit dem Architekten diskutiert werden.

Entschieden dagegen ist Koob, „die Büste im Originalzustand wieder aufzuhängen und womöglich einen Wallfahrtsort daraus zu machen“. Eine Dauerausstellung im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg, die der Aktionskünstler, die Gemeinde und das Erzbischöfliche Ordinariat München ursprünglich favorisiert hatten, wurde von der Museumsleitung kürzlich abgelehnt.

Noch wartet Dorferneuerungs-Architekt Rainer Heinz aus Rosenheim auf konkrete Ideen aus dem Arbeitskreis. Erst, wenn ihm die vorliegen, kann er in die Vorplanung einsteigen und dem Gemeinderat Vorschläge zur Umsetzung unterbreiten. Das soll nach dem Willen der Bürgermeisterin noch 2017 geschehen. Dann könne man endlich „einen Schlusspunkt setzen“ unter die seit Jahren immer wieder aufflammenden Diskussionen um die Haltung der Gemeinde zu Hindenburg und Hitler, die sich 2014 an den Auseinandersetzungen um deren Ehrenbürgerschaften entzündet hatten.

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