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Integration durch Arbeit

Flüchtlinge werden in der Gastronomie gebraucht

Dietramszell – Offene Türen rannte die Agentur für Arbeit bei den Arbeitgebern in Dietramszell beim Thema „Flucht und Arbeit“ ein. Die Gastronomie braucht Flüchtlinge, hieß es.

Offene Türen rannte die Agentur für Arbeit bei den Arbeitgebern in Dietramszell beim Thema „Flucht und Arbeit“ ein. „Wir wollen so früh wie möglich mit den Flüchtlingen ins Gespräch kommen, ihnen eine Perspektive bieten und helfen, eine Arbeit zu finden“, erklärte Udo Kohnen, der Leiter der Geschäftsstellen Wolfratshausen und Bad Tölz, beim Info-Abend in der Klosterschänke in Dietramszell. Das lag voll und ganz auf der Linie anwesender Gastronomen. „Wir bieten Arbeit, suchen Leute“, meinten Rochus Mayer, Chef des Gasthofes Huber in Linden. Uschi Guggenbichler, Chefin der Klosterschänke, stimmte zu.

Udo Kohnen, Geschäftsstellenleiter der Arbeitsagentur

Unterstützt wird das Anliegen durch zahlreiche Fördermaßnahmen, die von der Bundesregierung unter dem Motto „Forward“ aufgelegt wurden. So gibt es einen Arbeitgeberservice mit acht Mitarbeitern im Landkreis. Sie helfen den Arbeitgebern bei der Personalsuche, der Einstellung und beraten über Fördermöglichkeiten. „Das kann beispielsweise eine bis zu sechs Wochen dauernde, unentgeltliche Probearbeit sein“, so Marinco Krstevski, Teamleiter im Arbeitgeber-Service.
 
„Das Unentgeltiche ist nicht das Problem. Wenn einer gut arbeitet, soll er auch einen guten Lohn bekommen“, sagte Rochus Mayer. “Dann ist der Mitarbeiter auch motivierter. Ich glaube kaum, dass ihm die Arbeit Freude macht, wenn er nichts dafür bekommt.“ Für diese Einstellung bekam er großes Lob von Andreas Baumann, Leiter des Job-Centers. „Leider sind nicht alle Arbeitgeber so sozial eingestellt wie offenbar hier in Dietramszell“, erklärte er.

Das entscheidende Kriterium für Mayer ist die Zuverlässigkeit. „Wir brauchen verlässliche Mitarbeiter“, sagte er. Die habe er vor einiger Zeit gefunden: einen Syrer und eine Türkin, beide seien in Bad Tölz untergekommen. „Aber über das Arbeitsamt ist das nicht gelaufen. Vermittelt wurden sie durch einen Bekannten“, so Mayer.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Uschi Guggenbichler mit einem Mann aus Afghanistan gemacht. „Das läuft super.“ Auf der anderen Seite habe ein Syrer schon nach drei Tagen hingeschmissen. „Da habe ich mich sehr geärgert.“

Allerdings gebe es jetzt ein neues Problem. Der Afghane soll einen Integrationskurs besuchen. In diesem Fall würde er montagelang im Betrieb fehlen, das könne sich kein Arbeitgeber leisten. „Abdul ist eingearbeitet, kennt die Abläufe, ist fleißig und motiviert. Ich habe ihm nun sogar einen unbefristeten Arbeitsvertrag gegeben“, so Guggenbichler. Den Integrationskurs wolle er machen, weil dieser vorgeschrieben sei und er fürchte, ohne diesen Kurs abgeschoben zu werden.

„Das stimmt so nicht“, eriwiderte Baumann. „Arbeit geht vor Integration. Wir sind froh über jeden, der arbeitet und nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen ist.“ Der Experte hörte aufmerksam zu, machte sich Notizen und erklärte: „Hier läuft offenbar etwas nicht ganz richtig. Das müssen wir in einer Dienstbesprechung zum Thema machen.“

Ein weiteres Problem: Berufsbegleitende Integrationskurse werden nur in München angeboten. Hier hakte Waltraud Bauhof vom Helferkreis ein. Sie wollte wissen: „Wie soll ein Flüchtling aus Dietramszell, der hier lebt und eine Arbeit gefunden hat, nach München kommen?“ Am 30. Mai würden die meisten der 30 Dietramszeller Flüchtlinge einen Kurs beginnen. Damit würden sie zunächst nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

Das sei tatsächlich ein Problem, meinte Kohnen. „Aber daran arbeiten wir. Gespräche mit den Bildungsanbietern laufen. Es soll auch berufsbegleitende Kurse entweder in Bad Tölz oder Wolfratshausen geben“, so Kohnen.

Zum Schluss erklärte Rochus Mayer: „Wir sollten froh sein, dass Menschen zu uns kommen und arbeiten wollen. Die meisten sind ja auch noch sehr jung. In zehn Jahren klatschen wir vielleicht in die Hände, dass die Flüchtlinge gekommen sind.“ Auf Dauer würde es ohne sie nicht gehen. Diese Erfahrung mache er jetzt schon täglich in seinem Betrieb.

von Siggi Niedergesäss

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