+
Das Wolfratshauser Amtsgericht stellte das Verfahren gegen einen 61-jährigen Dietramszeller ein. Er soll Vize-Bürgermeister Michael Häsch geohrfeigt haben.

Aus dem Amtsgericht

Justiziable Watschn für Dietramszells Vize-Bürgermeister Häsch

  • schließen

Ein 61-jähriger Dietramszeller soll Vize-Bürgermeister Häsch geohrfeigt haben. Weil Aussage gegen Aussage stand, stellte das Gericht das Verfahren ein.

Wolfratshausen/Dietramszell Der Staatsanwalt hatte den Sachverhalt in einem Satz zusammengefasst: Der Angeklagte ohrfeigte den Geschädigten, indem er ihn mit der linken Hand auf die rechte Wange schlug. Doch was sich tatsächlich am 6. Juni vorigen Jahres gegen 19 Uhr vor einem Haus in der Gemeinde Dietramszell zugetragen hat, blieb unklar. In der Verhandlung wegen Körperverletzung gegen einen 61-jährigen Dietramszeller stand Aussage gegen Aussage. Das Verfahren wurde eingestellt.

„Wenn er sich gleich entschuldigt hätte, hätte man sich das Ganze sparen können“, sagte Michael Häsch (59), Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Dietramszell, der die Sache mit seiner Anzeige ins Rollen gebracht hatte. An jenem Abend sei er zum Anwesen des Angeklagten gefahren, um zu prüfen, ob man mit dem Traktor den am Grundstück entlangführenden Weg durchfahren könne. Die Gemeinde müsse dort die Feuerwehrzufahrt sicherstellen, erklärte der Gemeinderat und deutete an, dass es damit zeitweilig Probleme gegeben habe. „Ich habe nachgeschaut, man kam durch“, so Häsch. Er räumte zudem ein, noch Fotos gemacht zu haben. Dies bemerkte der Angeklagte. „Er kam ums Eck, brüllte, was ich da mache, ich solle vom Grundstück verschwinden“, schilderte Häsch. Er habe erwidert, er befinde sich auf einem Gemeindeweg. Dann standen sich die Streitenden gegenüber. „Er packte mich am Träger meiner Latzhose und hat mir gleich eine geschmiert“, beteuerte Häsch. „Ich sagte: Jetzt bist du zu weit gegangen, jetzt gibt’s eine Anzeige.“

Der Angeklagte schüttelte den Kopf. Nach seiner Schilderung hatte es am Vorabend einen verbalen Disput mit dem Sohn des Zeugen gegeben, weil dieser zu schnell mit dem Traktor unterwegs gewesen war. Darauf habe Häsch ihn tags darauf angesprochen und sei energisch auf ihn zugekommen. „Er kam ganz nah“, berichtete der Beschuldigte. Deshalb habe er, um ihn von sich zu halten, beide Arme ausgestreckt. In dem Moment habe der andere „mit der rechten Hand einen Aufwärtshaken geschlagen“. Warum er nun so eine Anschuldigung mache, sei ihm unbegreiflich, sagte der Angeklagte.

Auch interessant: Streit am Stromzähler endet vor dem Amtsgericht

Auf Nachfrage des Gerichts erklärte Häsch, er habe kein Interesse an einer Strafverfolgung des 61-Jährigen. „Wir müssen ja irgendwie auskommen und ein vernünftiges Verhältnis haben.“ Nach einer kurzen Besprechung mit seinem Mandanten wandte sich der Verteidiger mit einem Vorschlag an die Prozessbeteiligten. „Wir können heute nicht herausfinden, wer Recht hat“, sagte der Anwalt und empfahl: „Geben Sie sich die Hand und Schwamm drüber.“ Dem konnte sich der Staatsanwalt ebenso anschließen wie Richter Helmut Berger, der jedoch ein Gegengeschäft erwartete: „Einstellung gegen Entschuldigung.“ Zu der musste der Angeklagte, der seinem Gegenüber zunächst schweigend die Hand reichte, jedoch leicht geschubst werden. Er war weiterhin der Ansicht: „Ich hab´ ja nichts getan.“ 

rst

Lesen Sie auch: Wolfratshausen: Die Zitate des Jahres 2019 aus dem Amtsgericht

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommunalwahl 2020: Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner im Porträt
Nach sechs Jahren als Rathauschef will es Klaus Heilinglechner noch einmal wissen: Er kandidiert erneut als Bürgermeister für Wolfratshausen. 
Kommunalwahl 2020: Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner im Porträt
Skandal um Wahlplakate: Mit schwarzem Kreuz beschmiert – und an Maibäumen aufgehängt
In Icking herrscht Fassungslosigkeit. Mehrere Wahlplakate wurden beschädigt, doch dann folgte der traurige Höhepunkt um Plakate von Bürgermeisterkandidatin Cornelia …
Skandal um Wahlplakate: Mit schwarzem Kreuz beschmiert – und an Maibäumen aufgehängt
Auf der Suche nach ihrem sichergestellten Auto: Bayerin mit irrer Aktion mitten auf der Autobahn
Ziemlich viel falsch gemacht hat eine Autofahrerin (66) aus Mittenwald. Ihr Ford hatte erhebliche Mängel - und sie spazierte auch noch zu Fuß über die A95.
Auf der Suche nach ihrem sichergestellten Auto: Bayerin mit irrer Aktion mitten auf der Autobahn
River Rats: Mit Defensivtaktik zum Erfolg?
Bayernligist Geretsried rechnet sich gute Chancen aus bei der abstiegsdrohten EA Schongau. Allerdings fehlt Rechtsaußen Klaus Berger, der eine Sperre abbrummt.
River Rats: Mit Defensivtaktik zum Erfolg?

Kommentare