Kein Geld für attraktiveres Ortszentrum

Projekt Dorferneuerung ist vorerst gestorben

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Dietramszell – Schon seit über zehn Jahren will die Gemeinde Dietramszell die Verschönerung ihrer Dorfmitte vorantreiben. Wieder einmal scheint daraus nichts zu werden.

Das Projekt Dorferneuerung ist vorerst gestorben. Mit großer Mehrheit lehnte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung ab, einen Architekten mit der Vorplanung konkreter Verschönerungsmaßnahmen im Ortskern zu beauftragen.

Vor mehr als einem Jahr hatte der Gemeinderat den Wiedereintritt Dietramszells in das Dorferneuerungsprogramm des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE) in München beschlossen. Ziel war es, mit Hilfe öffentlicher Förderung in den nächsten Jahren verschiedene Projekte im Ortszentrum zu realisieren – unter anderem die Neugestaltung des Dorfplatzes, des Rathausumgriffs, des Kirchenvorplatzes und des Gehwegs am Klosterberg.

Für einige Vorhaben existierten bereits seit Jahren Pläne. 2002 hatte der damalige Gemeinderat eine erste Anfrage an das ALE gestellt. Dass die Dorferneuerung später ins Stocken geriet, lag am Geldmangel: Dringend notwendige Kanalbau- und Infrastrukturmaßnahmen hatten Vorrang. Ähnliche Gründe machten die Gemeinderäte auch diesmal geltend.

1,3 Millionen Euro sollten die vom Gremium gewünschten Maßnahmen nach Schätzungen des Rosenheimer Architekten Rainer Heinz kosten. Etwa 700 000 bis 800 000 Euro müsste die Gemeinde stemmen. „Das ist zu viel“, erklärte Zweiter Bürgermeister Michael Häsch: „Wir haben wichtigere Aufgaben.“ Er plädierte dafür, sich zunächst mit den Vereinen und anderen Beteiligten zusammenzusetzen: „Durch Eigenleistungen könnte man das Ganze viel günstiger gestalten.“ Erst danach solle der Planungsauftrag vergeben werden.

„Das geht nicht“, widersprach Bürgermeisterin Leni Gröbmaier: „Kein Planer redet mit allen Leuten, solange er keinen Auftrag hat.“ Zudem reiche wegen der erforderlichen Bürgerbeteiligung die Zeit nicht mehr, um den Förderantrag fristgerecht bis Mai nächsten Jahres einzureichen. Sie betonte, dass die Kostenschätzung des Architekten einen Mittelwert darstelle. Je nach gewünschter Ausführung könne der tatsächliche Preis höher, aber auch deutlich niedriger ausfallen. Auch die von ihm veranschlagten Honorarkosten von knapp 25 000 Euro berechneten sich nach den real anfallenden Baukosten. „Man hätte einzelne Maßnahmen herausstreichen können“, so die Rathauschefin.

Nach dem ablehnenden Beschluss der Gemeinderäte ärgerte sich Gröbmaier über die vielen vertanen Arbeitsstunden, in denen sich die Verwaltung und die Ausschüsse in den vergangenen Monaten mit dem Thema Dorferneuerung beschäftigt hatten: „Das hätte man sich alles früher überlegen können.“ Jetzt müsse die Kommune schauen, welche Pläne sie mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln umsetzen könne. Für einen kleinen Dorfplatz am Richteranger mit Brunnen und Bänken lege die Genehmigung schon vor. Am Kirchenvorplatz, dessen schlechter Zustand bereits in der letzten Bürgerversammlung kritisiert worden war, müsse man sich dagegen vorerst mit einer oberflächlichen Ausbesserung der Schäden begnügen.

Unbenommen vom Aus für die Dorferneuerung bleibt die für 2017 geplante Sanierung der Ortsdurchfahrt von Untermühltal Richtung Kloster: „Dafür ist im Wesentlichen das Straßenbauamt zuständig“, so Gröbmaier. Im Zuge dessen soll auch ein neuer Gehweg mit Grünstreifen entstehen.

cw

Rubriklistenbild: © dpa

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