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Platzhalter: Ein kirchturmhohes Gerüst befindet sich in jener Felsnische, in der einst ein riesiger Sandstein-Buddha.

Klaus Vogt aus Bairawies hilft bei der Sicherung eines Weltkulturerbes

Hohe Schule des Industriekletterns

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Ein anspruchsvoller Arbeitseinsatz in einer Umgebung, wie man sie sich exponierter kaum vorstellen kann, hat den Dietramszeller Klaus Vogt in die Region Hazarajat im Herzen Afghanistans geführt.

Dietramszell – Eine nicht ganz ungefährliche Dienstreise: In dem seit Jahrzehnten vom Krieg geschundenen Land verschärft sich aktuell die Bedrohungslage wieder. Terror, Bomben und Gewehrsalven gehören zum Alltag der Menschen dort. Der 42-jährige Familienvater riskierte trotzdem den Trip ins südasiatische Hochgebirge. Dort half er, jene Schäden zu beseitigen, die fanatische Taliban-Kämpfer in der Provinz Bamiyan angerichtet hatten.

Vogt war geradezu prädestiniert für den Job. Er ist Malermeister von Beruf und Bergsteiger aus Passion. Von Jugend an zog es ihn in die Berge. Sein Hobby betreibt er mit solcher Leidenschaft, dass es zeitweise zu seinem Nebenberuf wird: Der Bairawieser absolvierte eine Ausbildung zum Industriekletterer und steigt nun auch dienstlich immer wieder so hoch hinauf wie kaum ein anderer. Vogt war beispielsweise dabei, als 2006 in Frankfurt am Main an etlichen Hochhäusern die Projektionsleinwände für die „SkyArena“ zur Fußball-WM aufgehängt und wieder abgenommen wurden. Und der 42-Jährige verhalf einem restaurierten Wetterhahn und Kreuz zurück auf deren Stammplatz auf der anderweitig kaum erreichbaren Kirchturmspitze von Velden an der Vils.

Bei seinen Einsätzen für eine niederbayerische Firma arbeitete Vogt öfters mit seinem Kletter-Kollegen Stephan Hardt zusammen. Deshalb war er nicht sonderlich überrascht, als ihn der Mann aus Kolbermoor Mitte des Jahres anrief. Was sein Freund Vogt aber anbot, verschlug ihm fast die Sprache: „Fliegst du mit mir nach Afghanistan? Wir sollen dort eine Felssicherung an der Nische des Großen Buddhas in Bamiyan vornehmen“, fragte Hardt. Nach einer halb durchwachten Nacht und stundenlangen Recherchen im Internet sagte der Bairawieser zu.

In luftiger Höhe: Mit Spezialwerkzeug spannt und verschraubt Klaus Vogt die eingezogenen Sicherungsseile.

Ein paar Wochen später landeten Vogt und Hardt zusammen mit dem Peißenberger Geologen Mathias Effler in dem auf 2500 Meter Seehöhe gelegenen Bamiyan-Hochtal, rund 250 Kilometer nordwestlich der afghanischen Hauptstadt Kabul. Unter der Leitung des aus Penzing stammenden Kunsthistorikers und Restaurators Bert Praxenthaler begann das Trio, im Rahmen eines Projekts der UNESCO den einstigen Standort des vor rund 1500 Jahren aus dem Fels gehauenen „Großen Buddha“ zu sanieren und zu stabilisieren. Taliban-Milizen hatten die Figur und deren kleineren Bruder im Jahr 2001 gesprengt.

Mit ihrer Arbeit wollen die erfahrenen Spezialisten verhindern, dass weitere nur noch lose Felsplatten aus der Nische brechen. Und sie wollen ermöglichen, dass man das Gerüst für künftige Arbeiten an diesem berühmten Weltkulturerbe gefahrlos erhöhen kann. „Rein handwerklich“ sei die Arbeit zwar anders, aber nicht wesentlich schwieriger als frühere Jobs gewesen, resümiert Klaus Vogt nach seiner Rückkehr. „Eigentlich kann das jeder aus unserer Branche.“ Die besonderen Umstände, das Wissen um die eineinhalbtausendjährige Geschichte des Einsatzortes und „das ganze Drumherum“ hätten diese „Dienstreise“ jedoch zu einem speziellen Erlebnis gemacht – zu einer „hohen Schule des Industriekletterns“.

Der Job in Bamiyan ist damit noch lange nicht beendet – auch nicht für Industriekletterer. Klaus Vogt wäre, so sagt er, sofort wieder dabei, „wenn die uns nochmals brauchen“. Nach allem, was er über die beiden riesigen Buddha-Figuren gehört, gesehen und an ihrem Standort erlebt hat, würde er sich persönlich aber wünschen, dass man den Versuch eines Wiederaufbaus der beiden rund 60 beziehungsweise 35 Meter hohen Figuren aufgibt. „Ein Mahnmal“ scheint Vogt „viel logischer“ zu sein: die sanierten, nackten Nischen und darunter, im Tal, kleinere Modelle der ursprünglichen Statuen.

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