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Für ihre beiden Söhne hat Christine Lindmeyer (li.) die Weihnachtskrippe angeschafft. Deren Freunde haben ebenfalls Freude daran: (v. li.) Quirin Raßhofer, Thomas Walleitner, Leonhard Schmid und Benedikt Lindmeyer

Ausstellung im Pfarrheim

Krippenausstellung in Dietramszell: Jedes Stück erzählt eine Geschichte

Jede Krippe ist ein Unikat und erzählt etwas über ihren Besitzer. Im Dietramszeller Pfarrheim findet alle zwei Jahre eine Ausstellung mit den von Bürgern selbst gebauten und liebevoll bestückten Kunstwerken statt. Hinter allen steht eine Geschichte.

Dietramszell – Als ihr älterer Sohn Georg ein Jahr alt war, fing Christine Lindmeyer an, für die Familie eine Weihnachtskrippe aufzubauen. Das war vor 14 Jahren. Den Stall kaufte sie bei einem Krippenbauer in Linden. Die „Grundausstattung“ – Maria und Josef, das Jesuskind, Esel und Ochse – entdeckte sie im Gravurgeschäft Weigl in Wolfratshausen.

Dort erfuhr sie, dass Josef Scheifl aus der Jachenau noch mehr der von der Firma Pema handgeschnitzten Holzfiguren verkauft. Seitdem holt sie sie direkt bei ihm. Sobald ihre Buben „Schorschä“ und Benedikt, heute 15 und zwölf Jahre alt, etwas größer waren, durften sie sich jedes Jahr ein Tier, einen Hirten, König oder Engel aussuchen. Die Fahrt zu Holzschnitzer Scheifl gehört für die Lindmeyers zur Adventstradition.

Beim Elefanten ist Vorsicht geboten

Den Elefanten mit der Decke auf dem Rücken möge er am liebsten, sagt Benedikt. „Ich hab’ bewusst nicht so filigrane Figuren, sondern etwas robustere ausgewählt, damit die Kinder auch mit ihnen spielen können“, erzählt die Mama. Vorsicht ist dabei natürlich schon geboten, immerhin kostete der Elefant zum Beispiel 85 Euro. Weiteres selbst gebasteltes Zubehör wie eine Hühnerleiter oder eine Sitzbank fanden die Lindmeyers bei Hans Disl aus Schönegg. Richtig komplett wird die Krippe samt der weitläufigen, mit frischem Moos bedeckten Landschaft ringsherum aber wohl nie sein. Dafür entdecken die begeisterten Sammler viel zu oft neue, hübsche Holzarbeiten.

Auch Günther Rischers Kripperl wächst von Jahr zu Jahr. Seit einem Vierteljahrhundert pflegt der Rentner aus Schönegg sein Hobby. Er kauft nicht nur teils sehr wertvolle handgeschnitzte Figuren auf Christkindlmärkten und bei Handwerkern, er bastelt auch selbst. Einen Wagen mit zwei Milchkannen darauf, einen Schleifstein und einen beleuchteten Stern von Bethlehem hat er aus Holz aus dem eigenen Wald gedrechselt. Anregungen holt er sich bei Krippenschauen, etwa in Gaißach, Oberau oder in Dietramszell, wo er selbst regelmäßig ausstellt. Rischer möchte seine idyllische Szenerie aber nicht überladen. „Die Heiligen Drei Könige sind bei mir noch nicht eingetroffen. Bei mir geht es erst einmal nur um die Geburt des Jesuskindes“, sagt der 72-Jährige.

Ein leidenschaftlicher Bastler ist Günther Rischer aus Schönegg. In seiner Krippe flackert sogar ein Lagerfeuer. Den selbst geschnitzten Stern von Bethlehem hat er von hinten beleuchtet.

Beim Ehepaar Heuschneider aus Dietramszell ist es Ehefrau Leni, die für den weihnachtlichen Krippenzauber sorgt. Die Hobbyschneiderin näht ihren nackten Holzmännchen aufwendige Kleider aus Filz. Der Hirte trägt ein einfaches, graues Gewand, der Weise aus dem Morgenland kommt im prächtigen roten Mantel und einem goldenen Turban auf dem Kopf angeritten. Stolz ist die fünffache Mutter auf den von zwei ihrer inzwischen erwachsenen Buben mit etwa 15 Jahren gezimmerten Stadl. „Den halte ich in Ehren, der ist das Herzstück des Ganzen“, sagt Heuschneider.

Auch die handgefertigten Schafe, die sie kurz nach der Hochzeit vor 44 Jahren von ihrer Schwiegermutter bekommen hat, sind eine Besonderheit. „Heute wird so etwas fast nur noch maschinell hergestellt“, bedauert die Dietramszellerin. Inzwischen erfreuen sich neben den fünf erwachsenen Kindern auch vier Enkel an den Figuren und der Landschaft. Wenn die ganze Familie am ersten Weihnachtsfeiertag bei den Heuschneiders senior versammelt ist, werden die neu eingekleideten Holzpuppen bewundert.

Minimalistische Krippe aus Ghana

Ganz unterschiedlich sind die im Pfarrheim aufgebauten Krippen. Eine stammt aus Ghana und zeigt auf minimalistische Weise, auf einer viereckigen, tellergroßen Platte angerichtet, die Heilige Familie aus schwarzem, weiß bemalten Speckstein. Das Arrangement hat Familie Schuster-Pouilly aus Schönegg beigesteuert.

Dafür, dass alle zwei Jahre wieder neue Ausstellungsstücke hinzukommen, sorgt Pfarrgemeinderatsvorsitzende Rita Lechner. „Ich red’ einfach jeden an, ob er nicht eine schöne Krippe hat und mitmachen mag“, sagt sie. Manchmal tauchen dann so ausgefallene Ideen wie die Anordnung der Figuren in einem runden Strohkorb (Christiane und Benedikt Bacher aus Manhartshofen) auf, oder die Weihnachtsszene dargestellt in einer Eckvitrine hinter Glas (Krippenbaumeister Hans Ritt).

In einem Strohkorb stellen Christiane und Benedikt Bacher die Weihnachtsszene nach.

Mittlerweile stehen alle Exponate natürlich wieder in den guten Stuben der Besitzer. Die Haupt- und Nebendarsteller sind für den Heiligen Abend ordentlich drapiert – oder von Kinderhänden ein wenig durcheinandergewürfelt.

Tanja Lühr

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