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Wolfgang Gebauer ist im Alter von 72 Jahren verstorben.

Er litt über 30 Jahre an Multipler Sklerose

Kunst aus Leidenschaft: Zum Tod des Bairawieser Bildhauers Wolfgang Gebauer

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Wolfgang Gebauer war ein Kunstschaffender und Lebenskünstler. Obwohl er mit 40 Jahren die Diagnose Multiple Sklerose erhielt und über die Jahre unter immer größeren körperlichen Einschränkungen litt, ließ er sich Optimismus, Neugier und Humor nicht nehmen. 

Dietramszell – „Er war ein sehr fröhlicher Mensch und liebte Gesellschaft“, erinnert sich seine Frau Annemarie. Seinem Beruf als freischaffender Bildhauer ging er nach, bis es ihm die fortschreitenden Lähmungserscheinungen an Armen und Beinen endgültig unmöglich machten. Seine Leidenschaft galt besonders der sakralen Kunst. Zu seinen Hauptauftraggebern zählte die Erzdiözese München und Freising, für die er insgesamt etwa 60 Altäre und Kircheneinrichtungen schuf. Dazu kamen zahlreiche Privataufträge für Grabmale, Bronzegüsse oder Holzfiguren. In der Dietramszeller Leonhardikirche erinnern die Madonna am Kreuz, der Heilige Geist an der Kanzel und die Engel an den Seitenaltären an ihn.

Ein künstlerischer Auftrag zur Ausgestaltung der renovierten Pfarrkirche St. Valentin hatte den 23-jährigen Holzbildhauermeister 1969 von München nach Hechenberg geführt. Gerne nutzte er die Gelegenheit, das leerstehende Schulhaus als Atelier und Wohnraum zu mieten. Im Jahr darauf lernte er im Fasching seine spätere Frau aus Unterleiten kennen. 1981 zogen die beiden mit ihren Söhnen Michael und Florian nach Bairawies. Die dortige Werkstatt musste er aus gesundheitlichen Gründen zwar bereits 1998 an seinen Sohn Florian abgeben – „aber ein Künstler bleibt halt immer ein Künstler“, meint seine Frau lächelnd.

Sein letztes Werk stammt aus dem vergangenen Jahr: ein kleines bronzenes „Hausaltärchen“ für den heimischen Küchentisch. Dessen künstlerischer Wert liegt gerade im Unperfekten, ist seine Familie überzeugt – in den Unregelmäßigkeiten in Folge der nachlassenden Beherrschung seiner Hände und Finger. Bis 2015 verkaufte Gebauer am Münchner Kripperl-Markt seine Weihnachtskrippen und Heiligenfiguren. In 35 Jahren war er als Standl-Besitzer dort längst zur Institution geworden und bei Kunden und Kollegen gleichermaßen beliebt. „An seinem Lachen hat man immer gleich gehört, wo er ist, wenn er mal nicht am Stand war“, erinnert sich seine Frau.

Auch Norbert Regul wird „sein dröhnendes Lachen, mit dem er überall für Stimmung gesorgt hat“ nicht vergessen. Seit 1984 waren Annemarie und Wolfgang Gebauer treue Mitglieder seines Dietramszeller Kirchenchors. Regul schätzte den Bildhauer als lebensfrohen Menschen, der sich für alles interessierte – sei es Kunst, Kultur oder Musik. Auf Ausflügen und Zusammenkünften war er immer dabei, zuletzt im Rollstuhl. Um mobil zu bleiben, kaufte er sich einen Elektro-Scooter. Auf dem sah man ihn in den letzten Jahren umherfahren. „Aber auch das wurde immer beschwerlicher und er saß oft schon recht schief auf seinem Mobil“, erzählt Annemarie Gebauer.

Aufgeben kam für den Lebenskünstler trotzdem nicht infrage: „Er wollte immer etwas Neues erleben, Menschen zum Reden treffen und damit sein Schicksal ein wenig vergessen.“ Von seinem Leiden erlöst wurde der 72-Jährige zu Hause im Kreis seiner Familie, wie er es sich gewünscht hatte. cw

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