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Hat nach 55 Jahren ausgedient: Die evangelische Michaelskapelle in Dietramszell. 

Evangelische Kirche entweiht Gotteshaus 

Leiser Abschied von der Michaelskapelle: Protestanten verärgert

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Dass das evangelische Gotteshaus in Dietramszell zum Ende des Kirchenjahres geschlossen wird, war seit über einem Jahr bekannt. Das formelle Aus wurde jetzt in aller Stille vollzogen.

Dietramszell – Für Pfarrer Peer Mickeluhn war es das erste Mal. „Die Entwidmung einer Kirche ist eine schmerzliche Geschichte“, sagt er, „aber auch eine Sache, der man sich stellen muss.“ Am 11. November fand der letzte Gottesdienst in der Dietramszeller Michaelskapelle statt. Im Anschluss daran übergab Dekan Martin Steinbach die Altarkerzen, das Kruzifix, den Abendmahlkelch und die anderen liturgischen Gegenstände an Pfarrer Mickeluhn und andere verdiente Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde. In einer feierlichen Prozession wurden die kirchlichen Gerätschaften aus dem Gebäude getragen.

Sanierung wäre zu teuer

Damit endete die gut 55-jährige Geschichte des kleinen Gotteshauses am Schwaiganger. Grund für das Aus war zum einen die schlechte Bausubstanz der Kapelle. „Für die dringend notwendigen aufwändigen Sanierungsmaßnahmen ist in der Kirchengemeinde momentan nicht genug Geld vorhanden“, erklärt Steinbach unserer Zeitung.

Dazu kamen die geringen Besucherzahlen: Von den rund 300 Protestanten der Dietramszeller Gemeinde seien im Schnitt nur drei bis sechs im Gottesdienst gewesen, erläuterte Mickeluhn. Deshalb hatte der Kirchvorstand der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Holzkirchen im September vergangenen Jahres entschieden, die Kapelle zum Ende des Kirchenjahres 2017 zu schließen. Nur so könne man, so die Begründung, den Unterhalt der beiden anderen Gemeindezentren in Holzkirchen und Sauerlach finanzieren.

Kirchengänger kritisieren „schmucklose, nüchterne Form“ des Abschieds

Dass am 11. November ein Gottesdienst in der Michaelskapelle stattfindet, war im Gemeindebrief angekündigt worden – nicht aber, dass dies der letzte sein sollte. Genau daran störten sich einige Dietramszeller Protestanten. „Das macht man einfach nicht, so leise, still und heimlich eine Kirche zu schließen“, empörte sich eine Kirchgängerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Nicht einmal die Bürgermeisterin sei informiert gewesen. Auch die „schmucklose, nüchterne Form“ des Abschiedsgottesdienstes stieß auf Kritik. „Es erschien uns unpassend, daraus ein öffentliches Event zu machen“, entgegnet Pfarrer Mickeluhn. Dadurch wäre der Abschied zwangsläufig unpersönlicher geworden. Stattdessen habe man gezielt „diejenigen informiert, die es angeht“ – also die Kirchgänger, die zu den vierwöchentlich stattfindenden Gottesdiensten kamen. Die seien auch alle dagewesen. „Es ging uns keinesfalls darum, jemanden auszuschließen“, betont der für Dietramszell zuständige Pfarrer von der Sauerlacher Zachäuskirche. Insgesamt zählte Mickeluhn etwa 30 Besucher beim Abschiedsgottesdienst.

Gottesdienst künftig in Holzkirchen und Sauerlach

Die Dietramszeller Protestanten müssen in Zukunft nach Holzkirchen oder Sauerlach fahren, wenn sie in die Kirche gehen wollen. Nach Erfahrung von Dekan Martin Steinbach haben das viele auch in der Vergangenheit schon gemacht, weil die beiden anderen Gemeindezentren deutlich besser besucht seien. „Ein Gottesdienst lebt ja vom Miteinander“, sagt auch Mickeluhn.

Für die Betreuung der Gläubigen bleibt er als Sprengelpfarrer weiterhin zuständig. Was mit der Michaelskapelle und dem Grundstück künftig geschieht, ist nach Steinbachs Auskunft bislang noch nicht geklärt: „Wünschenswert wäre eine weitere soziale Verwendung.“ Möglicherweise erhält auch die Gemeinde Dietramszell das Grundstück zurück, das sie der Kirche vor knapp 60 Jahren vergünstigt überlassen hatte.

Für die liturgischen Geräte aus dem ehemaligen Gotteshaus will der Kirchenvorstand noch „einen guten Ort finden“, so Mickeluhn. Teilweise sollen sie, wie etwa die Abendmahl-Utensilien, auf andere Kirchen verteilt werden. Sicher sei jedoch: „Weggeschmissen wird nichts.“

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