Bestattungswald in Dietramszell
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Mit Blick auf den idyllischen Waldweiher wurde im offenen Pavillon der Bestattungswald eröffnet.

Bürokratische Hürden überwunden

Letzte Ruhe in der Dietramszeller Natur: Erster Friedwald im Landkreis eingeweiht

  • vonEwald Scheitterer
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Mit einer kleinen Feier wurde der erste Bestattungswald am Dietramszeller Waldweiher eingeweiht. Doch bis dahin war es eine lange Reise - dem ersten Friedwald im Landkreis standen zunächst einige bürokratische Hürden im Weg.

  • In Dietramszell wurde der erste Bestattungswald im Landkreis eingeweiht.
  • Auf insgesamt acht Hektar Fläche sind derzeit an die 300 Bäume für Bestattungen markiert.
  • Die „Pachtkosten“ der Gruppenbäume bis zum Jahr 2099 bewegen sich zwischen 3900 und 9500 Euro.

Dietramszell – Auf großes Interesse stieß feierliche Eröffnung des ersten Bestattungswalds südlich von München, also auch die erste Einrichtung dieser Art im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. In idyllischer Lage in dem Waldstück am Dietramszeller Waldweiher können nun „Menschen ihre letzte Ruhe im Wald finden“, wie es der Grundstückseigner Fabian von Schilcher ausdrückte. Der evangelische Dekan Martin Steinbach betonte: „Ich wünsche, dass an diesem schönen und besonderen Ort, die Stille der Bäume auch in die Köpfe der Trauernden einzieht.“

Seit dem Jahr 2016 verfolgt die Familie von Schilcher den Plan, den Bestattungswald „Waldruh“ einzurichten. Dem Vorhaben standen, wie Bürgermeister Josef Hauser sagte, diverse bürokratische Hürden im Weg. Selbst der Flächennutzungsplan der Gemeinde musste dazu geändert werden. Der Rathauschef, erst seit Mai im Amt, fügte an, dass die Hauptarbeit seine Vorgängerin Leni Gröbmaier geleistet hatte. Die Ex-Bürgermeisterin konnte an der Eröffnungsfeier aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht teilnehmen.

Einweihung: (v. re.) Dekan Thomas Neuberger und Dekan Martin Steinbach spendeten im Beisein von Juliet und Fabian von Schilcher (verdeckt) sowie Renate Dietz und Bürgermeister Josef Hauser (li.) der „Waldruh“ den kirchlichen Segen.

Da in Bayern Friedhöfe nicht in privater Hand sein dürfen, kam es zu folgendem Konstrukt: Die Gemeinde pachtete das Gelände von der Familie von Schilcher bis zum Jahr 2099, um es dann wieder an die von Schilcher’sche Forst- und Gutsverwaltung zum Betrieb des Bestattungswalds zu übergeben. Hauser betonte: „Auch wenn so eine Einrichtung eher selten ist, ist so doch gut gelungen. Es ist ein schöner Ort entstanden, zu dem man gehen kann, um seinen verblichenen Angehörigen nahe zu sein.“

Renate Dietz vom „Team Waldruh“ erklärte während der Feierstunde im hölzernen, offenen Andachtspavillon, dass hier alle Menschen ohne Rücksicht auf ihre Religion, Hautfarbe oder Herkunft bestattet werden können. Der jeweilige Baum biete eine natürliche Ruhestätte, lediglich eine kleine Gedenktafel erinnere an den Verlust eines geliebten Menschen. Ohne regelmäßigen Pflegeaufwand lebt auch der natürliche Mischwald weiter.

Bestattungswald Dietramszell: Natürliche Ruhestätte ohne regelmäßigen Pflegeaufwand

Die Dietramszeller Bläser umrahmten die Feierstunde, ehe die beiden Dekane, der evangelische Martin Steinbach sowie sein katholischer Amtskollege Thomas Neuberger, den kirchlichen Segen spendeten. Letztlich pflanzten Juliet und Martin von Schilcher sowie Renate Dietz und Josef Hauser gemeinsam einen Urwelt-Mammutbaum. Das ursprünglich aus China stammende Gehölz stammt aus einer bayerischen Baumschule und weist gegenüber dem Klimawandel eine hohe Toleranz auf.

esc

Zwei Baumkategorien im Friedwald

Im Bestattungswald „Waldruh“ nahe des Dietramszeller Waldweihers sind auf rund acht Hektar Fläche derzeit an die 300 Bäume für Bestattungen markiert. Hier kann sich jedermann und -frau bereits zu Lebzeiten einen bestimmten Baum für seine Urnenbestattung aussuchen, ohne Rücksicht auf Religion, Hautfarbe oder Herkunft. Die Urne muss lediglich aus einem biologisch leicht abbaubarem Material bestehen.

Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Baum-Kategorien: Den Familien- oder Freundschaftsbaum, vergleichbar mit einem Urnenfeld auf einem normalen Friedhof. Hier können bis zu zwölf Urnen bestattet werden. Die „Pachtkosten“ der Gruppenbäume bis zum Jahr 2099 bewegen sich zwischen 3900 und 9500 Euro. Für den sogenannten Einzelplatz – hier können bis zu zwei Urnen bestattet werden – sind für 25 Jahre Pachtdauer 850 bis 1950 Euro zu zahlen. Die Pachtgebühr wird bei Vertragsabschluss sofort fällig, die Laufzeit beginnt aber erst mit dem Zeitpunkt der Beisetzung.

Die unterschiedlichen Preise ergeben sich aus Lage, eventuell mit Seeblick, Größe und Alter des jeweiligen Baumes. An dem Baum wird schließlich eine kleine Tafel mit Namen, Geburts- und Todestag des Verblichenen angebracht. Der jeweilige Interessent bekommt eine Urkunde samt Karte, in der der betreffende Baum markiert ist.

Darüber hinaus gibt es keine Grabsteine oder Ähnliches. Die Grabpflege an sich übernimmt die Natur. Für die Trauerfeier steht ein offener, überdachter Andachts-Pavillon zur Verfügung. Der gesamte Bestattungswald ist frei begehbar, mit Holzplanken markiert, die Wege sind mit Hackschnitzeln bestreut. Fahrradfahren ist auf dem Areal verboten, außer auf den öffentlichen Waldwegen.

Interessenten wenden sich an die von Schilcher’sche Forts- und Gutsverwaltung, Am Weiherfeld 1a in Dietramszell. Nähere Infos im Internet unter www.waldruh-dietramszell.de.

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