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Eine Herde Rindviecher, eine Bäuerin und ein Motorradfahrer kamen sich in die Quere. Die 52-Jährige und der 66-Jährige trafen sich jetzt vor dem Amtsgericht wieder. 

Verhandlung am Amtsgericht

Motorradfahrer fährt Bäuerin nieder

Dietramszell - Ein Münsinger (66) hat mit seinem Motorrad zwischen Linden und Lochen eine Landwirtin umgefahren. Das bescherte ihm eine Verhandlung vor dem Amtsgericht - und eine Geldbuße von 2200 Euro. 

Eine Bäuerin hält ihren Kühen den Weidezaun auf. Während die 25 Rindviecher gemächlich der Weide entgegen trotten, schlängelt sich ein Motorrad durch die Gruppe – und fährt die Bäuerin um. Die Frau (52) zieht sich dabei Hautabschürfungen und starke Prellungen am Daumen der linken Hand und an der Schulter zu. „Wochenlang konnte ich nicht in den Stall gehen“, erzählte sie dem Amtsrichter. Vor dem musste sich gestern der Fahrer der BMW-Maschine verantworten. Dem Münsinger (66) werden fahrlässige Körperverletzung und Unfallflucht vorgeworfen.

Der Vorfall ereignete sich am 4. August gegen 17.45 Uhr auf der Landstraße zwischen den Dietramszeller Ortsteilen Linden und Lochen. „Dass ein Motorrad zwischen den Kühen fährt, passiert normalerweise nicht. Die warten eigentlich, bis die Viecher weg sind“, sagte der Ehemann (58) der Geschädigten. „Aber er muss sich durchschlängeln, weil’s ihm wohl fürchterlich pressiert um dreiviertel sechs“, ereiferte sich der Zeuge. „Das kann er machen. Aber dass er meine Frau umfährt, ist nicht in Ordnung.“ Haarscharf sei das Motorrad an der Gattin vorbeigefahren und habe sie zu Boden gerissen.

Die Anklage lautet auf fahrlässige Körperverletzung

Der angeklagte Rentner war sich keiner Schuld bewusst. „Ich fiel aus allen Wolken, als noch am selben Abend die Polizei kam und mich beschuldigte, Fahrerflucht begangen zu haben“, erklärte der Münsinger. Er habe sich mit seiner Maschine in einer Lücke zwischen den Tieren eingereiht und sich „an der Kuhgeschwindigkeit orientiert“. Kurz vor der Bäuerin habe er angehalten, „um zu prüfen, ob ich zwischen Frau und Kühen durchkomme“, fuhr der Angeklagte fort. Er habe „einen bösen Blick“ geerntet, sei weitergefahren und kurz hinter der Frau „ins Schlingern geraten“. Dann habe er sich umgeschaut. Als der Ehemann laut rufend herbei geeilt kam, sei er davon gefahren, „um einer körperlichen Auseinandersetzung zu entgehen“. Dass die Frau gestürzt sei, habe er nicht bemerkt. Deshalb könne sein Mandant weder wegen fahrlässiger Körperverletzung noch wegen unerlaubtem Entfernen vom Unfallort belangt werden, erläuterte der Verteidiger.

Dass sah das Gericht anders. „Durch den sehr knappen Abstand zur Frau hat sich die Schnur am Motorrad verhakt. Deshalb hat der Angeklagte fahrlässig gehandelt“, führte Richter Helmut Berger aus. Und weil er sich nicht erkundigt habe, ob der Frau etwas passiert sei, sei auch der Tatbestand der Unfallflucht erfüllt. Berger verurteilte den Rentner zu 2200 Euro Geldstrafe (40 Tagessätze à 55 Euro) und erteilte zudem ein Fahrverbot für die Dauer von zwei Monaten. Rudi Stallein 

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