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Aufreger: Der Aktionskünstler Wolfram Kastner demontierte 2014 die Hindenburg-Büste im Ort. 

Historiker kommen zu Wort

Nach Aufregung um Büste: Symposium in Dietramszell widmet sich Hindenburg

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Symposium widmet sich dem umstrittenen Feldmarschall

Dietramszell – Die Gemeinde Dietramszell nimmt sich des Themas Hindenburg wieder an. Am Samstag, 30. November, von 14 bis 18 Uhr findet in der Gaststätte Peiß ein hochrangig besetztes Symposium statt. Der Titel lautet: „Dietramszell und Hindenburg im Wandel der Zeit.“

Unter den Teilnehmern ist Wolfram Pyta, dessen Biografie aus dem Jahr 2007 den Generalfeldmarschall des Ersten Weltkriegs und späteren Reichskanzler kritisch darstellte. In der Folge beschäftigen sich viele Städte und Gemeinden in Deutschland mit der Frage, ob Hindenburg Ehrenbürger und Straßen oder Plätze nach ihm benannt bleiben können. Diese Frage wurde auch in Dietramszell, wo Hindenburg viele Jahre seinen Urlaub verbrachte, leidenschaftlich debattiert.

Neben Pyta spricht auch Dr. Thomas Schlemmer, Historiker am Institut für Zeitgeschichte. Sein Thema lautet „Steine des Anstoßes. Zum Umgang mit Hinterlassenschaften aus der NS-Zeit am Beispiel des Oberland-Denkmals in Schliersee.“ Dort ist in der Ortsmitte an einer Kapelle eine Gedenktafel eingelassen, die an die vermeintlichen Heldentaten des Freikorps Oberland bei der Erstürmung von Anaberg 1921 erinnert.

Auch heimische Historiker kommen zu Wort. Michael E. Holzmann, der in der Dietramszeller Ortschronik die Jahre 1914 bis 1948 dargestellt hat, spricht über „Dietramszell und Hindenburg, ein vielschichtiges Verhältnis“. Susanne Meinl aus Ascholding, die die NS-Vergangenheit von Pullach und aktuell von Grünwald erforscht, referiert über die „Ausbreitung der NSDAP im Oberland, von München bis an den Tegernsee“. Moderiert wird das Symposium von Prof. Dr. Hermann Rumschöttl, bis 2008 Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayern.

Die Hindenburg-Debatte hat die Gemeinde Dietramszell im Jahr 2013 erschüttert. Mitte Dezember hatte der Gemeinderat den Beschluss gefasst, Paul von Hindenburg und Adolf Hitler die einst verliehene Ehrenbürgerwürde nicht abzuerkennen. Daraufhin wurde deutschlandweit massive Kritik laut. Tage später nahm der Gemeinderat diesen Beschluss einstimmig zurück. Stand heute ist Hindenburg kein Ehrenbürger mehr.  vu

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