Feuerzeug Symbolfoto
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Vergangenes Frühjahr hat ein Brandstifter innerhalb von 48 Stunden vier Mal Feuer gelegt. (Symbolfoto)

Landgericht

Nach mehreren Anschlägen im Landkreis: Brandstifter muss in die Psychiatrie

  • Volker Ufertinger
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Der KfZ-Mechaniker (48), der im vergangenen Frühjahr innerhalb von 48 Stunden vier Mal Feuer gelegt hat, muss in die Psychiatrie. Das hat das Landgericht München entschieden.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der KfZ-Mechaniker (48), der im vergangenen Frühjahr innerhalb von 48 Stunden vier Mal Feuer gelegt hat, muss in die Psychiatrie. Das hat das Landgericht München entschieden. Maßgeblich dafür, dass der Mann in eine Klinik eingewiesen wird, war die Einschätzung von Ärzten. Demnach leidet der Brandstifter an paranoider Schizophrenie und kann daher strafrechtlich nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Serie von Brandstiftungen, für die der Mann aus dem Landkreis München verantwortlich ist, hat Aufsehen erregt. Anfang Mai 2020 brannte es binnen weniger Stunden in den Landkreisen München und Bad Tölz-Wolfratshausen mehrfach lichterloh. Begonnen hatte die Serie am 4. Mai in Dietramszell, wo etliche Baumstämme auf dem Anwesen einer Hackschnitzelanlage aus zunächst unerfindlichen Gründen Feuer fingen. Am 6. Mai brannten plötzlich Mülltonnen an der Geltinger Straße in Wolfratshausen: Das Feuer griff auf das Wohnhaus über, nur mit viel Glück passierte kein größeres Unglück. Wenige Stunden später zündelte der Angeklagte auf einem Anwesen in Egling. Anschließend wurde eine Scheune in Oberbiberg zum Raub der Flammen. Dort griff das Feuer auf das angrenzende Vereinsheim der Burschen über. Dabei wurde der Täter dann gefasst.

Kaum zu glauben, dass bei all diesen Bränden kein Mensch zu Schaden kam. Der Sachschaden hingegen ist hoch, er beläuft sich auf über 200 000 Euro. Seine Opfer waren für den Täter keine Unbekannten. Einer war ein früherer Chef, die anderen sind Nachbarn und Bekannte. Aus Sicht des Angeklagten sollen sie ein „Mordkomplott“ gegen ihn geschmiedet haben. Seine Erklärungen vor Gericht waren extrem wirr. Demnach hatten ihm Münchner Rocker mit dem Tod gedroht. Außerdem will der Angeklagte mit dem Bundesnachrichtendienst (BND) in Kontakt gestanden haben.

Nach Überzeugung des Landgerichts lebte der Beschuldigte in einem „Wahngebäude“. Wie die Beweisaufnahme erbrachte, hat der Mann Ende 2019 damit begonnen, in seinem Haus Hieb- und Stichwaffen zu horten. Außerdem versuchte er, an Schusswaffen zu kommen, doch vergeblich. Bisher hat der Angeklagte es abgelehnt, sich behandeln zu lassen. Weil nach Ansicht eines Forensikers die Gefahr besteht, dass er ohne ärztliche Hilfe weiterhin schwere Straftaten verüben könnte, ordnete das Gericht die Unterbringung in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus an. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Anwalt meldete Zweifel an, ob die Indizien für eine Verurteilung seines Mandanten ausreichen.  vu

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