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Bayer mit Berliner Schnauze: Geschäftsmann Reiner Caspari (Wolfgang Moser) an der Rezeption mit Pensionswirtin Luise Lauscher (Martina Gams). 

Trachtenverein Dietramszell

Nur der Ara kennt den Mörder

Einen bayerischen Krimi hat die Theatergruppe des Trachtenvereins Dietramszell aufgeführt. In seinem Zentrum steht Papagei Dorle, der einen Mord beobachtet. Das Publikum amüsierte sich prächtig. 

Dietramszell Georg Disl ist ein Mann für alles: Ansager, Bühnenvorhang-Aufzieher, Kuhglockenläuter und vor allem Regisseur der Theatergruppe des Dietramszeller Trachtenvereins Edelweiß. „Uns g’freits, dass Ihr so zahlreich kema seids“, begrüßte der Theaterleiter die Gäste am Freitagabend im ausverkauften Saal des Gasthof Peiß in Dietramszell. Drei Mal ließ er die Kuhglocke läuten – und schon ging’s unvermittelt hinein ins bayerische Krimivergnügen „Der Papageien-Mord“, ein Dreiakter mit zwei Pausen von Regina Harlander.

Während alle noch genüsslich speisten, zog Disl den Bühnenvorhang auf, und die aufwändig gestaltete Kulisse einer Hotelrezeption erschien mit Wirtin Luise Lauscher (Martina Gams), die eine Papageien-Affinität pflegt. Dorle heißt ihr liebes Vieh, ein prachtvoller Ara, der als Stoffimitat auf einem Seil über den Tresen schaukelte, und später im Kriminalfall noch eine entscheidende Rolle spielen sollte.

Kurz zur Handlung: Die Aufregung in der Pension ist groß, denn es hat sich als Gast die berühmte Schauspielerin Pauline Leclerc (Katrin Schmid) nebst Personal angekündigt. Zimmermädchen Hannah (Theresa Hainz) zeigt wenig Begeisterung für die überkandidelte Künstlerin, wie auch alle anderen Gäste in der ausgebuchten Unterkunft. Denn es stellt sich nach und nach heraus, dass jeder mit Madame Leclerc Bekanntschaft gemacht hat. Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf, und plötzlich passiert ein Unglück. Ein markdurchdringender Schrei im Dunkeln. Die Schauspielerin liegt tot am Boden. Einziger Zeuge ist Dorle, der Papagei.

Die Berliner Schnauze löst große Heiterkeit aus

Seit Januar probt die Dietramszeller Theatergruppe zwei Mal pro Woche. Das Ergebnis: Die Handlung ist kurzweilig, spannend und humorvoll. Jeder in seiner Rolle spielt ein Unikat: Wolfgang Moser, als Dandy mit Hut und hellem Anzug bekleidet, mimte den Berliner Geschäftsmann Reiner Caspari. Ein Bayer mit echter Berliner Schnauze sozusagen. („Wat denn; Wer is det denn?“). Über den überraschenden Dialektwandel ihres ortsansässigen Nachbarn – in Dietramszell kennt man sich – amüsierte sich das einheimische Publikum köstlich. Dagegen hatte Marlies Fagner als Paulines Zofe Charlotte einen französischen Akzent in der Stimme und eine zierlich-spröde Art. Theresa Hainz als Zimmermädel Hannah nervte mit ihrem losen Mundwerk, und Katrin Schmid alias Madame Leclerc konnte mit ihrem affektierten Getue überzeugen.

Regisseur Disl darf stolz auf seine Truppe sein. Obwohl fünf der zehn Rollen von Bühnendebütanten besetzt waren, machten die Darsteller ein echtes Bühnenspektakel daraus, das es leider nur alle zwei Jahre zu sehen gibt. Die letzte Aufführung findet am Ostersonntag, 16. April, im Gasthof Peiß statt. Einlass ist um 18.30 Uhr, Beginn 20 Uhr. Karten gibt es an der Abendkasse oder unter www.trachtenverein-dietramszell.de. Andrea Weber

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