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Ein Besuch im preisgekrönten Wald: (v.li.) Josef Lindmeyr (Preisträger), Christian Webert (Bereichsleiter Forsten in Holzkirchen), Förster Peter Melf sowie Andreas Lindmeyr (Preisträger). 

Staatspreis für Familie Lindmeyr aus Steingau

Olympisches Gold in der Forstwirtschaft

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Besser, als die Familie Lindmeyr aus Steingau ihren Wald pflegt, kann man es nicht machen. Deshalb bekommen sie im November den Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung verliehen. Was sie alles richtig machen? Ein Ortstermin.

Dietramszell – Es war das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), das die Lindmeyrs für die hohe Auszeichnung vorgeschlagen hat – und das aus gutem Grund. „Sie zeigen schon seit vielen Jahrzehnten, was im Wald im positiven Sinne möglich ist“, so der Bereichsleiter Forsten im AELF, Christian Webert. Das sah auch die Jury im Ministerium so und erkannte der siebenköpfigen Familie den Preis zu. Damit ist sie einer von 14 Preisträgern in ganz Bayern.

Insbesondere ist es den Lindmeyrs gelungen, ihren 22 Hektar großen Wald auf den Klimawandel vorzubereiten. Das bedeutet in unseren Breiten: mehr Trockenheit, mehr Hitzewellen, mehr und stärkere Winde. Seit etwa zehn Jahren ist es unter Waldbesitzern bekannt, dass die hierzulande verbreitete Fichte dafür nicht ideal ist. Besser ist die Tanne, die viel tiefer wurzelt, also auch mehr Wasser ziehen kann und standfester ist. „Die Lindmeyrs sind wirklich Vorreiter“, so Webert. Josef Lindmeyr (57) sagt: „Ich schätze, wir haben im Laufe der Jahrzehnte etwa 5000 Tannen gepflanzt.“

Doch nicht nur die Tatsache, dass sie den Wald umgebaut haben – auch wie sie es angestellt haben, hat das Amt beeindruckt. Bei der Waldpflege folgten die Steingauer dem Motto: „Früh, mäßig, und oft.“ Das bedeutet: Die Familie hat sich der unangenehmen Arbeit unterzogen, junge Bäume im Notfall mit Hand- oder Kreissäge zu entnehmen, um anderen Raum zur Entfaltung zu schaffen. Dies taten sie mit Konsequenz über Jahrzehnte hinweg. Die Folge: ein mustergültig strukturiertes Waldbild mit kleinen, mittleren und großen Bäumen. Wenn jetzt ein großer Baum gefällt und das Holz verkauft wird, wächst der mittlere nach. „Bei der Tanne ist es wie in einer bäuerlichen Großfamilie“, erklärt Revierförster Peter Melf. „Wenn ein älteres Familienmitglied geht, kommt das nächste an die Reihe.“

Wichtig: Die Lindmeyrs betreiben ihre eigene Jagd

Ein weiterer wichtiger Faktor: Die Lindmeyrs betreiben ihre eigene Jagd. Das Problem beim Wechsel von Fichte auf Tanne: Rehe haben eine klare Vorliebe. „Fichte ist für sie trockenes Brot und die Tanne die Schokolade“, so Webert. Um Verbiss an den jungen Trieben zu verhindern, braucht es also eine waldnahe Jagd. „Auch in dieser Hinsicht waren sie bewundernswert konsequent.“

Der besondere Stolz von Josef Lindmeyr gilt seinem Stall. Ihn hat er 2014 für 50 Milchkühe plus Nachzucht errichtet. Das Bemerkenswerte daran: „Wir haben zu hundert Prozent eigenes Fichtenholz hergenommen“, erzählt er. Auf Leute, die ihm abrieten, hat er nicht gehört – und das ist gut so. Heute ist der Stall eine wahre Pracht. „Auch dieser Ansatz ist absolut preiswürdig“, erklärt Christian Webert. „Die kurzen Wege der Holzverarbeitung sind extrem klimaschonend.“

Und dann gibt es noch etwas, das dem Bereichsleiter imponiert hat: Als Josef Lindmeyr ihm den Stall zeigte, konnte er ihm genau sagen, welches Holz von welchem Baum stammte, so eng ist seine Beziehung zu den Bäumen. „Wenn der Großvater und der Vater schon im Wald gearbeitet haben, hat man dafür natürlich schon eine Wertschätzung“, so Lindmeyr.

Auch Hans Killer von der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen freut sich über die Auszeichnung, schließlich sind die Lindmeyrs Mitglied. „Das ist wie Olympisches Gold in der Forstwirtschaft“, sagt Killer. Und: „Dies zeigt das überdurchschnittlich hohe Niveau unserer Waldbewirtschaftung, die besondere Waldgesinnung und das hohe Verantwortungsgefühl unserer Waldbesitzer auch für die nächsten Generationen.“ Man könnte auch sagen: Nachhaltiger geht es nicht.

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