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Der ideale Spielort: Im ehemaligen Haus von Sigrid Heuck feierten (v. li.) „Bodo“ Kloiber, Georg Unterholzner und Martin Regnat mit ihrem „Grafical“ Premiere. 

über das Leben von Oskar Maria Graf

Premiere in der Grabenmühle: „Grafical“ findet viel Beifall

Er ist auch in der Fremde immer daheim geblieben: Das „Grafical“ zeichnet das Leben von Oskar Maria Graf nach. Bei der Premiere in der Grabenmühle gab es viel Beifall.

Dietramszell– Das hätte dem „Provinzschriftsteller“, wie sich Oskar Maria Graf selbst einmal nannte, sicher gefallen: die dramatische Lesung seiner Werke durch Georg Unterholzner, musikalisch begleitet von „Bodo“ Kloiber und Martin Regnat. Wobei Begleitung hier eine Untertreibung wäre, denn erst durch die Musik (Gitarre, Blockflöte und Diatonische sowie allerhand Schlagwerk) wurde das Ganze zum „Grafical“, das der Deininger Tierarzt und Autor Unterholzner unlängst in stillen Stunden im Kloster Bernried zusammengestellt hatte.

Am Samstagabend fand die viel beklatschte Premiere in der „Grabenmühle“ bei Einöd statt. Ein besserer Spielort als das Haus der verstorbenen Kinderbuchautorin Sigrid Heuck hätte sich kaum finden lassen. In den von Büchern, Bildern, Zeichnungen und allerlei persönlichen Gegenständen schier überquellenden Räumen drängten sich zahlreiche Interessierte und Vertreter der als Sponsor auftretenden Oskar-Maria-Graf-Gesellschaft. Da blieb den Akteuren nur eine kleine Ecke, in der sie ihre Instrumente platzieren konnten. Doch gerade dieser enge Kontakt zwischen Künstlern und Publikum machte den besonderen Reiz aus.

In Unterholzners „Grafical“ wird Oskar Maria Grafs bewegtes Leben (1894-1967) durch eine geschickte Auswahl seiner Texte nachgezeichnet: die Jugend als neuntes von elf Kindern, die Flucht nach München im Alter von 17 Jahren, das Leben in der Bohème, die verhasste Militärzeit, die ersten schriftstellerischen Erfolge und schließlich die Flucht vor den Nazis nach New York, wo sich der überzeugte Bayer nicht anpasste, Deutsch sprach und seine Lederhose trug.

Unterholzners dramatische Rezitation mit eigens für das Grafical komponierten Liedern kann als kongenial bezeichnet werden. Seine Stimme erinnerte nicht nur in der Episode vom Besuch eines Wiener Verlegers in Grafs Wohnung an den unvergessenen Helmut Qualtinger. Unterholzner fand stets den rechten Ton für die dramatischen und humorvollen Schilderungen, wobei deutlich wurde, dass sich Graf viel mehr als beispielsweise Ludwig Thoma mit dem Thema Gewalt beschäftigte. Dabei war er, wie er selbst sagte, „pathologisch ehrlich“, hatte es nicht nötig, im Rückblick irgendetwas in seinem Leben zu beschönigen. Deshalb konnte er auch sagen: „Ich bin draußen in der Emigration … immer daheim geblieben.“ Was dieses „Daheim“ sein kann, machten die beteiligten Künstler am Samstag deutlich. Karl Bock

Weitere Termine

21. März: Stadtbücherei Penzberg; 23. März: Gasthof Lacherdinger, Ascholding; 24. März: Kramerwirt in Arzbach; 13. April: Gasthof Fröhlich in Großweil; 14. April: Kulturbühne Hinterhalt in Gelting.

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