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Rede und Antwort stand in der Bürgerversammlung Vlasta Beck (li.) von der Maro-Genossenschaft. Die Mitarbeiterin des Bauträgers erläuterte den Dietramszellern, wie das Zusammenleben in der Pflege-WG funktionieren soll.  

Außerordentliche Bürgerversammlung

Schönheitskur für den Dietramszeller Ortskern

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Im Zuge der geplanten Straßensanierungen in Dietramszell will die Gemeinde auch den Ortskern verschönern. Viele Bürger sorgen sich allerdings wegen der hohen Kosten.

Dietramszell – Schön seien sie ja, die geplanten Maßnahmen zur Aufwertung des Dorfzentrums. Darüber waren sich die etwa 100 Besucher der außerordentlichen Bürgerversammlung am Dienstagabend im Gasthof Peiß weitgehend einig. Kritik hagelte es jedoch angesichts der damit verbundenen Kosten – unter anderem von FW-Politiker Josef Hauser: „Das ist nicht finanzierbar“, mahnte der Dritte Bürgermeister. Er warnte davor, dem Bürger wegen freiwilliger Projekte noch tiefer in die Tasche zu greifen.

„Zahlen müssen wir so oder so – ob mit Dorferneuerung oder ohne“, entgegnete Zweiter Bürgermeister Michael Häsch (CSU). Allein die straßenbegleitenden Maßnahmen, die in Folge der geplanten Sanierungsarbeiten des Straßenbauamts ohnehin auf die Gemeinde zukommen, belaufen sich seinen Rechnungen zufolge auf etwa 1,1 Millionen Euro. Der kommunale Eigenanteil am Gesamtpaket der staatlich geförderten Dorferneuerung sei dagegen sogar geringer: „Damit können wir fürs gleiche Geld mehr machen.“

Kirchenvorplatz, Parkplatzsituation und Schulwegsicherheit

Was konkret angedacht ist, erläuterte der Architekt und Stadtplaner Rainer Heinz. Nach der letzten Bürgerbeteiligung im April hatte er eine Entwurfsplanung ausgearbeitet, dessen Weiterentwicklung der Gemeinderat im August mehrheitlich befürwortete. Zentrale Punkte waren die Verschönerung des Kirchenvorplatzes, die Parkplatzsituation und die Schulwegsicherheit der Kinder. So soll im Bereich der Grund- und Mittelschule die Straße verlagert und ein durchgängiger Gehweg auf der Bachseite geschaffen werden. Auch der Fußgängerweg Richtung Schönegg gehöre im Zuge der Straßensanierung verbreitert, erklärte Heinz. Vor der Klosterkirche plant er eine optische Aufwertung durch einen hochwertigen Plattenbelag mit Stufen und Sitzbänken.

Öffentliche Toilette

Dem vielfach geäußerten Wunsch nach einer öffentlichen Toilette könne man eventuell nördlich davon im Bereich der Klostermauer nachkommen. Mehr Park- und kurzfristige Halteplätze für „Eltern-Taxis“ sollen unter anderem an der Schule und im Rathaushof entstehen. Außerdem will Heinz die Akzeptanz des Waldparkplatzes jenseits der Staatsstraße durch eine bessere Bodenbefestigung und Beleuchtung stärken. Auch ein öffentlicher Gehweg auf der Klosterseite der Mauer sei denkbar; Gespräche mit den Eigentümern laufen nach Angaben von Heinz bereits. Das verbotswidrige Parken am Richteranger soll dagegen durch eine Verschmälerung der Straße eingedämmt werden. Auf der Angerwiese regte Heinz einen zusätzlichen Weg für die Schulkinder „fernab vom Verkehr“ an. Der Fußweg nach Kreuzbichl mit seiner bis zu 30-prozentigen Steigung könne etwas entschärft werden, indem man im Mittelstück Serpentinen anlege. Einige Bürger bezweifelten, dass sich die Parkplatzsituation im Ortszentrum durch die vorgestellten Maßnahmen ausreichend verbessert.

Notparkplatz für Veranstaltungen

Der ehemalige Schulrektor Norbert Regul schlug vor, zusätzlich die Angerwiese mit Hilfe von Rasengittersteinen als Notparkplatz für Veranstaltungen nutzbar zu machen. Außerdem wünschte er sich einen zweiten Eingang für die Montessori-Schule in der Nähe des Waldparkplatzes. Dem dafür erforderlichen Mauerdurchbruch stehe aber vermutlich der Denkmalschutz entgegen, gab Peter Wallner zu bedenken.

Begonnen werden soll mit den dorfverschönernden Maßnahmen in Dietramszell bereits im Jahr 2018 – „wenn’s gut läuft“, so Heinz. Das Gesamtpaket sei auf drei Jahre ausgerichtet. Ist die Förderung durch das Amt für Ländliche Entwicklung erst einmal genehmigt, lasse sich die Summe nicht nachträglich erhöhen, betonte Bürgermeisterin Leni Gröbmaier. Wohl aber könne die Gemeinde Kürzungen vornehmen: „Wir werden nur so viel ausgeben, wie wir auch einnehmen.“

Pflege-WG: Probleme sollen einvernehmlich gelöst werden

„Keiner will das Projekt Pflege-WG verhindern“, betonte Bürgermeisterin Leni Gröbmaier in der außerordentlichen Bürgerversammlung. Dass es derzeit Schwierigkeiten gibt, bestritt sie nicht: Wie berichtet sorgen sich einige Anwohner um die ihrer Meinung nach ungeklärte Entwässerung im Umgriff des Grundstücks. Deshalb reichten sie Klage gegen die Baugenehmigung ein. „Wir werden diese Probleme einvernehmlich lösen“, versprach die Rathauschefin. Auch im Landratsamt ist man davon überzeugt, dass diese Form der ambulanten Pflegeeinrichtung im dörflichen Bereich funktioniert. „Wir freuen uns über das Projekt und hoffen, dass es Nachahmer findet“, erklärte Christiane Bäumler vom Sozialamt. 

Der Bedarf sei definitiv da: Rund 3200 Pflegebedürftige gibt es nach ihren Informationen derzeit im Landkreis, davon etwa 35 im Gemeindegebiet. Innerhalb der nächsten zehn Jahre werde die Zahl noch einmal um ein Drittel steigen. Ein eventuelles Aus des Projekts stand in der Bürgerversammlung deshalb nicht zur Debatte. Vielmehr erläuterte Vlasta Beck, Mitarbeiterin des Bauträgers Maro-Genossenschaft, die Organisation der ambulanten Pflegeeinrichtung: Jeweils neun Pflegebedürftige und Demenzkranke leben in einer Wohngemeinschaft zusammen, die durch ein Angehörigengremium verwaltet wird. Jeder Bewohner habe ein eigenes Zimmer mit Bad und könne sich so viel er wolle am Alltag beteiligen. Das Herz der WG sei die Wohnküche, in der „gelebt, gekocht, gestritten und gelacht“ werde. Anders als in einem Heim gibt es keinen Pflegedienstträger – vielmehr beauftragen die Angehörigen sämtliche Dienstleister. Im Obergeschoss entstehen außerdem acht von der Pflege-WG unabhängige barrierefreie Wohnungen. 

Die private Zuzahlung für einen WG-Platz beträgt nach Becks Aussage etwa 2500 Euro monatlich – unabhängig von der Pflegestufe. Dazu muss der Bewohner drei Genossenschaftsanteile zum Preis von insgesamt 1500 Euro erwerben. Bei der Auswahl der Bewerber komme vor allem das Kriterium der Regionalität zum Tragen: Dietramszeller sollen bevorzugt werden; nur bei Leerständen werde der Einzugsradius auf den Landkreis erweitert. Das Projekt ermögliche es damit, freute sich die Bürgermeisterin, dass Bürger „von der Wiege bis zur Bahre“ in ihrer Heimat bleiben können – und das „ohne finanzielle Belastung für die Gemeinde“.

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