Ansicht von Todtnauberg.
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Krisenfeste Freundschaft: Todtnauberg, ein Ortsteil der Stadt Todtnau, ist Partnergemeinde Münsings.

„Sehr viel strenger als bei uns"

Wie die Partnergemeinden von Dietramszell, Eurasburg und Münsing die Corona-Krise erleben

Gute Freundschaften überdauern Krisen – das beweisen die Gemeinden Dietramszell, Münsing und Eurasburg mit der Pflege ihrer Städtepartnerschaften

Bad Tölz-Wolfratshausen – Statt sich abzukapseln, suchten einige Dietramszeller den Kontakt zu ihren Freunden im französischen Baignes-Sainte-Radegonde. Münsings Bürgermeister Michael Grasl besuchte die Partnerstadt Todtnauberg im Schwarzwald. Und Moritz Sappl, Eurasburger Rathauschef, hält sich über die Lage in der polnischen Partnerstadt Rybnik auf dem Laufenden. Alle drei eint das Ziel, geplante Fahrten im nächsten Jahr nachzuholen.

Bis dahin haben alle drei Partnerstädte mit der Verarbeitung der Krise zu kämpfen. „In Rybnik gab es hohe Infektionszahlen in den Kohlezechen“, berichtet Sappl. Gesprächen mit seinen polnischen Amtskollegen zufolge wäre ein drohender Stopp der Kohleförderung fatal, denn „die Strom- und Wärmeversorgung der Großstadt war in Gefahr“. Glück hatten die Partner lediglich mit den Sommerferien: „Die Schüler haben seit Anfang Juli ohnehin frei“, erklärt Sappl. Insgesamt kam Polen bisher verhältnismäßig gut durch die Krise. Von den knapp 38 Millionen Einwohnern haben sich Wikipedia zufolge rund 48 000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. 1700 Menschen starben an den Folgen von Covid-19. Zum Vergleich die Zahlen für Deutschland: 83 Millionen Einwohner, 212 000 Infizierte, 9200 Todesfälle.

Sabine Palffy, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Dietramszell-Baignes-Sainte-Radegonde, erhielt über ihre französischen Freunde viele private Einblicke in das stärker gebeutelte Land. 192 000 der rund 67 Millionen Franzosen infizierten sich bisher mit dem Virus. 30 000 Menschen starben. Die Folge: „Bei unseren Partnern herrschte kurzzeitig Ausgangssperre“, erklärt die Dietramszellerin. Maximal 1000 Meter hätte man sich in Baignes-Sainte-Radegonde von seinem Haus entfernen dürfen. „Ausnahmegenehmigungen – beispielsweise für Hundebesitzer – mussten täglich neu bei der Polizei beantragt werden.“ Besonders tragisch: „Besuche im Altenheim waren verboten“, so Palffy. In der Folge hätten sich ähnliche Szenen wie in Deutschland abgespielt: Ältere Menschen starben während des Lockdowns – „oft ohne das Besuchsverbot überhaupt zu verstehen“.

Besuch einer Delegation aus dem Schwarzwald am Starnberger See.

Münsings Partnerstadt im Schwarzwald traf es vor allem wirtschaftlich. „Todtnauberg ist ein Wintersport- und Wanderparadies“, sagt Münsings Bürgermeister Michael Grasl auf Anfrage unserer Zeitung. Nach dem schneearmen vergangenen Winter seien die anschließend pandemiebedingten Auswirkungen im Tourismusbereich besonders einschneidend gewesen. „Sonst war alles sehr ähnlich wie in unserem Landkreis“, so Grasl. Das kulturelle Leben sei lahmgelegt worden.

„Offizielle Delegationen zwischen der Gemeinde Münsing und dem Stadtteil Todtnauberg gibt es dieses Jahr nicht“, bedauert der Bürgermeister. Im nächsten Jahr sei jedoch wieder ein Austausch der Musikkapellen geplant. Dazu ergänzt Grasl: „Seit Pfingsten gibt es wieder private gegenseitige Besuche.“ Er selbst habe Todtnauberg in den Pfingstferien besucht.

Sabine Palffy plant die nächste Reise nach Frankreich erst im Jahr 2021. „Heuer wollten wir einen kurzen Besuch mit zwei privaten Autos organisieren“, erklärt die Vorsitzende. Geplant war ein Workshop zur Brezen-Herstellung und Weißwurstessen, verbunden mit privaten Einkäufen. „Das ist jetzt alles ins neue Jahr verschoben“, sagt die Dietramszellerin hoffnungsvoll. Gute Freundschaften überdauern die Krise eben.

Jonas Napiletzki

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