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Blick vom Jasberg in Richtung Süden: Man sieht das kleine Örtchen Thalham, dahinter die Alpenkette mit dem Karwendel.

Baustelle mit Traumpanorama

Serie „Unsere Hausberge“: Das ist der Dietramszeller Jasberg

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Nicht nur im Südlandkreis stehen Berge. Auch der Norden hat ein paar, sagen wir, markante Hügel aufzuweisen. So klein sie auch sein mögen, so wichtig sind sie für ihre Städte und Gemeinden. Heute: der Jasberg nordöstlich von Dietramszell. Wir haben ihn mit Josef Eichner bestiegen.

Dietramszell – Schön ist er nicht, der Jasberg. An seinem etwa 750 Meter hohen „Gipfel“ reihen sich Bauzäune, Kieslaster warten darauf, entladen zu werden: Hier entsteht der neue Trinkwasser-Hochbehälter, der die Wasserversorgung des östlichen Gemeindebereichs sichern soll. Bergromantik sieht anders aus. Beeindruckend ist aber das Panorama, das Bauarbeiter wie Wanderer am Jasberg erwartet: von Ross- und Buchstein im Westen über das Karwendelgebirge bis zur Zugspitze. „Im Süden haben sie zwar die Berge, aber wir hier sehen viel mehr davon“, stellt Josef Eichner fest. Freilich bietet sich die Traumaussicht nicht jedem Besucher: Bei unserem Besuch hüllen sich die meisten Gipfel in Nebelschwaden. Aber Eichner weiß genau, hinter welcher Wolke sich welcher Berg versteckt: „Da hinten sieht man normalerweise die Benediktenwand.“

Am Jasberg daheim

Der Kreisrat der Bayernpartei ist am Jasberg zu Hause. Mit seinen acht Kindern lebt seine Familie schon in der fünften Generation hier. Sein Bauernhof liegt nur 200 Meter von der Aussichtskuppe des Moränenhügels entfernt. Auf den Wiesen ringsum grasen seine Kühe und Schweine.

Ein Wanderweg führt von Otterfing im Nachbarlandkreis Miesbach über Wettlkam und Erlach zum Jasberg hinauf. Die Internet-Community lobt ihn als „abwechslungsreiche Rundtour mit grandiosen Ausblicken“. Dreieinhalb Stunden dauert der gemütliche Spaziergang laut Beschreibung, überschaubare 103 Höhenmeter sind dabei zu überwinden. „Besonders viele Leute kommen aber nicht vorbei“, meint Eichner. Der 50-jährige Landwirt sieht nicht aus, als wäre er darüber traurig. Seine gescheckten Säue am Wegrand freuen sich dagegen über die Abwechslung: Neugierig traben sie zum Zaun, wenn der Besucher stehenbleibt. „Die sind eine richtige Touristenattraktion“, meint ihr Besitzer, ein bisschen stolz und ungläubig zugleich. Das malerische Landidyll ist offenbar ein ebenso beliebtes Fotomotiv wie die Aussicht vom Gipfel.

Am Jasberg stehen die Trinkwassertanks

Neben dem Schweinegehege: ein Stück verwilderte Natur, mit Maschendraht eingezäunt. „Da drunter liegt der alte Hochbehälter“, sagt Eichner. Wie alt genau der ist, weiß er auch nicht. „Der jetzige wurde 1905 gebaut. Davor war der alte in Betrieb.“ Früher, erzählt er, habe die Altgemeinde Baiernrain das Wasser aus Hartpenning (Landkreis Miesbach) bekommen. Von Hand sei die Leitung durch den Teufelsgraben hinauf gebuddelt worden.

Heute füllt der Baiernrainer Brunnen, etwa zwei Kilometer westlich vom Jasberg, den Hochbehälter. Bald stehen also vier Trinkwassertanks am Jasberg: zwei alte unter der Erde und zwei neue Edelstahlbehälter in einer Holzbauhalle direkt neben dem Gipfel. Der Neubau wie berichtet war notwendig, weil durch die maroden Wände des bisherigen Speichertanks immer wieder Keime ins Trinkwasser gelangt waren. Deshalb muss das Wasser im Versorgungsbereich Baiernrain seit Monaten gechlort werden – sehr zum Unmut der betroffenen Anwohner. Aber im Herbst soll Schluss damit sein, hat Bürgermeisterin Leni Gröbmaier versprochen. Wenn alles nach Plan läuft, können die neuen Behälter dann den Dienst übernehmen und der alte abgebaut werden. „Schaun mer mal“, meint Eichner zweifelnd.

Josef Eichners Familie ist seit Generationen am Jasberg daheim. Er ist nicht traurig, dass es im Nordlandkreis keine hohen Berge gibt: „Von hier aus sieht man sie viel besser.“ Bei schönem Wetter zumindest.

Von der Teerstraße, auf der der Wanderweg verläuft, zweigt ein Privatweg zum höchsten Punkt des Jasbergs ab. Wer sich an die Wegbeschreibung hält, kommt gar nicht am Aussichtspunkt vorbei. Das schöne Bergpanorama kann er unterwegs trotzdem immer wieder bewundern. Das Gebiet um den eigentlichen „Gipfel“ hat die Gemeinde Dietramszell für ihre Trinkwasserversorgung gepachtet. Trotz der Baustelle lässt sich der eine oder andere Spaziergänger aber nicht davon abhalten, die paar Meter weiterzugehen und zu schauen, ob das Panorama von oben noch schöner ist. Ist es: Nur ein paar einzelne Bäume unterbrechen hier die Rundumsicht auf die Alpenkette. Im Norden sieht man an klaren Tagen angeblich bis nach Freising und Ebersberg.

Etliche Gipfel und ein Kirchlein

Kann sich der Besucher von den zahlreichen Gipfeln losreißen und wendet sich wieder bergab Richtung Straße, so fällt sein Blick auf ein schmuck hergerichtetes, barock anmutendes Kirchlein. St. Quirin und St. Katharina heißt die Filialkirche, die gleich hinter der Abzweigung steht – zwischen dem Jasberggipfel und Eichners Hofstelle, inmitten von seinen Obstbäumen. 1546 wurde das Schmuckstück ursprünglich in spätgotischem Stil erbaut, 1668 barockisiert. Eine Inschrift am Altar erzählt von seiner engen Verbindung zum Kloster Tegernsee. Heute gehört es zum Pfarrverband Otterfing-Steingau-Baiernrain.

„Und da herunten“, sagt Eichner und weist Richtung Westen zum kleinen Ort Jasberg, „ist das Almfest.“ Eine weitere Attraktion, die über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt ist. Jedes Jahr feiert der Trachtenverein „D´Jasbergler Baiernrain“ hier Anfang Juli sein traditionelles Fest mit Bergmesse, Tanz und Blasmusik auf der Alm – in diesem Jahr schon zum 60. Mal. Zu diesem Anlass kommen sie immer zuhauf, die Gäste aus München und den umliegenden Dörfern. Und bewundern über ihrer Maß Bier die Aussicht, die auch von der Almwiese aus noch sehr schön ist. Vielleicht spaziert auch der eine oder andere die 50 Höhenmeter zum Jasberg hinauf – um festzustellen, dass der Gipfel selbst zwar nicht schön anzuschauen, das Panorama aber kaum zu toppen ist.

In der Serie „Unsere Hausberge“ hat uns bereits Dr. Edmund Stoiber erzählt, warum für ihn der Wolfratshauser Bergwald so besonders ist. 

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