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Das Schöffengericht verurteilte den 25-jährigen Dietramszeller wegen schweren sexuellen Missbrauchs.

25-Jähriger vor dem Schöffengericht

Sex-Prozess: Dietramszeller missbrauchte 12-Jährige

Dietramszell/Wolfratshausen – Er hatte mehrmals Sex mit einer Zwölfjährigen und besaß kinderpornografische Bilder: Deshalb musste sich ein Dietramszeller (25) vor Gericht verantworten.

Der Angeklagte war sichtlich bemüht, vor Gericht einen guten Eindruck zu hinterlassen. Im dunklen, etwas zu weiten Zweireiher nahm der Dietramszeller (25) neben seinem Verteidiger Platz. Dazu ein graues Hemd, goldbraune Krawatte und schwarze Sportschuhe. Die kurzen Haare ordentlich gekämmt. Ein Kripobeamter, der den Mann nach Bekanntwerden der Vorwürfe in der Wohnung seiner Mutter in Geretsried festgenommen hatte, erkannte den Angeklagten kaum wieder. „Heute gibt er den Business-Mann, damals war er als Gangster-Rapper unterwegs, mit Baseball-Cap und T-Shirt“, sagte er vor dem Schöffengericht in Wolfratshausen. „Mich hat’s amüsiert, aber er hat uns zu verstehen gegeben, dass er ein erfahrener Straftäter ist.“

Dietramszeller (25) und Geretsriederin (12) sollen sechs Mal Sex gehabt haben

Im September 2013 soll der Angeklagte insgesamt sechs Mal Geschlechtsverkehr mit einer damals Zwölfjährigen Geretsriederin gehabt haben. Das Mädchen kannte der Angeklagte, weil sein Bruder mit ihr befreundet war. Als diese Freundschaft in die Brüche ging, ließ sich das Mädchen von dem elf Jahre älteren Angeklagten trösten. Aus gemeinsamen Spaziergängen sei bald mehr geworden, schilderte das Mädchen verschämt in der Vernehmung, die per Video eingespielt wurde. An der Isar und in einem Wäldchen sei es zum ersten intimen Kontakt gekommen, später noch ein paar Mal einvernehmlich im Zimmer des Mannes. Der Angeklagte widersprach dieser Version. Man habe sich getroffen, umarmt und geküsst, aber keinen Geschlechtsverkehr gehabt. „Nur befummelt“, erklärte sein Verteidiger.

Neben dem schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes legte die Staatsanwaltschaft dem mehrfach vorbestraften Arbeitslosen einen weiteren sexuellen Missbrauch zur Last: Er soll, getarnt mit einem Mädchennamen, von einer Facebook-Bekanntschaft (12) Bikini-Fotos angefordert haben und ihr Bilder geschickt haben, die andere junge Mädchen in eindeutigen Posen zeigten. Außerdem wurde in seinen Sachen ein USB-Stick mit pornografischen Kinderbildern gefunden, während er in einem Berliner Gefängnis eine einjährige Haftstrafe absaß. Auch diese Vorwürfe stritt der Angeklagten ab.

Die Staatsanwältin sah die Schuld als erwiesen an

Staatsanwältin Constanze Schneider sah die Schuld aber als erwiesen an. Dass die Geschädigte erst zwölf und der Geschlechtsverkehr strafbar war, habe der Dietramszeller gewusst. Als Beweis dafür diene unter anderem das Protokoll eines Chats auf Facebook, in dem ein gewisser „Jackson“ das Mädchen mehrfach dazu bewegen wollte, die Anzeige gegen den Beschuldigten zurückzunehmen. Nach Auffassung der Staatsanwältin steckte der 25-Jährige hinter dem Pseudonym.

Verteidiger Stefan Krnjaic wies das zurück. Er sah seinen Mandanten – „ein sehr unreifer junger Mann, der in seiner Entwicklung weit hinter einem Erwachsenen zurück ist“ – nach schwerer Kindheit, zahlreichen Heimaufenthalten und krimineller Jugend auf dem Weg der Besserung. Er bat deswegen „um eine Chance und eine Strafe zur Bewährung“. Der Angeklagte blieb bei seiner Version des Unschuldigen. „Das, was dem Mädel passiert ist, tut mir leid“, sagte er. „Aber das mit dem Sex ist erstunken und erlogen.“

Jugendrichter Urs Wäckerlin fällte das Urteil

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Jugendrichter Urs Wäckerlin verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Außerdem ordnete das Gericht wegen Fluchtgefahr Untersuchungshaft an, sofern der Angeklagte bestimmte Auflagen nicht erfüllt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Rudi Stallein

Lesen Sie auch: Ein Asylbewerber aus Eritrea soll eine Ukrainerin in Wolfratshausen vergewaltigt haben. Das Landgericht München fällte ein Urteil.

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