1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen
  4. Dietramszell

„Etliche Indizien deuten darauf hin“: Historiker verrät neue Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte

Erstellt:

Von: Clara Wildenrath

Kommentare

Blick auf das Kloster: Die Gemeinde Dietramszell hat insgesamt 63 Ortsteile und knapp 6000 Einwohner.
Blick auf das Kloster: Die Gemeinde Dietramszell hat insgesamt 63 Ortsteile und knapp 6000 Einwohner. © Hans Lippert

Im Interview mit unserer Zeitung spricht Dr. Michael Holzmann über neue Erkenntnisse der Dietramszeller Siedlungsgeschichte.

Dietramszell – Dr. Michael Holzmann ist Historiker und Experte für Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts. Seine private Leidenschaft gilt aber seit über 30 Jahren der Geschichte seiner langjährigen Heimat Dietramszell von der Frühzeit bis heute. Er erstellte auch die Inhalte für den Geschichtspfad über die Angerwiese, der in diesem Jahr realisiert werden soll. Unsere Mitarbeiterin Clara Wildenrath sprach mit ihm über neue Erkenntnisse zu den Anfängen des Klosterdorfs.

Dietramszell: Schon in keltischer Zeit erste Siedlungen? „Etliche Indizien deuten darauf hin“

Herr Dr. Holzmann, vor 925 Jahren wurden das Kloster und der Ort Dietramszell gegründet. Haben davor schon Menschen in der Gegend gesiedelt?

Dr. Michael Holzmann Historiker
Dr. Michael Holzmann Historiker © privat

Dafür existieren bisher leider so gut wie keine schriftlichen oder archäologischen Quellen. Aber etliche Indizien deuten darauf hin. Der Name des Ortsteils Gastwies hinter dem Kloster legt nahe, dass es hier schon in keltischer Zeit Siedlungen gab: Die Endung „wies“ ist ostgotischen Ursprungs und kennzeichnet ein größeres Dorf mit bevorzugter Bedeutung. Nach dem Einmarsch der Römer 15 vor Christus haben diese es mutmaßlich zur landwirtschaftlichen Versorgung ihrer Truppen übernommen. Auch aus alten Flurkarten kann man schließen, dass die Raumordnung im Zeller Winkel schon vorhanden war, lange bevor jemand an ein Kloster gedacht hat. Diese Karten aus dem frühen 19. Jahrhundert geben die Hofstruktur seit dem Frühmittelalter wieder. Das erlaubt Aussagen über die frühe Verteilung der Felder.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.

Gibt es in anderen Ortsteilen Beweise für eine frühere Besiedlung?

In Bairawies hat man ein Relikt aus der frühen Römerzeit gefunden, aus dem man auf eine Villa Rustica, ein landwirtschaftliches Gut, schließen kann. Schon damals wurde in der Gegend kaum Getreide angebaut, sondern vor allem Viehwirtschaft betrieben. Es gibt Hinweise, dass von Bairawies aus über die Isar die Versorgung römischer Truppen mit Fleisch- und Milchprodukten bis nach Regensburg erfolgte. Auch in Ascholding gab es ähnliche Funde.

Siedlungsgeschichte von Dietramszell: „Zuwanderung kein Phänomen der heutigen Zeit“

Wie ging es nach den Römern weiter?

Im späten fünften Jahrhundert, als die römische Herrschaft zu Ende war, entstand ein Machtvakuum. Germanische Völker aus dem Norden, Osten und Südosten wanderten ein – insgesamt etwa 20 Ethnien, aus denen sich schließlich der neue Stamm der Bajuwaren entwickelte. Es ist wichtig, dass wir diesen Gesamtblick über den Tellerrand hinaus nicht aus den Augen verlieren: Zuwanderung ist kein ausschließliches Phänomen der heutigen Zeit. Genau das macht Geschichte in meinen Augen aber so komplex und spannend.

Info

Am Freitag, 27. Januar, um 19 Uhr hält Dr. Michael Holzmann im Pfarrheim Dietramszell einen Vortrag über den „Zeller Winkel in der Römerzeit und der agilolfingerischen Herrschaft bis 788“. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus der Region rund um Wolfratshausen finden Sie auf Merkur.de/Wolfratshausen.

Auch interessant

Kommentare