Theaterspiel auf dem SPD-Parteitag
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Großer Auftritt auf dem Bundesparteitag: Die Ickinger um Gerd Jakobi (2. v. li.) gewinnen zwar nicht den Wilhelm-Dröscher-Preis, bekommen aber ein respektables Echo auf ihr Theaterspiel.

INTERVIEW - 50 Jahre Ortsverein: Besonderheiten, Zusammenhalt und ein großer Wunsch

Ickings SPD-Urgestein Gerhard Jakobi: Ein Leben für die Genossen

  • Franziska Konrad
    vonFranziska Konrad
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50 Jahre alt wird die Ickinger SPD in diesem Jahr. Unsere Zeitung unterhielt sich mit Gründungsmitglied Gerhard Jakobi.

  • Ickings Genossen feiern heuer einen runden Geburtstag
  • Gerhard Jakobi war bei der Gründung dabei
  • Er erzählt von den Anfängen

Icking – Ein Leben für die SPD: Im Fall von Gerhard Jakobi trifft das voll und ganz zu. Seit 57 Jahren ist der Ickinger Mitglied bei den Sozialdemokraten und Gründungsmitglied des Ortsvereins. Zu dessen 50. Jubiläum verrät der 85-Jährige im Interview, warum sein Herz – gerade in schwierigen Zeiten – für die SPD schlägt.

Herr Jakobi, wie sind Sie zur SPD gekommen?

Diese Leidenschaft wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Ich komme aus einer waschechten Arbeiterfamilie im Ruhrpott. In meiner Familie gab es viele eingefleischte SPDler, etwa meinen Onkel. Er fragte mich 1963 beim obligatorischen SPD-Maitanz, ob ich Mitglied werden will. Noch am selben Abend habe ich unterschrieben.

Gerhard Jakobi ist Gründungsmitglied der Ickinger SPD.

Der Ruhrpott liegt nicht gerade um die Ecke. Was hat Sie nach Icking verschlagen?

Sechs Jahre nach dem Parteieintritt versetzte mich mein Arbeitgeber nach München, und ich zog nach Icking. Da es hier damals noch keinen SPD-Ortsverein gab, fand ich erst einmal bei den Genossen in Schäftlarn Anschluss.

…und der Ortsverein Icking?

Eines Tages im Jahr 1970 sagte Dr. Fritz Schoppe zu mir: „Lass uns in Icking einen eigenen Verein gründen.“ Gesagt, getan: Wir trafen uns mit Parteimitgliedern in der alten Post, dem heutigen Hotel Klostermaier. Völlig reibungslos verlief das Ganze allerdings nicht (lacht).

Warum?

Um einen Ortsverein zu gründen, brauchte es sieben Personen, wir waren aber nur zu sechst. Der Wirt rettete uns schließlich: Er trat spontan in die SPD ein.

Im Oktober feiert der Ortsverein 50-jähriges Jubiläum. Worauf sind Sie nach all der Zeit besonders stolz?

Wir sind die einzige Partei in der Gemeinde, die seit fast 40 Jahren eine eigene Zeitschrift herausbringt: den Ickinger Schaukasten. Hier informieren wir über das politische Geschehen vor Ort und versuchen uns in politischer Meinungsbildung. Ja, und dann haben wir seit vielen Jahren Ortsvereins-Partnerschaften mit Essener und Suhler Freunden. Wir haben viel voneinander gelernt. Außerdem kenne ich keinen Ortsverein außer uns, der mit Theater Wahlkampf führte.

Das müssen Sie uns genauer erklären.

Im Wahlkampf 1984 spielte der SPD-Ortsverein mit allen Kandidaten Theater. Im proppenvollen Saal der alten Post führten wir viermal das Stück „Die Lokalbahn“ auf. Mit Erfolg: Die Wahl brachte uns drei Gemeinderäte. Dieses Theater gibt es heute noch, als „Theater unter dem Zelt“ mit Dr. Stefan Mayer-Voigt als Regisseur.

Aktuell befinden sich die Sozialdemokraten im Sinkflug. Macht es da überhaupt Sinn, das Jubiläum zu feiern?

Aber wie. Jetzt erst recht. Wir feiern mit Selbstbewusstsein und großer Freude über unseren Zusammenhalt in der Gemeinschaft, die Bewältigung von Krisen und Freude darüber, dass es uns nach all den Jahren noch gibt.

Eine andere Partei hat Sie nie gereizt?

Nein. Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität – diese drei Werte, die mir persönlich sehr wichtig sind, finde ich bei der SPD am besten verwirklicht.

Gab es Momente, in denen Sie mit dem Gedanken spielten, Ihr Parteibuch abzugeben?

Solange ich lebe, werde ich der SPD treu bleiben

Gerhard Jakobi

Keine Sekunde. Solange ich lebe, werde ich der SPD treu bleiben. Mich trieb immer die Überzeugung an: Besonders wenn’s schwierig wird, kommt es auf jeden Einzelnen von uns an.

Gerade jetzt? Für die Ickinger SPD schaut es nach der Kommunalwahl nicht gerade rosig aus…

Ehrlich gesagt habe ich sehr, sehr lange gebraucht, um mit mir und diesem Wahlergebnis ins Reine zu kommen. (Bürgermeisterkandidatin Beatrice Wagner erhielt etwa 7 Prozent der Stimmen, einer von 16 Kandidaten schaffte es in den Gemeinderat, Anm. d. Red.) Vieles ist doch sehr unplausibel gelaufen. Aber was das Ergebnis angeht, muss ich klar sagen: Das ist nun einmal der Wille der Wähler. Damit müssen wir leben.

Eine der reichsten Gemeinden Deutschlands bietet wenig Raum für Sozialdemokratie

Wie erklären Sie sich dieses Scheitern?

Meine ernüchternde Feststellung lautet: Wir sind eine der reichsten Gemeinden Deutschlands. Da ist zweifellos wenig Pflaster für Sozialdemokratie. Dazu kommt: Wir haben oft mit dem Finger auf die sozialen Bedürfnisse der Gemeinde gezeigt, speziell den Wohnungsbau. Damit machen wir uns nicht unbedingt Freunde. Und diejenigen, die wir in Icking dringend im Dienstleistungsbereich brauchen, etwa in den Schulen, Kitas, der Altenbetreuung und Verwaltung, finden hier keine bezahlbare Wohnung. Für die setzen wir uns ein, aber da sie hier nicht leben, können sie uns auch nicht wählen. Das ist alles eine schwierige Geschichte.

Theater im Wahlkampf: (v. li.) Dr. Pitt Baumüller, Alfred von Hofacker, Gerd Jakobi und Konrad Sedlmeier stehen für „Die Lokalbahn“ auf der Bühne.

Geben sich die Ickinger Genossen deshalb jetzt geschlagen?

Nein. Wir geben nicht auf – jetzt erst recht nicht. Wenn man sechs Jahre lang geackert und gepflügt hat und dann am Ende die Ernte so schlapp ausfällt, beziehungsweise von anderen eingefahren wird, klammert man sich an andere kleine Erfolge. Ein Beispiel: In nur 8 der 18 dörflichen Gemeinden im Landkreis kam überhaupt noch eine SPD-Liste zusammen. Von diesen haben wir das zweitbeste Ergebnis eingefahren. Aus solchen Kleinigkeiten schöpfen wir Mut. Und so müssen wir auch weitermachen, ehe es uns gar nicht mehr gibt.

Angenommen Sie hätten einen Wunsch frei: Was würden Sie der SPD wünschen?

Ganz banal betrachtet: Dass die Leute unsere Arbeit – die sich überwiegend um die lokale Sozial-Ökologie, die Gerechtigkeit und das Zusammenleben innerhalb der Gemeinde dreht – wieder mehr anerkennen. Übergeordnet würde ich mir wünschen, dass in Icking mehr Ausgeglichenheit in der Gesellschaft herrscht und wir uns nicht zu einem „Reichenghetto“ entwickeln. Denn wenn ein Ort identitätsstiftend sein soll, braucht es eine Durchmischung der Gesellschaftsschichten. Und ich hoffe doch, dass es uns Sozialdemokraten gelingt, den Ickingern genau das zu vermitteln.

kof

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