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Aus der Vogelperspektive: Der Jetzt-Zustand von Bairawies war auf dem Bildschirm zu sehen, den Lorenz Meier vom Landratsamt mitgebracht hatte. Wie sich das Dorf entwickeln soll – darum ging es am Donnerstag.

Turbulente Aussprache

Streit um Bairawieser Gasthaus: Schlichtung scheitert

Dietramszell – Um das leerstehende Bairawieser Gasthaus hat sich ein Streit entzündet. Bürgermeisterin Leni Gröbmaier unternahm im Gasthaus Einöd einen Versuch der Schlichtung. Doch der misslang.

Seinen Anfang hatte der Zwist in einer Bürgerversammlung vor einigen Wochen genommen. Damals informierte Gröbmaier darüber, dass das seit etwa 30 Jahren leerstehende Gasthaus in der Bairawieser Dorfmitte abgerissen werden soll. Die Eigentümerfamilie Scherz wolle das Areal aufwerten, indem 16 Wohnungen entstehen sollen. „Ausgerechnet da, wo jetzt so schöne Bäume stehen, sollen Duplexgaragen hin“, fasste Jasmin Seitner die Stimmung unter den Gästen im Gasthaus Einöd zusammen.

Viele Bairawieser sind nicht einverstanden

Viele Bairawieser waren mit dem Vorhaben nicht einverstanden. Beham und sein Sohn Sebastian, Inhaber eines Planungsbüros, gründeten eine Bürgerinitiative. Dies nahm Gröbmaier nun als Anlass, den Bairawiesern vorzuschlagen, am Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teilzunehmen, der noch bis zum Jahr 2019 andauert. So hätten die Dorfbewohner die Chance in Eigeninitiative, ihren Lebensraum zu gestalten.

Lorenz Meier, im Landratsamt für die Förderung von Gartenkultur und Landespflege zuständig, gab sein Bestes, um den 30 Gästen dieses Angebot schmackhaft zu machen. Doch gleich danach ergriff Sebastian Beham das Wort. Er nahm den Gröbmaier’schen Kompromissvorschlag nicht ernst. „Das geht völlig am Problem vorbei“, sagte er. Stattdessen attackierte er den Gemeinderat und die Bürgermeisterin. Er sagte: „54 Prozent der Leute hier sind gegen das, was die Gemeinde entschieden hat.“

Gröbmaier entgegnete: „Wir haben uns dafür eingesetzt, dass der Gasthof zwar abgerissen wird, aber genau so wieder aufgebaut wird, denn ohne den Gasthof sieht das Dorf aus wie eine Siedlung.“ Der Bauherr habe sich sogar bereit erklärt, das Risiko des Scheiterns auf sich zu nehmen und unten einen kleinen Laden oder ein Café einzurichten, um dem Wunsch der Bairawieser nach einem Dorftreffpunkt entgegenzukommen.

Nicht jeden überzeugt der Schlichtungsversuch

Nicht jeden überzeugte das. Heike Rieger gab zu bedenken, dass schon jetzt an der Bushaltestelle enorm viel los sei, wenn die Kinder zur Schule fahren. „Wenn jedoch 16 neue Familien und Flüchtlinge hinzukommen – und dementsprechend auch mehr Autos, dann wird es für unsere Kinder lebensgefährlich.“

Um die aufgebrachte Stimmung zu beruhigen, schaltete sich Dritter Bürgermeister Josef Hauser ein: „Ein Kampf zwischen Gemeinde und Dorfbewohnern macht keinen Sinn.“ Er verwies darauf, dass die Familie Scherz das Recht dazu habe, ihr Eigentum aufzuwerten. Außerdem meinte er, dass an dem Beschluss des Landratsamts nicht mehr viel zu ändern sei. Vielmehr müsse man jetzt gemeinsam miteinander reden, wie man unveränderliche Tatsachen zum Wohle aller gestalten kann.

Die Stimmung wird immer aufgeheizter

Doch schon bald war die Stimmung wieder aufgeheizt. Meier musste auf Nachfrage Robert Behams zugeben, dass der Wettbewerb gar nichts zur Lösung des eigentlichen Problems beitrage, geschweige denn ein Konzept zur Verbesserung der Verkehrslage biete. Daraufhin ergriff Zweiter Bürgermeister Michael Häsch das Wort. Er äußerte die Überzeugung, dass das ganze Grundstück einfach zugepflastert wird, wenn ein Bauträger es bekommen sollte. Zur Untermauerung führte er ein ehemaliges Projekt der Behams an.

Dies brachte wiederum Robert Beham in Rage, weil Häsch den Sachverhalt aus seiner Sicht völlig falsch darstellte. Häsch beharrte auf seinem Standpunkt und versicherte, dass man nur für Dorfränder Bebauungspläne verhängen kann. Das wiederum regte Beham jun. auf: „Wir sind doch vom Fach, wieso wollt Ihr uns denn nicht glauben?“, sagte er und verließ danach wutentbrannt den Raum.

Jasmin Seitner vermutete, dass sich ein Café nicht halten könne, wenn man den schönen Garten mit Duplexgaragen verunstalte. Gröbmaier erklärte daraufhin, dass sich die Familie Scherz bisher sehr konstruktiv gezeigt habe und dass man mit ihr über alles reden könne. Nach diesem turbulenten Abend bildeten sich auf Vorschlag der Bürgermeisterin zwei Arbeitskreise, die sich gleich anschließend zusammensetzten, um ihre Wünsche und Anregungen für die Zukunft des Dorfes aufzuschreiben.

von Jessica Höck

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