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Husch, husch ins Körbchen: In diesen Gitterboxen – mit Holzboden und einem Überzug aus Frotteetüchern – bringen die Isarwinkler Tierfreunde Streunerkatzen zur Kastration durch Tierärztin Dr. Tina Hölscher.

Das müssen Katzenbesitzer jetzt wissen

Streunende Katzen werden kastriert – auch Hauskatzen?

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    Andreas Steppan
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Bad Tölz-Wolfratshausen –150 Streunerkatzen sollen diesen Herbst und Winter kastriert werden. Der Verein Isarwinkler Tierfreunde fängt die Katzen ein und will damit ihre Vermehrung bremsen. 

Walter Karlhuber (69) liegt auf der Lauer. Der Vorsitzende der Isarwinkler Tierfreunde, der in Thanning und Reichersbeuern lebt, ist hinter 20 streunenden Katzen in Dietramszell her. Seine Helfer und er möchten die Tiere in den kommenden Monaten einfangen und zu einer Tierärztin nach München zur Kastration bringen. Damit soll die unkontrollierte Vermehrung der Katzen eingedämmt werden.

Bei der Aktion, die jetzt startete und bis März dauern soll, setzen die Tierfreunde auf die Hilfe der Bevölkerung. Meist gebe es Bauern oder andere Anwohner, die den Katzen ab und zu Futter hinstellen oder ihnen Unterschlupf gewähren. Diese Personen werden nun gebeten, mit dem Tierschutzverein Kontakt aufzunehmen. „Sie wissen, wann und wo die Katzen aufkreuzen“, sagt Karlhuber. Der Verein stellt selbstkonstruierte Lebendfallen zur Verfügung. Tritt die Katze auf ein Brett, fällt ein Tor herunter. Aus der Falle werden die Katzen dann zum Transport in Gitterkörbe mit Holzboden gesetzt. Tierärztin Dr. Tina Hölscher in München kastriert die Katzen laut Karlhuber nicht nur, „sondern sie schaut auch, ob sie Verletzungen oder einen Schnupfen haben. Alle bekommen ein Medikament gegen Würmer, und bei älteren Tieren wird der Zahnstein entfernt.“ Es ist also eine medizinische Rundum-Grundversorgung. Außerdem werden sie fotografiert, tätowiert und gechipt.

Die Behandlung bezahlt das bundesweite Tierschutzprojekt „Kitty“ des Berliner Vereins „Aktion Tier“. Je nach Katze würden die Kosten sonst zwischen 80 und 120 Euro liegen. Karlhuber und seine Mitstreiter arbeiten ehrenamtlich, lediglich die Fahrtkosten bekommen sie je nach Einsatz von den Landkreisgemeinden erstattet, sagt er. Entsprechende Bereitschaft hätten die Bürgermeister bei ihrer Besprechung im Juni signalisiert, bei der das Projekt vorgestellt wurde. Im Einzelfall werde er vorab jeweils mit den Bürgermeistern Rücksprache halten.

In NRW gibt’s eine Verordnung zum Schutz von Katzen

Neben Dietramszell ist Karlhuber in weiteren Gemeinden aktiv. Für je fünf Tiere in Gelting und Wackersberg hat er bereits Termine vereinbart, ebenso für neun Katzen aus Oberfischbach. Insgesamt möchte er in dieser Saison – also in der Zeit, in der die Katzen in aller Regel keine Jungen zu versorgen haben – „mindestens dreimal so viele“ Tiere versorgen wie vergangenes Jahr. Damals hatte er eine Vereinbarung mit der Gemeinde Wackersberg getroffen und 20 Katzen eingefangen. Das war sozusagen die Pilotphase.

In Nordrhein-Westfalen ist man schon ein Stück weiter: Der Ennepe-Ruhr-Kreis beschloss eine Katzenschutzverordnung, derzufolge die Kastration und Kennzeichnung freilaufender Katzen verpflichtend ist. Die Kosten dafür übernimmt der Kreis und entlastet damit das dortige Kitty-Projekt. Auf den Landkreis lässt sich das wohl nicht übertragen, sagt Karlhuber. „Es geht nicht um die Finanzierung. Es geht darum, dass es jemand macht.“ Bislang seien nur ein paar wenige engagiert. In weiten Teilen der Bevölkerung herrsche Gleichgültigkeit, was streunende Katzen angeht. „Streunerkatzen können auf dem Land unter Umständen zwar auch ein ganz schönes Leben haben“, sagt er. „Aber sie werden nie ärztlich versorgt.“ Dementsprechend würden sie Krankheiten übertragen – auch an Hauskatzen. Nicht wenigen würden auch erschlagen werden. Die Lebenserwartung einer Streunerkatze liegt laut den Tierschützern bei etwa sieben Jahren – im Gegensatz zu den 18 bis 20 Jahren, die eine Hauskatze erreichen kann.

Kontakt

Walter Karlhuber von den Isarwinkler Tierfreunden nimmt Hinweise zu Streunern unter Ruf 0 80 41/ 79 98 57 oder 0172/ 8 50 52 44 und per E-Mail an wk@isarwinkler-tierfreunde.de entgegen.

Das müssen Katzenbesitzer wissen

Katzenhalter sind besorgt, dass die Tierschützer beim Einfangen Streunerkatzen von Hauskatzen nicht unterscheiden können. „Optisch lässt sich kaum ein Unterschied feststellen“, räumt Walter Karlhuber von den Isarwinkler Tierfreunden ein. Er organisiert das Einfangen und die Kastration von Streunern im Landkreis, um die Vermehrung einzudämmen. Mittels Lesegerät versuche man, sofort festzustellen, ob eine eingefangene Katze gechippt sei, sagt Karlhuber. „Dann lasse ich sie natürlich sofort frei.“ Ob ein Tier kastriert sei, das könne die Tierärztin vor Ort am betäubten Vierbeiner feststellen. Vergangenes Jahr sei eine von rund 50 eingefangen Tieren eine Hauskatze gewesen, die am Ende aber gesund und wohlbehalten wieder nach Hause gekommen sei.

dor/ast

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