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Im Dietramszeller Rathaus können Bürger frisches, ungechlortes Trinkwasser holen. Davon aber rät das Gesundheitsamt ab. 

Ungewöhnliche Maßnahme 

Im Rathaus gibt es Trinkwasser

Dietramszell - In Teilen von Dietramszell muss das Trinkwasser noch immer gechlort werden. Damit die Bürger nicht auf teures Mineralwasser umsteigen müssen, gibt es im Rathaus Trinkwasser. Keine schlechte Sache, sollte man meinen. Doch die Maßnahme steht auf der Kippe.

Chaos, ein Albtraum: Das sind die Begriffe, die Bürger in Baiernrain, Linden, Lochen, Steingau und anderswo benutzen, wenn es um die Trinkwassersituation geht. Sie alle hängen am Hochbehälter Jasberg, der dringend saniert werden muss. Doch die Sache zieht sich in die Länge. Und bis dahin muss das Trinkwasser weiter gechlort werden.

Zur Vorgeschichte: Im Frühjahr 2014 wurden im Hochbehälter auf dem Jasberg erstmals gesundheitsgefährdende Keime gefunden. Daraufhin ordnete das Gesundheitsamt die Chlorung an. Der störende Geruch breitete sich aus, sobald der Wasserhahn geöffnet wurde. Dieses Problem hat die Gemeinde in den Griff bekommen. Es wird zwar noch gechlort – aber geruchsneutral.

Trotzdem: Die Bürger haben Bedenken und greifen lieber zum Mineralwasser. Das aber ist teuer, es hagelte Beschwerden aus der Bevölkerung. Auf Anregung von Gemeinderat Stephan Ailler (CSU) bot die Gemeinde die Möglichkeit, im Rathaus kostenlos Trinkwasser zu holen. Vize-Bürgermeister Michael Häsch (CSU) unterstützte die Initiative und veranlasste einen entsprechenden Hinweis im aktuellen Gemeindeblatt. Allerdings müsse jeder eigene Behältnisse wie Kanister oder Flaschen mitbringen.

Das Gesundheitsamt hat erhebliche Bedenken gegen die Trinkwasserabgabe

Diese Maßnahme steht aber auf der Kippe. „Das Gesundheitsamt hat erhebliche Bedenken und empfiehlt, diese Abgabe einzustellen“, sagte Bürgermeisterin Leni Gröbmaier. Es sei nicht sicher zu stellen, dass die Behältnisse keimfrei seien. Außerdem wisse niemand, wie lange das ausgegebene Wasser in den Kanistern oder Flaschen bleibe. Gerade bei diesen sommerlichen Temperaturen sei das gefährlich. „Dann ist die Gemeinde in der Haftung“, so Gröbmaier. Sie empfahl das Angebot von kostenlosem Trinkwasser zurückzunehmen.

Und noch ein Argument brachte Gröbmaier vor, die Wasserabgabe im Rathaus einzustellen: „So entsteht der Verdacht, dass unser Trinkwasser nicht als solches verwendet werden darf.“ Das stimme aber nicht. Es sei weiterhin von höchster Qualität und dank der Chlorung unbedenklich. Das Abkochen stelle nur eine Empfehlung des Gesundheitsamts dar und sei nicht zwingend notwendig. „Nur für kleine Kinder oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sollte abgekochtes Trinkwasser verwendet werden“, so Gröbmaier.

Ailler und Häsch wollen aber weiterhin bei dem Angebot bleiben. „Der Hintergrund ist doch, dass die Bürger kein teures Mineralwasser kaufen müssen. Durch einen Hinweiszettel könnte auf die Gefahr durch unsachgemäße oder lange Lagerung hingewiesen werden“, so Häsch. Damit sei die Gemeinde dann nicht mehr haftbar. Ein Beschluss wurde bei diesem Punkt nicht gefasst.

Der neue Hochbehälter Jasberg wird erst 2017 kommen - frühestens

Darüber hinaus wollten die Gemeinderäte von Bürgermeisterin Leni Gröbmaier wissen, wann endlich wieder einwandfreies Trinkwasser zur Verfügung stehe. Auf einen Termin wollte sich die Rathauschefin nicht festlegen. „Der notwendige Bauantrag liegt noch nicht vor. Ich warte noch darauf“, sagte die Rathauschefin. „Sobald er da ist, bringe ich ihn persönlich ins Landratsamt.“ Es sei nicht zu erwarten, dass es Einwände oder Verzögerungen bei der Bearbeitung gibt. Die Ausschreibung für die Maßnahme läuft parallel“, so die Rathauschefin. Zumindest abgeschlossen sind die Verhandlungen für das benötigte Grundstück. Hier gab es Verzögerungen und Schwierigkeiten. Diese seien aber ausgeräumt.

Eine pragmatische Lösungen brachte ein Bürger am Rande der Sitzung ins Spiel. Die Verhältnisse seien ähnlich wie in Afrika, wo es auch keine ordentliche Trinkwasserversorgung gebe. Da komme ein Tankwagen in die Orte. So könne man das ja auch im Bereich zwischen Steingau, Baiernrain, Lochen, Linden bis Reuth handhaben, bis der Hochbehälter 2017 kommt. Siggi Niedergesäss

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