Euro-Geldscheine liegen auf einem Haufen
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Statt der bisher veranschlagten 90 000 Euro soll der Bau die Kommune nun insgesamt fast 300 000 Euro kosten. (Symbolfoto)

Trotz Kostenexplosion

„Osterwunder von Dietramszell“: Schützenheim in Linden wird gebaut

  • Clara Wildenrath
    vonClara Wildenrath
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Trotz Kostenexplosion soll das neue Schützenheim in Linden gebaut werden. Das beschloss der Gemeinderat in einer Sondersitzung am Dienstagabend ohne Gegenstimme.

Dietramszell – Der Neubau des Schützenheims in Linden ist seit Jahren beschlossene Sache. Eigentlich sollte schon 2020 der erste Spatenstich erfolgen, dann verschob sich der Baubeginn auf 2021. Doch kurz vor der Verabschiedung des aktuellen Haushaltsplans am 6. April erreichte den Gemeinderat eine Hiobsbotschaft: Statt der bisher veranschlagten 90 000 Euro soll der Bau die Kommune nun insgesamt fast 300 000 Euro kosten. Der Grund: Weil das Gebäude auch von anderen Vereinen mitgenutzt wird, fällt die geplante Förderung durch den Sportschützenverband weg, erklärte Zweiter Bürgermeister Anton Huber. Ob das Schützenhaus trotzdem gebaut werden soll, darüber berieten die Gemeinderäte in einer Sondersitzung am Dienstagabend.

Bauingenieur Robert Illner stellte dem Gremium den neuen Kostenplan im Detail vor. Im Vorfeld hatte die örtliche Aktionsgruppe des europäischen Leader-Förderprogramms bereits signalisiert, dass ein Antrag auf Zuschüsse aus dem EU-Topf gute Erfolgsaussichten habe. Voraussetzung sei jedoch, dass der Bau „solide durchfinanziert und von der Gemeinde auch wirklich gewollt“ sei, betonte der online zugeschaltete Dr. Andreas Wüstefeld von der Aktionsgruppe.

In seiner nach den Leader-Vorgaben „auf Positionsebene berechneten“ Kostendarstellung kam Illner auf einen Gesamtpreis von knapp 637 000 Euro netto. 129 000 Euro, also etwa 20 Prozent der Nettosumme, könnte der Schützenverein als Eigenleistung beitragen. Nach Abzug der Förderung durch das Leader-Programm verblieben für die Gemeinde 245 000 Euro brutto, rechnete Illner vor. Im Gespräch mit den Leader-Beauftragten wurde allerdings deutlich, dass er bei der Förderung der Eigenleistungen von falschen Voraussetzungen ausgegangen war. Die tatsächlichen Kosten steigen dadurch noch einmal um möglicherweise mehrere 10 000 Euro.

„Wir bekommen ein hochwertiges Haus, das auch schon fertig möbliert ist“, argumentierte Vize-Bürgermeister Huber, der selbst aus der Altgemeinde Linden stammt und in Abwesenheit von Bürgermeister Josef Hauser die Sitzung leitete. Er verwies darauf, dass die Räume von zahlreichen weiteren Vereinen genutzt werden sollen: unter anderem von der Freiwilligen Feuerwehr, dem Gartenbauverein, dem Veteranenverein und der Kinderspielgruppe „D´Zeller Zwergerl“. Möglich macht das ein großer Multifunktionsraum im Kellergeschoss, der aufgrund der Hanglage auch von außen zugänglich ist. Im Erdgeschoss ist laut Illner ein Aufenthaltsraum mit einer kleinen Küche geplant, außerdem eine Toilettenanlage mit Damen-, Herren- und Behinderten-WC.

Das einstöckige Gemeinschaftshaus soll im Eigentum der Gemeinde bleiben und durch einen unkündbaren Pachtvertrag auf 50 Jahre dem Schützenverein überlassen werden. Der Neubau ist Teil eines Gesamtkonzepts zur Energieversorgung mehrerer gemeindlicher Gebäude mit Fernwärme aus einer Biomasse-Heizanlage. Wie Huber betonte, funktioniert das nur, wenn das benachbarte alte Schulhaus in Wohnräume umgewandelt werden kann. Das wiederum sei erst möglich, wenn der bisher dort beheimatete Schützenverein auszieht. Auch der neue Kindergartenanbau soll dann an das Fernwärmenetz angeschlossen werden.

An sich insgesamt eine tolle Sache – darin waren sich die Gemeinderäte einig. Die unerwartet hohen Kosten riefen jedoch vor allem in der CSU-Fraktion Unmut hervor. Angesichts der von Hauser seit Jahresbeginn immer wieder betonten klammen Haushaltslage der Gemeinde sprach Michael Häsch gar vom „Osterwunder von Dietramszell“: „Monatelang haben wir alles gestrichen, was keine Pflichtaufgabe ist. Und auf einmal ist das Geld da.“ Eine neue Kreditaufnahme sei für das Schützenhaus aber nicht notwendig, erklärte Huber. Da die Gemeinde ohnehin geplant hatte, den Bau vorzufinanzieren, sind im Haushaltsplan 2021 bereits 240 000 Euro dafür eingestellt. Der Fehlbetrag für 2022 könne aus den Rücklagen entnommen werden.

Letztendlich stimmten auch die CSU-Mitglieder dem Beschlussvorschlag zu, den Bau des Gemeinschaftshauses nach der Zusage der Förderung umzusetzen. Um bei nicht absehbaren Preissteigerungen vor weiteren Überraschungen gefeit zu sein, einigten sich die Räte auf eine Deckelung des Gemeindeanteils auf 300 000 Euro. Schon am kommenden Montag soll der Lenkungsausschuss des Leader-Programms über den Antrag entscheiden.

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