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Eine verwunschene Kapelle: Spuken auf diesem Berg Pferde, Drachen und eine Hexe?

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Von: Dominik Stallein

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Die Schimmelkapelle bei Vollmond
Ein schaurig-schöner Ort: Auf dem Georgibichl in Ascholding steht die kleine Kapelle St. Georg. Um sie herum soll es jahrhundertelang gespukt haben. (Fotomontage) © Sabine Hermsdorf-Hiss

Um dem Birn-Hügel ranken sich verschiedene Legenden: Weil ein Schimmel dort elendig starb, soll er noch heute dort spuken. So wie andere Schreckensgestalten.

Ascholding – Zum Georgibichl, dem Hügel vor Ascholding, sagt jeder „Birn“. Und die St. Georgs-Kirche ist für alle nur die „Schimmelkapelle“. Beide Namen gehen auf uralte und äußerst unschöne Sagen und ihre Hauptfiguren zurück. Um sie zu verstehen, muss man ein wenig ausholen: Der Legende nach war die Spitze des Birn einst eine heidnische Kultstätte, in der makabre Rituale gefeiert wurden: Dem germanischen Gott Wotan (auch Odin genannt) sollen die Germanen hier Pferde geopfert haben. Viele Jahrhunderte später – wohl im Mittelalter – wurde auf der Birn die Kapelle St. Georg gebaut. In ihren Mauern ist ein alter, heidnischer Opferstein eingebaut.

Verwunschene Kapelle: Spuken auf diesem Hügel in Bayern Pferde, Drachen und eine Hexe? 

Man erzählt sich bis heute, dass ein weißes Pferd, ein Schimmel also, auf dem Areal um die Kirche frei herumlief. Die einen behaupten, der Schimmel sei quasi als Entschuldigung an die Heiligen für die tierischen Opfergaben der vorherigen Generationen dort angesiedelt worden. Andere meinen zu wissen, dass es sinnbildlich für den christlichen Märtyrer Georg dort platziert wurde. Wie dem auch sei: Der Schimmel ist Namensgeber der Kapelle.

Birn in Ascholding: Ein Pferd steht im Zentrum der Sage - Schimmelkapelle nach ihm benannt

Eines Abends, wohl bei einem fürchterlichen Gewitter, flüchtete das Tier in die kleine Kapelle, um sich vor Blitz und Donner in Sicherheit zu bringen. Der Sturm ließ aber hinter dem Pferd die Türe ins Schloss fallen – das Pferd war gefangen. Es gibt zwei Versionen, wie diese Geschichte ausging. Die weniger schöne: Das Tier verhungerte in der Kapelle, und irgendwann fanden Menschen das Pferdeskelett vor dem Altar. Die zweite Variante der Geschichte hat ein Happy End: Mit letzter Kraft, kurz vor dem Hungertod, zog das Pferd mit seinem Maul am Glockenseil, die Ascholdinger hörten das, stürmten zur Kirche und retteten den Schimmel aus seiner misslichen Lage.

Drachen, Hexen, ein Geisterhund: Viele Legenden ranken sich um St. Georg-Kapelle

Seither soll der unruhige Geist des Vierbeiners regelmäßig über die Wiesen und durch den Wald des Birn jagen. Das Pferd ist dabei – zumindest der Legende nach – in guter Gesellschaft: Flößer erzählten sich einst von einem feuerspeienden Drachen, der auf dem Hügel sein Unwesen treibt. Auch ein riesiger Geisterhund mit glühend roten Augen und schaurigem Geheul soll dort oben gesichtet worden sein. Auch eine Hexe, die „Büan“, erschreckte auf dem Georgibichl Menschen. Irgendwann wurde die Schreckensgestalt, die wie ein uraltes Weib ausgesehen haben soll, wohl „Birn“ genannt – so wie heute ihr Hügel.

Sagen der Heimat in Serie

In unserer Serie „Sagenhafte Heimat“ stellen wir in loser Reihenfolge Sagen und Legenden aus der Region vor. Zum Beispiel über einen Pilger, der einem hinterhältigen Mordkomplott zum Opfer fiel. Oder über einen magischen Bach in Wolfratshausen, der - so besagt eine Legende - Liebeskummer und Schmerzen geheilt haben soll. Wer Infos beisteuern kann, meldet sich per E-Mail an redaktion@isar-loisachbote.de.

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