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Störung, Störung, Störung: Diese Nachricht bekamen viele Ascholdinger auf ihr Handy. 

Mehr als 1000 Bürger betroffen

Warum Ascholding seit Tagen offline ist - und noch einige Zeit bleiben wird

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Seit vergangenen Donnerstag funktioniert in Ascholding kein Telefon und kein Internet mehr. Schuld ist eine vom Hochwasser beschädigte Leitung unter der Isar. Die Reparatur kann lange dauern. 

Update vom 10. Juni: Ascholding ist inzwischen wieder online. 

Dietramszell – Es war Donnerstag, 16.43 Uhr, als im Betrieb von Josef Köglsperger im Ascholdinger Gewerbegebiet plötzlich nichts mehr ging. Der gelernte Elektrotechnikmeister dachte zunächst, dass die Telekom die Störung bald wieder in den Griff bekommen würde. Das war ein Irrtum. Am Dienstag, also geschlagene fünf Tage später, erklärt er: „Inzwischen habe ich einen brutalen Puls.“

Josef Köglsperger von EATK Bautrocknung

+++ Lesen Sie hier die Fortsetzung: Telekom überfordert: So geht es mit dem Ausnahmezustand in Ascholding weiter +++

Die Tage offline haben ihm wieder vor Augen geführt, wie sehr man inzwischen vom Internet abhängig ist. Der Büroalltag ist komplett über den Haufen geworfen. Telefonate? Nur vom Handy aus. E-Mails? Geht keine rein und keine raus. Überweisungen? Nur noch, wenn man wie in alten Zeiten händisch einen Überweisungsträger ausfüllt und zur Bank trägt. Auch geschäftliche Einbußen drohen, weil Köglsperger bei zwei Bauvorhaben den direkten Kontakt zum Kunden verloren hat. „Der Vertrauensverlust wiegt am schwersten“, sagt er. Kann nämlich sein, dass nicht jeder die Wahrheit glaubt und die Sache mit der Telekom für eine Ausrede hält. „Inzwischen habe ich einen Anwalt eingeschaltet“, sagt er.

So wie Köglsperger geht es allen zehn Unternehmern im Gewerbegebiet. Niemand erfährt von der Telekom irgendetwas Konkretes, und alle sind zum Improvisieren gezwungen. Christian Fuchs, dessen Firma Maschinen für den Textildruck herstellt, sagt: „Wir können keine Rechnungen mehr schreiben und keine Lieferscheine mehr ausfüllen.“ In seinem Vertrag mit der Telekom heißt es zwar, dass sich im Fall einer Störung innerhalb von 12 Stunden ein Techniker meldet. „Aber bei mir hat sich niemand gemeldet.“ Florian Loher, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen, die ihr Büro im Gewerbegebiet hat, findet es vor allem schlimm, dass er für seine Mitglieder nicht erreichbar ist. „Die denken wahrscheinlich, wir sind beim Baden am Starnberger See.“ Barabara Seidl, Chefin von Josef Seidl Bauunternehmen, erklärt: „Langsam weiß ich nicht mehr, was ich machen soll.“ Ihr sei ein Hotspot angeboten worden, was allerdings überhaupt nicht funktioniert hat. „Wenn ich das Geld in die Isar geworfen hätte, hätte ich es wenigstens noch davonschwimmen sehen“, sagt sie sarkastisch.

Beim Holzwirt kann man derzeit nur bar bezahlen. Das Kartenlesegerät funktioniert ohne Internet nicht. 

Auch in der Gastronomie herrscht Ausnahmezustand. Beim Holzwirt waren am vergangenen sonnigen Wochenende etwa 1000 Besucher zu Gast. Weil das Kartenlesegerät auf Internet angewiesen ist, mussten die Gäste bar bezahlen, mancher trat den Weg zur nächstgen Raiffeisenbank an, um Geld abzuheben. „Gott sei Dank hatten die Gäste Verständnis“, sagt Wirt Sepp Lautenbacher.

Den Ascholdinger Musiker und Kabarettist Michael Well bestätigt der Vorfall in seiner Ansicht, dass die Dörfer immer mehr ausbluten. „Unglaublich, dass so etwas in unserem hochtechnologisierten Land möglich ist“, sagt er. Well kriegt jeden Tag an die 50 E-Mails, darunter viele, die an Gerhart Polt gerichtet sind und die er beantwortet. „Irgendwann, wenn das Internet wieder geht, muss dann alles abgearbeitet werden.“

Ursache allen Übels: Eine Druckleitung zur Unterquerung der Isar ist vom Hochwasser beschädigt worden. Daher geht in Ascholding weder Internet noch Telefon.

Doch wann wird es so weit sein? Auf Anfrage unserer Zeitung nennt die Telekom den Grund des Totalausfalls: „Durch das Isarhochwasser wurde die Düker, eine Druckleitung zur Unterquerung des Flusses, beschädigt und dann auch die Glasfaserleitung unterbrochen“, erklärt Sprecherin Lena Raschke. Derzeit werde geprüft, ob sich ein Provisorium einrichten lässt. Da die Isar immer noch Hochwasser führt, sei eine normale Entstörung nicht sofort möglich. Hinzu komme, dass es sich teilweise um Naturschutzgebiet handelt. Es seien Absprachen mit der Gemeinde nötig. „Wir werden unser Bestes geben, die Störung so schnell wie möglich zu beheben.“

Josef Köglsperger ist auf der einen Seite froh, jetzt wenigstens Gewissheit zu haben. Auf der anderen Seite fürchtet er, dass sich die Reparaturen Wochen hinziehen. „Das wird für uns alle noch ein brutaler Kraftakt werden“, fürchtet er.

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