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In unserer Reihe „Gott und die Welt“ beschäftigt sich Thomas Neuberger, Pfarrer in Dietramszell, mit dem Thema Verantwortung. 

Gott und die Welt

Wenn alle zusammenhelfen, kann Großes entstehen

Gelingen kann etwas nur, wenn jeder seine Verantwortung übernimmt. Das gilt für die Gesellschaft ebenso wie für die Kirche, findet Pfarrer Thomas Neuberger. 

In der Reinigung erzählte mir der junge Mitarbeiter, er wäre kürzlich in der Kirche gewesen. Relativ viele Leute waren da – aber weniger als früher, es lasse einfach nach. Danach war ich bei einer Verbandsversammlung im Pfarrheim. Der Vorstand erzählte von der kürzlichen Wahlversammlung – und den wenigen Teilnehmern. Er meinte ebenfalls, es lasse einfach nach. Eine realistische Beobachtung für viele in der Kirche, in vielen Vereinen, Gruppierungen, Beiräten, Vorstandschaften, Helferkreisen etcetera. Wir sind alle noch da – aber irgendwie nicht verfügbar.

Thomas Neuberger, Katholischer Dekan im Pfarrverband Dietramszell

Die katholische Kirche feierte am vergangenen Wochenende Kirchweih. Man denkt dabei an den Tag, an dem die eigene Kirche geweiht und somit zum Haus Gottes wurde. Bei vielen modernen Kirchen weiß man den eigentlichen Weihetag und feiert diesen auch. Bei vielen alten Kirchen ist der konkrete Weihetag oft in Vergessenheit geraten. Hier greift dann der Kirchweihsonntag.

In einer Lesung dieses Festes wird die Kirche als ein Bau aus lebendigen Steinen beschrieben. Wir Menschen sind selbst diese lebendigen Steine, die helfen, die Kirche aufzubauen. Ein schönes Bild, denn es macht die Wichtigkeit eines jeden deutlich. Wo die „Bausteine“ nachlassen, entstehen Lücken, die weitere Lücken, Risse und Spannungen hervorrufen. Am Ende bleibt dann nur noch ein kleines Häufchen tragfähiger Steine, die den ganzen Bau stützen müssen. Das sind dann oft die ganz treuen Mitglieder oder die Frauen und Männer in den Vorstandschaften, die mit viel Kraft und Elan die Arbeit vieler tun.

Wenn wir das Bild vom Haus aus lebendigen Steinen ernst nehmen, dann ist diese Vorgehensweise eigentlich wenig hilfreich. Es geht ja nicht darum, dass wenige Vieles stemmen. Es geht nicht darum, dass einige stellvertretend für viele wirken. Gehören wir nicht alle zu dieser Gesellschaft, sind nicht viele von uns Mitglied einer Kirche, eines Vereins oder einer Gruppierung? Und sind wir dann nicht auch ein Baustein davon?

In alten Kirchen findet man oft kleine Namensschilder in den Bänken. Sie stammen noch aus Zeiten, zu denen jeder wusste, dass er in dieser Kirche seinen festen Platz hat. Man ging hin und nahm seinen Platz in der Gemeinschaft der Kirche vor Ort ein. Im Gegenzug blieb der Platz leer, wenn man einmal nicht kam. Dann wird sichtbar und spürbar: Ich gehöre dazu. Ich werde nicht ersetzt. Niemand nimmt meinen Platz ein. Auf mich ganz konkret kommt es an.

Lesen Sie auch: Das gemeinsame Fundament von katholischer und evangelischer Kirche

Die Kirche – und auch unsere Gesellschaft – sind ein Bau aus lebendigen Steinen. Es geht um unsere kleine persönliche Teilverantwortung für das große Ganze. Am Beispiel des Gesprächs in der Reinigung und bei der Verbandsversammlung könnte das heißen, dass einmal im Monat in den Gottesdienst gehen schon ein guter Anfang wäre. Wenn alle Pfarreimitglieder das täten, käme sogar richtig Schwung in das Pfarreileben.

Ein Bau aus lebendigen Steinen: Es geht nicht darum, dass wenige alles leisten. Wenn jeder seine kleine Verantwortung für die Gemeinschaft wahrnimmt, wird aus vielen kleinen und einzelnen Arbeiten und Beiträgen auch etwas Großes.

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