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Der Nachweis, dass der Wolf im Landkreis angekommen ist, verunsichert viele Landwirte, vor allem Almbauern.

Rolf Oehler im Interview

Wolf bedroht Existenz der Almbauern

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Dass der Wolf im Landkreis aufgetaucht ist, ist für die Almbauern alles andere als erfreulich. Der neue Chef des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Rolf Oehler, warnt im Interview vor dem Wolf und den Folgen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen hat einen neuen Leiter: Rolf Oehler (61) ist vor wenigen Tag in sein Amt eingeführt worden. Speziell als Bereichsleiter Landwirtschaft hat er es mit einem brisanten Thema zu tun: dem Wolf, der im Frühjahr nachweislich im Landkreis Schafe gerissen hat.

Herr Oehler, wie war Ihre spontane Reaktion, als Sie von dem positiven Wolfsnachweis in St. Heinrich gehört haben?

Rolf Oehler: Überrascht war ich nicht. Dass der Wolf durch Südbayern streift, ist mehr oder weniger ein offenes Geheimnis. Ich war im Rahmen der Meisterprüfung auch im Landkreis Miesbach tätig. Dort hatten wir vor einigen Jahren schon mal einen Wolf. In Bayrischzell war das.

Wie schätzen Sie die Situation ein?

Rolf Oehler: Es ist ganz problematisch, wenn sich der Wolf etabliert. Er ist vor allem eine Gefahr für unsere Almwirtschaft. Gerade vorhin war ein Almbauer aus der Jachenau da, der mir gesagt hat, dass er heuer nicht mehr auftreiben wird. Unsere Bauern haben eine starke emotionale Beziehung zu ihren Tieren, sie kennen jedes beim Namen. Da sagt keiner: Mei, wenn der Wolf eins reißt, dann bekomm’ ich halt eine Ausgleichszahlung. Nein, die Almbauern hängen an ihren Tieren und wollen sie dieser Gefahr einfach nicht aussetzen. Ich war bis vor Kurzem in Traunstein tätig, da ist vor einigen Jahren ein gutes Dutzend Ochsen abgestürzt, man weiß nicht genau, ob wegen eines Spaziergängers oder eines aufziehenden Gewitters oder wegen eines Wolfs. Das war dramatisch. Wichtig ist eine Versachlichung und eine schnelle Unterstützung der betroffenen Bauern.

Sie stehen also auf der Seite der Almbauern?

Rolf Oehler: Absolut. Sollte der Wolf hier heimisch werden, ist das existenzbedrohend für unsere Almbauern und unsere Almwirtschaft. Man muss sich hüten, ein Wildtier durch die rosarote Brille zu sehen, wie das bei Städtern, die hier unsere Natur genießen wollen, mitunter der Fall ist. Im Ausland hat man ja schon Erfahrungen mit dem Thema gemacht. Davon können wir lernen. In Amerika sind im Yosemite Nationalpark einige Wölfe ausgesetzt worden. Später hat man angefangen, die Wölfe abzuschießen, weil sie das Gefüge in der Natur durcheinandergebracht haben. Und das in einem Nationalpark. Da reden wir noch gar nicht von dem dicht besiedelten Gebiet, das wir hier haben.

Die Almbauern fordern eine wolfsfreie Zone. Wie soll das bewerkstelligt werden?

Rolf Oehler: Natürlich ist das schwierig. Ob Zäune das richtige Mittel sind, wage ich zu bezweifeln. In der Schweiz sind kürzlich mehrere Schafe gerissen worden, obwohl sie von einem 1,50 Meter hohen Zaun geschützt worden sind. 1,50 Meter! Das ist schon relativ hoch. Auch Hütehunde haben ihre Nachteile, sie gelten als ziemlich aggressiv. Und was machen wir mit denen im Winter, wenn sie im Tal kläffen und bellen? Konflikte mit der Bevölkerung sind vorgezeichnet. Da muss man dann im Einzelfall sehr genau prüfen.

Also den Wolf abschießen?

Rolf Oehler: Das verbietet das Gesetz, der Wolf ist geschützt. Aber die Entnahme des Wolfs als letzte Möglichkeit halte ich für sinnvoll.

Jäger im Landkreis behaupten, dass es schon zur Rudelbildung gekommen ist.

Rolf Oehler: Darüber haben wir noch keine Erkenntnisse.

Sind Sie auch der Ansicht, dass das Gesetz geändert werden sollte?

Rolf Oehler: Man kann jedenfalls feststellen, dass das möglich ist. Der Biber war ja auch geschützt, und als er sich zur Plage ausgewachsen hat, musste der Gesetzgeber reagieren. Jetzt kann er im Einzelfall entnommen werden.

Die Forderung der Naturschützer und der Almbauern liegen extrem weit auseinander. Ist ein Kompromiss denkbar?

Rolf Oehler: Wir müssen miteinander reden, es gibt keine Alternative dazu.

Also ist der Runde Tisch, den das Landratsamt eingerichtet hat und der aus Naturschützern, Jägern, Landwirten und Behördenvertretern besteht, sinnvoll?

Rolf Oehler: Unbedingt. Wir Landwirte müssen uns daran gewöhnen, dass wir argumentieren und wieder argumentieren. Das gilt nicht nur beim Wolf, sondern auch bei anderen sensiblen Themen wie Gülle, Anbindehaltung und anderen. Wir müssen alles tun, damit Landwirte bei unseren Mitbürgern Verständnis finden. 

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