Vor dem Amtsgericht musste sich ein 57 Jahre alter Dietramszeller verantworten. Der Vorwurf: Besitz kinderpornografischer Bilder.
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Vor dem Amtsgericht musste sich ein 57 Jahre alter Dietramszeller verantworten. Der Vorwurf: Besitz kinderpornografischer Bilder.

Amtsgericht

Inhalte, die man nicht sehen will: Waren die kinderpornografischen Bilder nur eine Zugabe ?

  • vonRudi Stallein
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Ein 57-Jähriger aus Dietramszell wurde zu sechs Monaten auf Bewährung und 2500 Euro Geldstrafe verurteilt. Der Vorwurf: Besitz kinderpornografischer Bilder.

Dietramszell/Wolfratshausen – Der Mann auf der Anklagebank kniff die Augen zu, als die Staatsanwältin beim Verlesen der Anklageschrift zu den Details kam. Details, die man nicht hören will. Zu Bildern, die man sich nicht ansehen will. Es sind Bilder von sehr jungen Mädchen – das jüngste ein bis zwei Jahre alt, die älteren sechs bis acht Jahre – an denen Männer, aber auch Frauen, sexuelle Handlungen vornehmen.

Es sind nur sechs, sieben Fotos, die die Staatsanwältin inhaltlich kurz und knapp beschreibt. Sie stehen beispielhaft für insgesamt 2127 kinderpornografische Bilder sowie 705 „Posing“-Aufnahmen (seit 2015 ebenfalls strafbar), die auf einem Tablet und anderen Speichermedien des Beschuldigten gefunden worden waren. „Alle Bilder haben einen ähnlichen Inhalt“, schloss die Staatsanwältin. Wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften wurde der aus der Gemeinde Dietramszell stammende Angeklagte (57) zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten sowie zur Zahlung von 2500 Euro an den Deutschen Kinderschutzbund verurteilt.

„Objektiv ist es unumstößliche Wahrheit, dass die Bilder auf seiner Hardware gefunden wurden“, erklärte Verteidiger Marco Noli und ließ für einen Moment ein unausgesprochenes „Aber“ durch den Gerichtssaal schweben, ehe er die Sache relativierte. Denn zur Wahr-heit gehöre auch, dass sich zahlreiche „Fundorte“ im „Cache“ befunden hätten. Der Angeklagte habe zahlreiche Dateien und Festplatten gelöscht – auch das sei Teil „der Wahrheit“. Dem vorausgegangen war, so der Anwalt, ein Gespräch mit seiner damaligen Freundin, die 2018 einige Bilder auf dem Rechner gefunden hatte. Sie beendete danach die Beziehung und zeigte den Mann an. „Und viertens“, brachte der Rechtsanwalt eine weitere Wahrheit ans Licht: „Er ist Nutzer von Pornografie. Er guckt sich das an. Aber er hat keine pädophile Neigung.“

Die sich daraus ergebende „Gesamtgemengelage“ erör-terten die Verfahrensbeteiligten anschließend auf Anregung des Verteidigers in einem Rechtsgespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Ergebnis: Der Angeklagte durfte davon ausgehen, bei einem Geständnis das Gericht mit einer Bewährungsstrafe zu verlassen.

Als die Verhandlung fortgesetzt wurde, gab die ermittelnde Kripobeamtin ihre Eindrücke von der Wohnungsdurchsuchung beim Angeklagten am 26. Februar 2019 wieder. Der Mann habe bei der anschließenden Vernehmung eingeräumt, dass ihm „der Porno-Mainstream mit der Zeit zu langweilig geworden“ sei, berichtete die Beamtin. Deshalb habe er im Austausch mit anderen „Pa-kete“ heruntergeladen. Er wisse aber bei der Bestellung nicht, was dann ankomme, habe das Kinderporno-Material unbeabsichtigt erhalten. Ähnlich äußerte sich der Beschuldigte, der strafrechtlich bisher nicht in Erscheinung getreten ist, auch vor Gericht. Es seien keine Hinweise darauf gefunden worden, dass der Mann kinderpornografisches Material selbst verbreitete habe, sagte die Polizistin. Deshalb war er nur wegen Besitz angeklagt worden.

Neben dem Geständnis seines Mandanten legte der Verteidiger, der eine erhöhte Geldstrafe im Bereich von 270 Tagessätzen für angemessen hielt, weitere Punkte zugunsten seines Mandanten in die Waagschale. Viele Bilder seien Vorschaubilder gewesen. Als seien Misshandlungen strafrechtlich weniger wert, wenn sie im Miniformat dargestellt werden. Außerdem habe der Mann keine Videos besessen, sondern „nur Bilder“, noch dazu Po-sing-Bilder – „nicht die harten Bilder“.

Als Richter Helmut Berger sein Urteil verkündete, schloss der Angeklagte die Augen. Sechs Monate Gefängnis, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Als Auflage 2500 Euro für den Kinderschutzbund, zahlbar in Raten. „Das ist eine Strafe im untersten Bereich“, so der Richter, der das milde Urteil auch damit begründete, „dass sich das Verfahren so lange hingezogen hat“.

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