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Unfallschwerpunkt: An der St 2072 hat es zuletzt mehrere schwere Unfälle gegeben. Vor vier Wochen starb ein Dietramszeller (17) zwischen Tattenkofen und Ascholding. Ein Kreuz, Blumen und Kerzen erinnern an ihn. Vor dem Amtsgericht ist nun ein anderer Unfall verhandelt worden, der zum Glück besser ausging.

Den Tod vor Augen

Zusammenstoß auf St 2072: Verursacher und Opfer weinen vor Gericht

Dietramszell - Der Unfall hätte noch viel schlimmer ausgehen können. Nach einem Zusammenstoß auf der St 2072 musste sich ein Taufkirchner vor Gericht verantworten. Der Unfall belastet eine Königsdorferin (51) schwer.

Der Schock steht der Frau noch heute ins Gesicht geschrieben. Am 20. Mai, einem sonnigen Freitagnachmittag, ist die 51-jährige Königsdorferin gegen 15 Uhr mit ihrem BMW 5er auf dem Heimweg von Grünwald. Auf der Staatsstraße 2072 zwischen Ascholding und Tattenkofen steuert plötzlich ein Audi A6 frontal auf sie zu. Die Frau versucht, nach rechts von der Fahrbahn zu fahren, kann den Zusammenstoß aber nicht verhindern. Doch sie hat Glück im Unglück: Sie erleidet nur ein Schleudertrauma. Es hätte deutlich schlimmer ausgehen können. Nun musste sich der Unfallverursacher, ein 48-jähriger Mann aus Taufkirchen, wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht in Wolfratshausen verantworten.

"Ich kann mir nicht erklären, wie ich sie übersehen konnte"

„Ich kenne die Strecke gut, es war gutes Wetter, die Straße war gut zu überblicken“, schilderte der Angeklagte den Unfallhergang. Sein Verschulden räumte er ohne Umschweife ein. Weil die Strecke frei gewesen sei, habe er sich entschlossen, einen mit rund 85 Stundenkilometer vor ihm fahrenden Wagen zu überholen. „Ich kann mir bis heute nicht erklären, wie ich sie übersehen konnte“, rätselte der 48-Jährige, der an jenem Nachmittag von einem Besuch bei seinen pflegebedürftigen Eltern in Geretsried auf dem Weg nach Hause war. Noch am Unfallort hatte er sich bei der Geschädigten entschuldigt.

Der Königsdorferin fiel ihre Zeugenaussage schwer. Die Erinnerung an den Zusammenstoß machte ihr sichtlich zu schaffen. „Er scherte plötzlich aus und kam direkt auf mich zu. Der muss mich doch gesehen haben“, sagte sie und schüttelte ungläubig den Kopf. „Ich bin froh, dass ich noch rausgekommen bin. Das hat mich schwer mitgenommen.“ Zwei Wochen lang sei sie zu nichts fähig gewesen. „Ich war am Ende“, sagte sie. Erst als ein Arzt ihr Krankengymnastik verschrieben habe, habe sich ihr körperlicher Zustand gebessert, seien der Schwindel und die Kopfschmerzen zurückgegangen. „Seelisch geht’s mir noch nicht so gut“, schilderte die Frau.

Auf der Strecke starb erst im Oktober ein 17-Jähriger bei einem Unfall

Ans Steuer gesetzt habe sie sich seither noch nicht wieder. Was auch damit zusammenhing, dass am BMW, der ihrem verstorbenen Vater gehört hatte, ein Schaden in Höhe von 15 000 Euro entstanden sei, den sie nur zu einem Teil ersetzt bekommen habe.

„Es ist Gott sei Dank glimpflich abgegangen. Hier haben alle Glück gehabt“, stellte Richter Helmut Berger fest. Er wies auf die zwei tödlichen Verkehrsunfälle hin, die sich diesen Sommer an gleicher Stelle ereignet haben. Erst vor vier Wochen starb ein junger Dietramszeller (wir berichteten). Der 17-Jährige kollidierte auf seinem Leichtkraftrad mit einem entgegenkommenden Porsche. Er starb an der Unfallstelle. Die Behörden denken jetzt darüber nach, auf der Strecke bauliche Maßnahmen zu ergreifen, um die Gefahrenstelle zu entschärfen. Die Anwohner fordern drei Sofort-Maßnahmen.

„Es ist eine gefährliche Strecke, weil sie unterschätzt wird – oder fahrerisches Können überschätzt“, sagte Richter Berger. Er verurteilte den Angeklagten, der bisher verkehrsrechtlich nie aufgefallen war, zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 80 Euro. Das ergibt 4800 Euro. Die Strafe fiel deutlich höher aus als von der Staatsanwaltschaft beantragt (2250 Euro). Dafür sah Berger von einem Fahrverbot ab, wie es die Anklagevertreterin gefordert hatte. Als sich der Taufkirchner nach der Verhandlung nochmal persönlich bei der Königsdorferin entschuldigte, kamen beiden die Tränen.

von Rudi Stallein

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