Der eine misst, der andere erfasst: Chang (li.) und Piotr beim Einsatz im Badehaus. Foto: sh

Das digitale Badehaus

Waldram - Solange keine verlässliche Daten über den Ist-Zustand des ehemaligen jüdischen Badehauses vorliegen, passiert gar nichts. Studenten der TU München arbeiten daran.

Chang Hoon Jeong (22) fokussiert den roten Messpunkt an der weißen Wand. „Weiter nach rechts“, sagt der gleichaltrige Viktor Nikolov, legt den Zollstock an, und Jeong korrigiert nach. Piotr Kuczynski (22) erfasst die Daten im Laptop. So wird der Grundriss des jüdischen Badehauses am Kolpingplatz Punkt für Punkt digitalisiert.

Drei Tage lang hat das Studenten-Trio des Lehrstuhls für Baugeschichte an der Fakultät für Architektur der TU München Messdaten gesammelt. Kurz nach Pfingsten war bereits eine dreiköpfige weibliche Studentengruppe in Waldram, um die Fassade des Gebäudes zu dokumentieren. Betreut wird das Projekt von den wissenschaftlichen Mitarbeitern Clemens Knobling und Miriam Knechtel. Den Kontakt zur TU hatte Architektin Dr. Kaija Voss aus Geretsried hergestellt, die im Vorstand des Historischen Vereins Wolfratshausen ist. „Ich bin sehr froh, dass sich die Universität für die Vermessung interessiert hat. So können wir den Ist-Zustand festhalten, bevor durch eine Sanierung etwas verändert wird“, sagt Voss. Sie weist darauf hin, wie wichtig es ist, sich auch auf wissenschaftlicher Basis mit dem jüdischen Badehaus auseinanderzusetzen. Die Architektin hofft, im Herbst die Forschungs-Ergebnisse öffentlich präsentieren zu können. Ob es auch eine Publikation dazu geben wird, ist noch offen.

Dass das Badehaus erhalten werden soll, finden die Studenten gut. „Die historischen Hintergründe sind interessant, ich wohne in Dachau und war deswegen schon für das Thema sensibilisiert“, sagt Jeong. Seinen Kommilitonen Nikolov begeistert an alten Gebäuden vor allem deren Prägnanz und Identität. „Altbauten haben besondere Merkmale, sie faszinieren. Neubauten sind alle ähnlich, es wird nichts Außergewöhnliches mehr entwickelt.“

(njd)

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