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„Wie viel sind uns unsere Kinder wert?“: Die Junge Union und die Grüne Jugend im Landkreis hatten zu einem Diskussionsabend über die Geburtshilfeabteilungen ins Wirtshaus Flößerei eingeladen. 

Diskussionsabend der JU und Grünen Jugend

Geburtshilfe: Lösungsvorschlag lautet „Satellitenklinik“

Mit einem großen Podium diskutierten gut 50 Besucher am Montag im Wirtshaus Flößerei über die Zukunft der Geburtshilfe im Landkreis. „Wie viel sind uns unsere Kinder wert?“, wollten die Veranstalter, die Junge Union (JU) und die Grüne Jugend, wissen.

Wolfratshausen „Wenn wir den Standort Wolfratshausen erhalten wollen, müssen wir jetzt dafür kämpfen“: Das betonte Peter Plößl, CSU-Stadt- und Kreisrat. Plößl verwies auf ein Interview von Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) mit unserer Zeitung, in dem Niedermaier erklärt hatte, dass die Geburtshilfeabteilung in der Wolfratshauser Kreisklinik mittelfristig keine Überlebenschance habe. Plößl ist gänzlich anderer Meinung: „Wenn Geld vom Landkreis fließt, dann bitte in ein Haus, das ihm gehört.“

Winkler: „Wir wollen beide Häuser erhalten“

Grünen-Kreisrätin Barbara Schwendner, die in Vertretung des Dritten Landrats Klaus Koch auf dem Podium saß, berichtete, dass die Stimmung im Kreistag nicht daraufhin deute, dass man die Geburtsstation in der privaten Asklepios-Klinik in Bad Tölz finanziell unterstützen wolle. Wie berichtet wird der Betreiber sie zum 1. April schließen. Ein halbes Dutzend Hebammen aus der Kreisstadt unter den Zuhörern setzte sich vehement für die Rettung ihrer Station ein. „Wir wollen beide Häuser erhalten“, sagte Martina Winkler auf dem Podium. Notarzt Dr. Christoph Preuss gab zu bedenken, dass lange Wege in einem Notfall zu Komplikationen bei Mutter und Kind führen könnten.

Der Erhalt der beiden Abteilungen erscheint den Experten nicht realistisch

Realistisch erscheint der Erhalt beider Geburtsabteilungen den Experten, die in der Kreisausschusssitzung am vergangenen Freitag referierten, jedoch nicht. Der Gynäkologe Dr. Manfred Stumpfe, Belegarzt an der Kreisklinik am Moosbauerweg, schlug zur Rettung des Standorts einen noch engeren Verbund mit dem Starnberger Klinikum, das über eine Kinderabteilung verfügt, vor. Wolfratshausen könnte eine „Satellitenklinik“ unter dem Dach Starnbergs werden. Für die kommenden drei Jahren sei die Abteilung gut aufgestellt, so Stumpfe. Doch er und seine Kollegin Dr. Ileana-Maria Niculescu aus Geretsried würden irgendwann in den Ruhestand gehen. Angesichts immens teurer Haftpflichtversicherungen und wenig familienfreundlicher Arbeitszeiten werde es mutmaßlich sehr schwer, Nachfolger zu finden. Das Aus könne ganz schnell kommen. „Das hat man in Bad Tölz gesehen“, gab Stumpfe zu bedenken.

Gastgeber machen sich unisono für wohnortnahe Entbindungsstationen stark

Die Gastgeber, JU-Kreisvorsitzender Andreas Ofenbeck und Grüne-Jugend-Sprecher Jakob Koch, machten sich unisono für wohnortnahe Entbindungsstationen stark. „Der Landkreis wächst. Wir können mit mehr Babys rechnen“, sagte Ofenbeck. „Man muss den Landkreis attraktiv halten. Die Politik sollte sich überlegen, wofür sie ihr Geld ausgibt“, mahnte Koch. Die Kliniken in München und Starnberg seien hoffnungslos überlastet. Es würden auch Auswärtige ihre Kinder in Wolfratshausen zur Welt bringen, weil sie die sehr gute, familiäre 1:1-Betreuung schätzten, meinte eine Hebamme der Kreisklinik. Plößl stellte fest, dass es langfristig auch um die Sicherung der gesamten Kreisklinik gehe.

Kritische Fragen aus dem Publikum

Kritische Fragen aus dem Publikum kamen von Wolfgang Tutsch und dem Wolfratshauser Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt. Tutsch wollte wissen, ob der Landkreis einen privaten Unternehmer (Asklepios) überhaupt mit Steuergeld unterstützen dürfe. Ja, antwortete Kreisrätin Schwendner, das sei in bestimmten Fällen rechtlich möglich. Schmidt sieht einen Interessenskonflikt darin, dass Landrat Niedermaier gleichzeitig Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kreisklinik ist und im Beirat der Asklepios-Klinik sitzt. Dr. Ulrike Krischke, Stadträtin der Bürgervereinigung Wolfratshausen, fragte Schwendner, ob sich das Aus der Entbindungsstation in Bad Tölz nicht schon lange vorher abgezeichnet habe. Schwendner berichtete, dass die Kreisräte von der prekären Situation erst im Herbst vergangenen Jahres erfahren hatten.

Von Tanja Lühr

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