Auf Distanz zum „Dritten Reich“

Icking - Icking erkennt Adolf Hitler und anderen Politikern der Nazi-Zeit die Ehrenbürgerwürde ab.

Der Ickinger Gemeinderat hat sich offiziell von jeglicher Ehrung von Politikern des Dritten Reiches distanziert und Adolf Hitler, Adolf Wagner, Paul von Hindenburg sowie Ritter Franz von Epp nachträglich die Ehrenbürgerrechte aberkannt. Der Beschluss wurde in Ratssitzung am Montag sachlich, einstimmig und ohne weitere Diskussion gefasst.

Zuvor hatte Bürgermeisterin Margit Menrad berichtet, dass Archivar Dr. Peter Schweiger bereits im Jahr 2005 in einem Artikel des Isar-Loisachboten darüber informiert habe, dass sich im Archiv auch Dankschreiben aus dem Jahr 1934 für die Verleihung des Ehrenbürgerrechts befinden. Absender waren: Paul von Hindenburg und Ritter Franz von Epp. Der Gemeinderat habe damals aber keinen Handlungsbedarf gesehen, so Menrad. „Das war rein formell richtig, denn das Ehrenbürgerrecht ist mit dem Tod erloschen.“ Aufgrund der Debatte in der Vorweihnachtszeit habe Schweiger die Gemeinderatsprotokolle dieser Zeit durchforstet, die er mit dem Umzug in die neuen Räume im Rathaus erhalten habe. „Dabei hat er festgestellt, dass der damalige Gemeinderat am 8. Juni 1933 nicht nur Hindenburg und von Epp, sondern auch Adolf Hitler und Adolf Wagner das Ehrenbürgerrecht verliehen hat“, so Menrad. „Heute weiß man, was in den Jahren nach 1934 passiert ist. Es erscheint daher durchaus richtig, im Nachhinein diesen Herren ihre Ehrenbürgerrechte abzuerkennen.“

Die Ickinger Gemeinderäte teilten die Auffassung der Rathauschefin. „Es ist selbstverständlich für mich, dass wir uns einstimmig distanzieren“, sagte Claudia Roederstein (UBI). „Eigentlich wäre dies die Aufgabe des Gemeinderates vor ein paar Jahrzehnten gewesen.“ Es sei eine moralische Verpflichtung. „Wir tragen nicht die Verantwortung für damals, aber dafür, wie wir heute damit umgehen.“ Es sei auch keine Entscheidung, die die Geschichte reinwasche. Man müsse sich weiter damit auseinandersetzen. Auch in Icking gehöre dieser Zeitraum noch besser dokumentiert, obwohl in diese Richtung bereits einiges geschehen sei. „Hier muss noch etwas getan werden.“

Auf Anregung von Alfred von Hofacker, der die Sitzung als Zuhörer verfolgte, wurde zu Beginn der Gemeinderatssitzung eine Gedenkminute abgehalten. Anlass das spezielle Datum der Gemeinderatssitzung. Denn: Genau vor 69 Jahren, am 27. Januar 1945, war das Konzentrationslagers Auschwitz befreit worden. (yvi)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die Sommerbaustellen im Landkreis
Ferienzeit ist Baustellenzeit: Wer derzeit mit dem Auto in die Arbeit pendelt, hat es nicht leicht. Überall im Landkreis versperren Straßenbaustellen den Weg. Das trifft …
Die Sommerbaustellen im Landkreis
„Nicht mal Spazierengehen war erlaubt“: Wie Chamalières die Corona-Pandemie erlebt
Auch wenn Besuche derzeit nicht möglich sind, hält der Partnerschaftsverein Kontakt zu Chamalières. In Zeiten der Corona-Pandemie gibt es einige Parallelen.
„Nicht mal Spazierengehen war erlaubt“: Wie Chamalières die Corona-Pandemie erlebt
Saatgut aus dem Beuerberger Klostergarten: Expertin gibt in Workshop interessante Tipps
Bei einem Saatgut-Workshop im Kloster Beuerberg erfuhren die Teilnehmer von Expertin Rosi Manhart allerhand Interessantes über Samen und Pflanzen. In eigenen …
Saatgut aus dem Beuerberger Klostergarten: Expertin gibt in Workshop interessante Tipps
Acht auf einen Streich: Ein „geniales“ Freiwilliges Soziales Jahr geht zu Ende
Acht junge Leute absolvierten beim Kinder- und Jugendförderverein Wolfratshausen ein Freiwilliges Soziales Jahr. Jetzt hieß es Abschied nehmen. Nachfolger werden gesucht.
Acht auf einen Streich: Ein „geniales“ Freiwilliges Soziales Jahr geht zu Ende

Kommentare